Reisekolumne: Ausnahmsweise
Anthony Lassman ist Herausgeber der exklusiven "Nota-Bene"-Reiseführer, die nur im Abonnement zu beziehen sind ( www.nbreview.com ). Auf PARKAVENUE.DE verrät er, wo die Welt am schönsten ist
Termine sind im Urlaub so unerwünscht wie Termiten. Ausnahme: Ein EXKLUSIV-DATE mit einem Kunstwerk nimmt man gern wahr
Es gibt sensationelle Museen und Galerien auf dieser Welt, und der Wunsch, sie zu besuchen, ist einer der Gründe für meine Reiseleidenschaft. Da Ihnen meine größten Lieblinge (wie die Tate Modern in London, das Guggenheim-Museum Bilbao, die Neue Galerie in New York) vermutlich schon bekannt sind, möchte ich heute auf ein paar Adressen verweisen, die nicht in jedem Reiseführer vermerkt werden.
Ich beginne in meiner Heimatstadt. Der Galerist Brian Balfour-Oatts hat lange Jahre in der Bond Street mit Kunst des 20. Jahrhunderts gehandelt, inzwischen bevorzugt er, einem Branchentrend folgend, einen privateren Präsentationsrahmen. In seiner Wohnung nahe der Themse zeigt er Exponate aus seinem über 1000 Werke starken Archiv (von Picasso-Keramiken über Meese-Collagen bis hin zu Skizzen von Lucian Freud). Welche Stücke aktuell verfügbar sind, steht auf der Website seiner Galerie "Archeus", über die Interessierte auch einen Besuch anmelden können.
Die by appointment only-Politik gilt jedoch nicht nur bei Galeristen, für die jeder Gucker ein potenzieller Käufer ist. Immer mehr Privatmenschen wollen ihre Schätze der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, scheuen jedoch davor zurück, 52 Wochen im Jahr ein Museum zu betreiben. Wie die Familie "Rubell" in Miami. Die kunstbesessene Sippe zeigt in einem alten Lagerhaus ihre beeindruckende Sammlung (Haring, Hirst, Kiefer, Koons, Rauch), und das von November bis Mai. Außerhalb dieser Zeit werden – by appointment – Führungen für kleine Gruppen angeboten. Wer in Kalifornien das Glück hat, als qualified individual zu gelten, also als Einzelperson mit nachweislichem Kunstinteresse, dem wird auf schriftliche Anfrage hin Zutritt zur Sammlung des Philanthropen-Paares Broad gewährt.
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Ohne es zu wissen, werden die meisten von uns bereits vor dem einen oder anderen Stück der "Broad Collection" gestanden haben, denn die Bilder und Objekte der Sammlung, die fast 150 Künstler umfasst, werden laufend an Museen in aller Welt verliehen. Das Ehepaar ist bemüht, nicht nur einzelne Werke zu erstehen, sondern dem Schaffen eines Künstlers in seiner Breite gerecht zu werden; so zählt die Beuys-Sammlung des Hauses zu den drei größten weltweit.
Wer seine Ferientage in very good old Germany verbringt, dem lege ich einen Abstecher nach Berlin ans Herz. In Mitte, auf dem Dach eines Bunkers, hat sich Christian "Boros", 44, einen Traum bauen lassen: ein Museum für, wie er sagt, "Kunst, die ich nicht verstehe".
Nun, immerhin hat Boros einen so wachen Kunstverstand, dass er bereits vor 18 Jahren den Fotokünstler Wolfgang Tillmanns entdeckte; der Turner-Preisträger kostete damals 600 Mark. Seit Juli dieses Jahres darf jeder – by appointment over the internet only – die Werke von Damien Hirst sehen, von Elizabeth Peyton, Anselm Reyle, Tobias Rehberger. Ein paar Straßen weiter östlich, zwischen Sophien- und Gipsstraße, schwebt die Sammlung "Hoffmann" in einem Loft nahe dem Himmel Berlins. Auch hier wird der private Kunstschatz (Stella, Basquiat, Uecker und andere) eines altruistischen Ehepaares (die einstigen Van-Laack-Eigentümer Erika und Rolf Hoffmann) präsentiert; einmal wöchentlich – Samstags, und nur nach Anmeldung.
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