Warum es keine richtige Rechtschreibung geben kann
Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Schrift als künstlich entwickeltem System zur Dokumentation unserer natürlichen Lautsprache. Folglich gibt es auch keine richtige Rechtschreibung.
Im Jahr 1996 fand eine Diskussion ihren Höhepunkt, die die Gemüter erhitzte und für ambivalente Diskussionen sorgte. Die deutsche Rechtschreibreform wurde abgeschlossen, eine vermeintlich neue Schreibweise amtlich. Beziehungsweise auch wieder nicht, denn mittlerweile gibt es außerhalb der Schulen nur noch Empfehlungen, keine restriktiven Normen mehr, wie dies zuvor noch der Fall war. Aus der Riege der Sprachkritiker wurde damals der Verfall der deutschen Standard-Sprache verkündet und das Ende der humanistischen Ideale vorhergesagt. Was aber ist überhaupt richtige Rechtschreibung? Die Schrift ist eine symbolische Darstellung unserer Lautsprache. Sie wurde vor Jahrtausenden als Hilfskonstrukt entwickelt und eingeführt, um die natürliche Kommunikation auch auf große Entfernungen mittels einer vereinfachten Darstellung auf Papier oder anderen Materialien zu ermöglichen und Wissen nachhaltig konservierbar zu machen. Ebenso wie unsere Sprache ist aber auch das Schriftsystem seitdem einem permanenten Wandel unterlegen.
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Ein interessanter Aspekt der letzten Orthografiereform ist der, dass nahezu ausschließlich Änderungen durchgesetzt wurden, die bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts und teilweise früher von der Wissenschaft gefordert wurden. Teilweise, weil sie zu einer Vereinfachung des Schrifterwerbs für Kinder und Nichtmuttersprachler führen sollten, teilweise auch deswegen, weil sie früher bereits Geltung hatten und gerade als klassisch gelten. Die Regeln zur Zeichensetzung wurden hierbei auf ein Grundmaß reduziert und werden nun am Textverständnis, nicht mehr an einem willkürlich bestimmten Normenkatalog orientiert. Die Kommasetzung beispielsweise dient nun der Kennzeichnung von Pausen und unterliegt nur noch Vorgaben, die der Lautsprache angepasst sind.
Da es sich bei Sprache im Ganzen um ein offenes System handelt, sind Änderungen nicht zu vermeiden. So wie sich Gesellschaften entwickeln, so hat sich die Sprache immer wieder den multikulturellen Einflüssen angepasst. Vom Lateinischen, über das Französische bis hin zu den aktuell diskutierten Anglizismen wandelt sie sich kontinuierlich. Und mit ihr auch unsere Regeln für eine richtige Rechtschreibung.
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