Der Begriff Design ist allgegenwärtig. Das hat die Wirtschaft verstanden. Was auf der einen Seite zu einer Inflation des Wortes führt, kann auf der anderen Seite neue Qualität schaffen. Auf dem Future Forum 2008 treffen sich im Oktober Kreative und Hoteliers, um über die Beziehung zwischen Mensch und Design zu reden
Claus Sendlinger ist Vorstandsvorsitzender von Design Hotels. Ein Hotelverbund von über 150 Hotels, die besonderes Augenmerk auf Design und Architektur legen. Mit PARKAVENUE.DE spricht der 44-Jährige über die Zukunft der Branche sowie über gutes und schlechtes Design
PARK AVENUE.DE: Das Future Forum möchte sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Design beschäftigen. Wie steht es um die Beziehung beider Akteure? Claus Sendlinger: Wir haben erkannt, dass der Hotelbetreiber Design nur nutzen kann, wenn er es versteht. Bildhaft gesprochen: Wenn jemand ein ruhiges Hotel entwickeln will und einen Designer einstellt, der flippig agiert, dann läuft da etwas falsch. Weiß der Mensch den Wert von Design noch zu schätzen? Ja. Denn es gibt gutes und schlechtes Design. Sinn von Design ist es, das Leben zu vereinfachen und es nicht komplizierter zu machen. Dann hat es auch einen Wert. Und dieses Vereinfachen wird auch in Zukunft ein Konzept sein. Der Mensch muss den Nutzen von Design wahrnehmen, dann erkennt er auch den Wert an. In welchen Bereichen ist Design besonders wichtig? In der DNA eines Hotels. Wenn Design nicht all diese Bereiche besetzt, ist es nur Marketing. Design ist ein Gesamtkonzept. In dieser Hinsicht ist es in allen Bereichen wichtig. Das fängt bei der Auswahl der Mitarbeiter an, das geht bei dem Arbeitsumfeld und der Kommunikation weiter.
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Über welche Themen werden Sie auf dem Forum sprechen? Wir haben ein sehr weites Spektrum. Von Eventdesign bis hin zur Städteplanung im Spannungsfeld von "Design as Art" und "Conscious Design". Die Details werden jedoch noch aufeinander abgestimmt. Fest steht, dass das renommierte Londoner "The Future Laboratory" in einem Trend-Briefing, die neuesten sozialen Strömungen erörtern wird. Darüber hinaus kommen weitere interessante Präsentatoren, wie zum Beispiel die niederländische Food-Designerin Marie Vogelzang oder der amerikanische Industrie-Designer Stephen Burks. Was ist das Besondere an Design Hotels? Wir achten auf den ästhetischen Eindruck, die Qualität des Designs, die Liebe zum Detail und das architektonische Konzept. Vor allem stehen jedoch die Persönlichkeiten hinter dem Hotel - vom Architekten über den Besitzer, bis hin zum Personal. Denn die Menschen sind es, die das Konzept erst zum Leben erwecken, die Persönlichkeiten hinter den Häusern. Wichtig ist natürlich auch die Verbindung zwischen der Reise und dem, was vor Ort passiert. Die meisten unserer Hoteliers sind Quereinsteiger und kommen entweder aus der Gastronomie oder aus irgendwelchen Kreativszenen. Unseren Gästen möchten wir nicht einfach nur ein Bett zur Übernachtung oder ein nettes Ambiente anbieten, sondern sie sollen die Möglichkeit haben, Anschluss an die lokale Szene vor Ort zu finden. Unsere Gäste wollen mit den „Locals“ essen, feiern und das Leben genießen. Wir erwarten daher, dass die Mitarbeiter der Hotels für einen Gast den passenden Tipp parat haben: Die Rezeptionistin weiß, welche Galerie ein absolutes Muss für den kunstinteressierten Gast ist und der Service-Mitarbeiter kennt die beste Garküche der Stadt. Warum braucht ein Reisender ein "top-durchdesigntes Hotel", wenn er doch sowieso nur kurz bleibt? Unsere Definition von Luxus ist "freedom of choice". Jeder entscheidet für sich selbst. Unsere Gäste wollen auf Reisen inspiriert werden - sei es durch eine provozierende Kunstinstallation in der Lobby oder durch ein nachhaltiges Umweltkonzept. Die Länge des Aufenthaltes ist dabei unerheblich, Hauptsache die Gäste fühlen sich wohl und nehmen etwas mit.
Was kostet denn im Schnitt eine Übernachtung in einem Design Hotel? Da sind wir recht kommod, wie wir Bayern sagen. Der Durchschnittspreis liegt bei 240 US Dollar. In der Regel kann man zwischen 100 und 200 Euro reisen. Man braucht schon a bissl Geld. Im vergangenen Jahr sind nur 38 von über 400 Bewerbern in die Kette von Design Hotels aufgenommen worden. Wie wählen Sie aus? Wir sind immer offen für neue, ungewöhnliche Ideen. Unsere Firmenphilosophie baut auf dem Gedanken der Individualität, somit gibt es auch keine standardisierten Aufnahmenkriterien. Vielmehr wird jedes neue Hotel mit frischem und kritischem Blick einzeln evaluiert. Der emotionale Teil ist dabei sehr wichtig. Der Bewerber schickt uns Informationen über den Background der Menschen, die hinter den Hotels stehen. Rund 70 Prozent der Bewerbungen kommen von Hotels, die sich noch im Projektstatus befinden. Hier schauen wir uns die Entwürfe und die Marke an. Die bereits fertiggestellten und vielversprechenden Hotels besuchen wir vor Ort, um ein Gefühl für die Häuser zu bekommen. Punkte, auf die wir bei der Auswahl besonders achten, sind: Authentizität, stimmiger Gesamteindruck, Verarbeitung der genutzten Materialien, Atmosphäre, Mitarbeiter, Gäste und Nachhaltigkeit. Sie gelten als ausgewiesener Tourismusexperte. Wo sehen sie die Zukunft der Branche? In Zukunft wird es wichtig, eine Geschichte mit dem Produkt zu verkaufen. Der Preis spielt eine untergeordnete Rolle, wenn Emotionen im Spiel sind. Der Trend in der Touristik ist, man muss Geschichten verkaufen. Moderne Reisende möchten Erlebnisse haben, die sie nicht einfach erwerben können. Dinge erleben, die sie emotional berühren und inspirieren. Mit der Beschreibung einer Hotelanlage auf Bali beeindruckt man niemanden. Erzählen Sie wie Marrakesch entstanden ist oder dass Sie auf einer Expedition waren, dann gehört Ihnen das Interesse der Runde am Kartentisch.