Erst wenn alle Regale voll sind: Bücher verkaufen
Überzeugte Bücherfreunde sammeln ihr ganzes Leben lang: Fachbücher, Sachbücher oder Belletristik. Erst wenn es für Neuerwerbungen in der Wohnung keinen Platz mehr gibt, kommt auch der Gedanke ans Bücher verkaufen.
Die Leidenschaft wird meistens schon im Kindesalter entdeckt: Ein echter Bücherfreund greift bereits im Vorschulalter lieber zur Fibel als zum Spielzeugauto und trägt sein erstes Taschengeld frohen Herzens zum Buchhändler. Bei dieser Neigung bleibt es meistens ein ganzes Leben lang.
Den armen Studenten, der seine kargen Einkünfte sorgsam verwalten muss, der sich aber vom Stöbern in allen Antiquariaten, die er kennt, nicht abhalten lässt, den gibt es auch heute noch. Er sammelt unentwegt – Fachbücher, Sachbücher, Belletristik, Kilo schwere Romane und zierliche Bändchen voller Gedichte, Broschiertes und in schmuckes Leinen Gebundenes, Klassisches oder das ganz Neue auf dem Markt, bis er entdeckt, dass seine Sammlung die Grenzen seiner Wohnung sprengt. Kein Platz mehr in den Regalen – da entwickelt sich der Gedanke ans Bücher verkaufen, damit man wieder Bücher kaufen kann.
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Mit dem Vorsatz, sich von einigen Exemplaren aus seinem Bestand zu trennen, hat er freilich ein Problem. Er kann zum Bücher verkaufen eines der Antiquariate aufsuchen, in denen er immer noch Stammkunde ist, und wird feststellen: Der Händler ist sehr wählerisch und nur an wirklichen Raritäten interessiert. Der Bücherfreund kann eine Auswahl aus seinem Bestand in der Hoffnung auf guten Umsatz auch zum nächsten Flohmarkt tragen und sieht: Der Erfolg lohnt den Einsatz an Zeit und Energie nicht. Schließlich gibt es noch die Adresse der nächsten Universitätsbibliothek. Immerhin macht anerkannte Fachliteratur den größten Teil der privaten Sammlung aus. Müsste man an der Hochschule nicht am preiswerten Ankauf interessiert sein? Aber die Bibliothekare dort winken ab. Der Aufwand für das Sichten, Katalogisieren und Einordnen der Neuerwerbungen in den eigenen Bestand lohnt sich nicht.
Ein vierter Weg führt ins Internet. Dort bietet er die Bände, von denen er sich trennen will, unter dem Stichwort "Bücher verkaufen" an, und – siehe da! – seine Anzeige wird von einer großen Gemeinde gelesen, deren Mitglieder durch ähnliche Interessen miteinander verbunden sind. So kommt manches für beide Partner erfreuliche Geschäft zustande.
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