Der BERG-TEST im August: Der Rosetta Stone-Online Lernkurs
Schriftstellerin Sibylle Berg in ungewöhnlicher Mission: Einmal im Monat testet sie für PARKAVENUE.DE einen technischen Newcomer. Gadgets unter der Lupe - unser BERG-Test
Ehe wir spitzfindig zu ergründen suchen, ob es rechtens ist, einen Online Kurs als Gerät zu bezeichnen, möchte ich jeden inneren Dialog mit einem "selbstredend!" ersticken. Schwamm drüber.
Im greisen Alter noch eine Fremdsprache zu erlernen, ist ein hartes Brot, falls man nicht zu der Spezies der Abnormalen gehört, die 67 Sprachen beherrschen, und sich eine neue, wie zum Beispiel Kisuaheli, in einer Woche einfach durch das lesen der Tageszeitung in Landessprache aneignen.
Falls Sie ein normaler, erwachsener Mensch sind, wird Ihnen das Erlernen einer Fremdsprache immense Mühe machen. Ich habe es versucht, und weiß, wovon ich rede. Mit mittelmäßiger Intelligenz ausgerüstet, machte ich einen Sprachkurs. Über ein Jahr lang wöchentlich eine Doppelstunde, in einer Sprachschule. Ich war umringt von 18-jährigen Überfliegern aus allen möglichen Ländern, die diszipliniert täglich 3 Stunden lernten, und nach einem Monat konjugierten wie junge Lämmer.
Ich fühlte mich älter, als ich je werden würde, die Grammatik, die Bücher, all diese furchtbaren Zettel – eine Fremdsprache zu lernen, ist so ungefähr das unglamouröseste, was man sich vorstellen kann. Das Nordic-Walking unter den Freizeitbeschäftigungen. Nach Beendigung des Kurses war ich zwar in der Lage, stockend in der neuen Sprache zu buchstabieren, jedoch war es mir nicht vergönnt, auch nur einen geraden Satz zu sprechen.
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Dann fand ich Rosetta. Auch wenn der Name des Lernsystems an eine Intimbleachingcreme für unsere homosexuellen Freunde erinnert, überzeugt es von der ersten Sekunde an.
Die erste Sekunde heißt: Man muss die Wohnung nicht verlassen. Jedes Gerät, was dazu beiträgt, dass Menschen sich nicht auf den Straßen rumtreiben ist ein Geschenk an die Zivilisation. Der Rosetta Stone Kurs ist von sensationeller Verständlichkeit, dank eines patentierten Systems, über das die Firma bescheiden wie folgt Auskunft erteilt: "Es gibt zwar keine universelle Sprache, aber eine allgemeine Weise, wie eine Sprache erlernt werden kann. Diese Methode heißt Dynamic Immersion™ (dynamischer Unterricht in der Fremdsprache)“, ist es wirklich eine reine Freude zu lernen."
Der Kurs lässt mich reden, nörgelt rum, wenn ich das nicht korrekt tue, er zeigt mir Bilder, ich muss raten oder wissen, und es funktioniert ein wenig wie Memory. Man erinnert sich, beim Wiederholen ordnet man die Bilder den richtigen Texten zu. Das Erfolgserlebnis ist immens. Beschwingt in der Fremdsprache singend tanze ich mit meinem Computer in der Hand durch die Bude. Nach einer Woche und vielleicht täglich einer halben Stunde Kurs gucken und Bildchen drücken, kann ich immerhin schon ein paar Satzfragmente sagen.
Keine Ahnung wie Kinder eine Sprache erlernen, das Kapitel liegt zu weit entfernt, doch mit diesem feinen Sprachkurs, dem Rolls Royce unter den Sprachkursen gleichsam, schaffen es selbst faule Säcke wie ich zu kleinen Erfolgen. Ich werde durchhalten. Ich werde eine neue Sprache beherrschen, und ich werde sie reden können. Die einzige Frage ist: Mit wem.
Getestet hat Sybille Berg den Rosetta Stone-Online Lernkurs
Preis: rund 209 Euro
www.rosettastone.de/individuals
