Der BERG-TEST im Mai: Power Plate MY 5
Schriftstellerin Sibylle Berg in ungewöhnlicher Mission: Einmal im Monat testet sie für PARKAVENUE.DE einen technischen Newcomer. Gadgets unter der Lupe – unser BERG-Test
Wenn man Klatschhefte mag, weiß man, dass man ohne eine Power Plate nur schwerlich weiter existieren kann. Madonna hat eine, und bei Amy Winhouse wurde jüngst ein Gerät angeliefert. Wollen wir aussehen wie Amy Winhouse? Egal, das Aussehen ließe sich korrigieren, wenn man das Geld dafür hätte. Amy, die von einem perfekten Management zu Recht PRte Megasellerin. Aber wir reden nicht von Geld, wir reden von Sport. Die Power Plate verspricht dem Verwender, mit täglichen 10 Minuten Training, den gleichen Muskelaufbaueffekt wie bei täglichem 3 Stunden Einsatz zu erzielen. Nie mehr verfallende Fitness-Studio-Abos, nie mehr schlecht gelaunte Versuche, sich als Jogger zum Deppen zu machen. Einfach zu Hause durchruckeln und fertig ist der Spaß. Wo ist der Haken? Eine geringfügige Beeinträchtigung der Freude über die schöne neue Technikwelt könnte der Preis sein. Die Powerplate kostet zwischen 11 000 - 15 000 Euro. (www.power-plate.com)
Das ist der Preis eines hässlichen Kleinwagens, und dessen Dimensionen hat das Gerät leider auch. In meiner Looserwohnung nimmt sie sich aus wie ein auf dem Gesicht stehender Ford.
Wir lernen: Powerplate geht nur mit viel Asche und dem dazugehörigen Anwesen, ja, wir sprechen von Anwesen, wo die Maschine sich zwischen Poolhaus und Tennis Court in den Fitnessparkour schmiegt. Überdies macht sie Bewegungen und Geräusche, die an ein nicht bestelltes Abbruchunternehmen gemahnen. Der häusliche Friede mit der Nachbarschaft dürfte also getrübt sein, wenn man das Gerät zu Ruhezeiten verwenden will. Von solchen kleinen Details abgesehen ist die Power Plate eine ultimative Freude.
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Unsportlichere Charaktere als ich es bin, geraten sogar ins Transpirieren, einen Muskelkater gibt es für alle, und Muskelkater muss doch heißen: Da tut sich etwas. Da arbeitet wer am Fußende für mich, und ich trinke oben derweil Champagner. Die Übungen sind auf einem ebenfalls überdimensional großen Plakat abgebildet, das man in seinen Fitnessparkour hängen kann. Richtet man sich nach dem detaillierten Übungsablauf, könnte alles gut werden. Hofft man. Denn keine Ahnung was passiert, wenn man Muskeln unsachgemäß schüttelt. Keine Ahnung auch, ob das Gerät wirklich ein ekelerregendes Fitnesstudio ersetzen kann, oder wie Sportmediziner unken, nur in Kombination mit noch mehr Sport nützlich ist. Noch mehr Sport? Müssen wir alle noch mehr Sport machen, um Folgekosten zu reduzieren und als gute Bürger Fleißpunkte zu sammeln? Ist nicht der menschliche Organismus an sich ein Folgekostenverschleuderer?
Nach einer Woche Benutzung resümiere ich: Die Powerplate ist ein wundervoller Luxusartikel. Ich habe das minimale Gefühl, mich bewegt zu haben, ertüchtigt gleichsam, aber Obacht: hier spricht eine, die sonst ihr Bett nur zum Sterben verlässt. Ob Madonnas Spitzenform von der Verwendung des Gerätes oder den restlichen 6 Stunden, die sie täglich mit Sport verbringt resultiert, werden wir nie erfahren. Es könnte sein, dass sie einfach einen lukrativen Werbevertrag mit dem Hersteller abgeschlossen hat, wofür ich mich an dieser Stelle mit großem GERNE zur Verfügung stellen möchte.
Getestet hat Sybille Berg die Power Plate MY 5
www.power-plate.com
