Der BERG-TEST im März: das Streamium WMS von PHILIPS

Schriftstellerin Sibylle Berg in ungewöhnlicher Mission: Einmal im Monat testet sie für PARKAVENUE.DE einen technischen Newcomer. Gadgets unter der Lupe – unser BERG-Test

Stets zu Diensten

Das technische Gerät ist die Handtasche des Herren. Neu im Karton oder gerade ausgepackt, eine enorme Steigerung des Selbstwertgefühls. Ein technisches Gerät passt immer, mag der Bauch auch gewachsen sein, je ausgefallener und rarer es ist, umso jünger, eleganter und stromlinienförmiger fühlt sich sein Besitzer. Vermutlich will man mit seinem Gerät gar nicht die Anerkennung anderer Menschen. Hoffentlich ist das so, denn Anerkennung bekommt man nicht.

Es ist wie mit den Damen, die eine echte Birkin Bag mit sich herumtragen. Da sieht der Fachmann: oha, eine Birkin Bag, da werden jetzt mal zehntausend Euro spazieren geführt, doch bis zum Gesicht der Trägerin schaffte es der Blick nicht mehr, er zieht sich zurück, ins Hirn und denkt über zehntausend Euro nach, über Taschen, Paris, Frühling, den Hund, den Haushaltsmüll.

Das Philips Streamium-Teil sieht aus wie ein funkelnder Riesen-iPod. Ein Basisteil und eine Station, die man in ein anderes Zimmer stellen soll, befinden sich in dem uneleganten Riesenkarton. Um die Schönheit des Wireless Geräts voll auszuleben, sollte man aber mindestens noch zwei Lautsprecher nachkaufen, denn die Idee des Ganzen ist: In die Basisstation kann man CDs stecken, seinen iPod, man kann es mit jedem Gerät verbinden, also auch mit dem Computer, der Stereoanlage (wobei ich den Gedanken nicht verstanden habe), mit dem Fernseher, dem Radio, und dann spielt das Teil Musik.

In sattem wunderbarem Klang. All die anderen Stationen spielen dieselbe Musik in anderen Räumen. Das empfiehlt sich für die Besitzer von Beverly Hills-Anwesen, 12 Schlafzimmern, Poolhaus etc. In einer 3-Zimmerwohnung verpufft der Effekt ein wenig, denn da von einem Raum zum anderen zu gehen, und jeweils einen neuen Lautsprecher zuzuschalten, erscheint mir ein wenig manisch.

Auf der Website des Produktes – ja auch die haben heute ihre eigene Website von denen aus sie mit ihren Freunden chatten können – www.streamium.com ist der perfekte Verwender abgebildet: Ein junger Anlageberater, der sich sein erstes Eigenheim (400 Quadratmeter Wohnfläche, alles aus Glas) gebaut hat, seine Frau studiert noch Jura und ist schwanger mit dem kleinen Hubertus. Der junge Anlageberater hat wenig Freizeit, die nutzt er aber aktiv, mit der Programmierung seiner neuen Philips Broadcast Anlage, und er denkt sich “Broadcast das klingt toll nach Amerika, das werde ich auch noch erobern und in Headge Fond machen.”

Das Programmieren, heißt INBETRIEBNEHMEN, der Anlage ist wie bei allen modernen Spielzeugen nur nach genauem, stundenlangem Studium der Betriebsanleitung möglich, improvisieren kann man da vergessen, da wird gedrückt und geladen, und gewirelest, und am Ende hat man: MUSIK. Die man vorher, wenn man Musik mag, auch schon hatte, aus der kleinen Schrabbelbox, in der der iPod steckt, den man auch stundenlang programmiert hatte, aber egal. Natürlich ist das nicht so très chic.

Fazit: Dieses Gerät wird Sie glücklich machen, wenn Sie jung sind, männlich, Anlageberater mit Eigenheim und einem Kind, das Hubertus heißen wird.

Getestet hat Sibylle Berg das Streamium Wireless Music System von PHILIPS, www.streamium.com