Reisekolumne: Was für ein Abenteuer
Anthony Lassman ist Herausgeber der exklusiven "Nota-Bene"-Reiseführer, die nur im Abonnement zu beziehen sind ( www.nbreview.com ). Auf PARKAVENUE.DE verrät er, wo die Welt am schönsten ist.
Auf den ersten Blick passt das vielleicht nicht zusammen, trotzdem macht es Sinn: Der umweltbewusste Tourist denkt neuerdings über seine persönliche Kohlendioxidbilanz nach.Das führt dazu, dass zwar weniger Reisen geplant werden – die aber sollten es in sich haben.
Der anspruchsvolle Tourist will viel erleben in kurzer Zeit, exklusiv und individuell. Zwar zählt ein Tag am Pool oder im luxuriösen Spa weiterhin zu den Basics, die jeder Gast von seinem Hotel erwarten darf. Darüber hinaus wird aber vor Ort auch die Möglichkeit zur aktiven Zerstreuung erwartet: Segeln, Klettern oder Kitesurfen sollte schon zum Angebot gehören. Wenn man dann während der Sommerfrische zusätzlich noch komfortabel eine Wüste durchqueren oder ein paar eisige Ebenen durchwandern kann – umso besser.
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Und schon wären wir beim Anforderungsprofil ambitionierter Hotels oder Reiseveranstalter wie zum Beispiel Virgin Galactic, einem Spielzeug des kreativen Generalunternehmers Richard Branson.
Der passionierte Ballonfahrer will nicht nur drei Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investieren, sondern auch Reisen ins All für Privatleute möglich machen.
Schon 2009 soll es die ersten lift-offs geben.
Preis: rund 200 000 Dollar und drei Tage Vorbereitungstraining in der Mojave-Wüste.
Die Nachfrage nach den zweieinhalb Stunden dauernden (Aus-)Flügen ist gewaltig.
Das hat vermut lich damit zu tun, dass wir hier über ein Reiseabenteuer reden, das die wenigsten Mitglieder des eigenen Golfclubs schon erlebt haben…
Auf dem gleichen Prinzip basiert die Geschäftsidee der Londoner Agentur „Based On A True Story“ (BOATS).
Das Versprechen von BOATS richtet sich an Reisende, für die „Luxus eine alltägliche Erfahrung darstellt“, Subtext: laaaangweilig! Um auch diese Klientel zufriedenzustellen, bedarf es schon besonderer Angebote: Neulich wurde für einen Gast im arktischen British Columbia eine kleine Eishaussiedlung konstruiert: mit Fellen ausgelegte Iglus, Betten mit Seidenwäsche, fließend heißes Wasser und ein Generator, dessen Zuleitungen sich unter der jungfräulichen Schneedecke versteckten! Das sind so die Erlebnisse, über die man hinterher auf Dinnerpartys sprechen kann, zumal: based on a true story…
Natürlich sind solch wunderbare Egotrips erst ab einem Mindestbetrag von etwa 250 000 Euro zu realisieren, was aber die wenigsten der exquisiten BOATS-Kunden wirklich bekümmert.
Sie zahlen für so ein unvergessliches Exklusiverlebnis auch gern einmal das Fünffache.
Zumal BOATS wirklich alle Unwägbarkeiten aus dem Weg räumt: Wenn kein Hotelpalast für die adäquate Übernachtung in der Nähe ist, errichtet BOATS eben schnell ein Baumhaus, einen Strandpavillon oder – siehe oben – gleich eine ganze Iglusiedlung. So wird Aktivurlaub von heute definiert: Hauptsache maßgeschneidert, Ausstattung exklusiv, Abenteuer inklusive. Da sind Heliskilaufen in Neuseeland, Bergwandern in Bhutan oder Kitesurfen vor Hawaii ja fast noch konventionelle Angebote.
Die Botschaft an die Luxus-Hotellerie aber ist klar: Die Zeit, in der es ausreichte, einfach nur da zu sein, ist vorbei.
Ab jetzt muss sie sich selbst bewegen!
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