QUANTA COSTA SMERALDA?

Vor 50 Jahren machte der Aga Khan aus einer Felsenlandschaft ein Urlaubsparadies für den Jetset. Nun muss seine Tochter, Prinzessin Zahra, mit ansehen, wie die Smaragdküste zur Goldkettchenküste wird

 

Auch Märchen haben ein Verfallsdatum.Die Prinzessin, die das nicht wahrhaben will, blickt von der Terrasse des Yacht Club Costa Smeralda auf die Bucht, die ihr Vater einst zum Leben erweckte. "Ich bin schon viel gereist in meinem Leben", sagt Prinzessin Zahra Aga Khan, 37, "aber ich habe nirgendwo ein schöneres Meer gesehen als hier an der Costa Smeralda." Das Wasser und der Himmel glänzen tiefblau an diesem Samstagabend, sie vereinen sich am Horizont, wo sie den roten Sonnenball langsam verschlucken. Die Prinzessin stammt aus der ersten Ehe des Aga Khan mit der Britin Sarah Croker-Poole, sie hat in Harvard studiert und in den Sommern in Porto Cervo als Tauchlehrerin gearbeitet.

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Heute ist sie die Vorstandsvorsitzende des Clubs, kümmert sich unter anderem um den Ablauf der sagenhaften Regatten. Der Wind bläst ihr die Haare vor ihre braunen Augen, und unter ihr, im Hafen von Porto Cervo, laufen die letzten Schiffe ein, alte Holzsegler, Regattaboote und zwei Wally- Jachten. Von den Decks steigen zufriedene Seefahrer, die nach ihrem Sundowner noch zufriedener sein werden. "Wir haben die Romantik, die Porto Cervo ausmacht, noch nicht verloren, aber wir müssen gut auf sie aufpassen", sagt die Prinzessin, die selten Interviews gibt und diesem zugestimmt hat, weil Porto Cervo und die Costa Smeralda ihrer Familie viel bedeuten, ein Teil ihrer Geschichte sind. Vom Parkplatz auf der anderen Seite des Hafens brummen die Beats der DeLuxe-Party für Superreiche. Die Prinzessin sagt, sie gehe da nicht hin.

Wenn heute über Porto Cervo geredet wird, wird zwangsläufig auch über den Flavio geredet und seine jüngst zur Ehefrau gekürte Elisabetta, und wie sich beide auf seiner Jacht ölen und grillen wie die Fische, die sie mittags auf der Veranda des Cala di Volpe essen. Es wird über den Giorgio geredet, die Pamela und die Naomi, den Diddy und den Olli, der jetzt nicht mehr den Ball halten muss, sondern Kurs auf seinem Kahn. Es wird über Preise geredet, die "obszön" sind beziehungsweise "unverschämt", wie ein deutscher Manager bei seiner Junggesellenabschiedsfeier kürzlich erfahren durfte.
Was ist also noch übrig von dem Märchen, von der Vision des Karim Aga Khan IV., 71, der Porto Cervo vor fast einem halben Jahrhundert als eleganten Ferienort erfand?

In seinem Büro im Zentrum von Porto Cervo sitzt Ike Therry, 42, vor einem Problem: Auf dem Schreibtisch liegen blaue Mappen, darin stecken Fotos von Playmates mit auffälligen Brüsten und Tattoos an Stellen, die so delikat sind, dass man sie nur gegen Bezahlung sehen darf. Therry muss die Hostessen für DeLuxe auswählen. "Ich will Zwillinge, geile Zwillinge, aber keine, die humpeln", grinst er seine Assistentin an. Gleich kämen wieder 16 Mädels zum Casting, er habe schon einen Mörderjob, und wenn er das sagt, glänzen seine Augen wie das Gel in seinem Haar. Therry hat sich vom Discjockey zum Partykönig hochge arbeitet, zum Michael Ammer der Costa Smeralda.
Die Reichen seien oft arm dran, sagt Therry, die wüssten nicht, wohin mit ihrem Geld, deswegen habe er DeLuxe erfunden. Hier treffen sich die Topfirmen mit den Topkunden. Vergangenes Jahr, bei der Premiere, seien zwei Mangusta-Jachten, zwölf Lamborghini und ein Hubschrauber verkauft worden. Und er, der Junge aus Südafrika, zeige den Scheichs und den Russen, wie Feiern geht, Craig David und Alanis Morissette werden kommen, und neulich habe er hundert Superjachten im Mittelmeer vor einer kleinen Insel zusammengetrommelt, und dann habe er alle von der Insel aus mit einer Schneekanone bespritzt, really crazy! Therry ist die rechte Hand von Thomas J. Barrack, Jr., 60. Der glatzköpfige Milliardär aus Los Angeles und seine Firma Colony Capital kaufen alles, was schnellen Gewinn bringt. Barrack gehört der Fußballverein Paris St. Germain, Michael Jacksons "Neverland"-Ranch und eben die Costa Smeralda. "Sie ist für mich wie eine kostbare Halskette: Ich werde sie irgendwann zurückgeben, aber bis dahin will ich ihren Wert steigern", sagt Barrack.


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