Verona Pooth, 40, wurde durch ihre Kurzzeit-Ehe mit Dieter Bohlen zu einer der bekanntesten Werbefiguren und TV-Moderatorinnen
Frau Pooth, was verbinden Sie mit Madonna? Ganz am Anfang von Madonnas Karriere, Anfang der 80er-Jahre, habe ich den Rummel um Madonna gar nicht verstanden. Ich fand ihre Musik nicht außergewöhnlich, der Look war mir zu durchgeknallt. Aber plötzlich hat sie einen Stil kreiert, der in erster Linie "Wie erfinde ich mich neu" hieß und das war genial. Madonna war eine Vorreiterin in Sachen Neuerfindung. Inzwischen gibt es viele Leute, die das machen, aber Madonna war die Erste, die diesen Begriff auch geprägt hat. Und inzwischen ist sie nicht nur ein Megastar, sondern hat auch Geschichte geschrieben. Ich glaube in 100 Jahren wird man sich noch an Madonna erinnern.Gibt es ein persönliches Erlebnis mit Madonna? Ich habe Sie mal bei einer Wetten dass-Sendung kennengelernt vor etwas mehr als fünf Jahren. Bei den Proben schickte sie alle Fotografen und Kameramänner heraus, hatte am Set das Sagen, aber sie war freundlich dabei. Sie war perfekt organisiert und es gab keine unkontrollierten Situationen. Ich fand das faszinierend. Wir wurden von Thomas Gottschalk einander vorgestellt und sie war mir auf Anhieb sympathisch. Sie hat mir die Hand gegeben und wir haben ein bisschen Small Talk geredet. Sind Sie Madonna-Fan? Ich bin kein richtiger Fan von ihr, aber ich bewundere sie für ihre Power und ihre Energie. Ich denke, es ist nicht ohne, drei Kinder zu haben, erfolgreich zu sein, sich immer wieder aufs Neue zu erfinden und auch gegen die Zeit des Alters anzukämpfen. Sie hat so eine enorme Power und einen Körper voller Energie und Kraft. Sie weiß was sie will, und das strahlt sie auch aus. Ist Madonna ein Vorbild für Sie? Nein. Ich bin keine Musikerin, und ich will auch nicht sein wie Madonna. Sie verdient meinen großen Respekt für ihre Leistung und für ihre Kunst. Sie ist für mich eine richtige Künstlerin – über die Videos, die sie produziert, über ihre Optik, die Trends, die sie setzt und was mir besonders gefällt ist, dass sie so ein Familiemensch ist. Ihre Karriere bedeutet ihr sicher sehr viel, aber wenn sie nach Hause geht und die Türe zumacht, ist sie mit Sicherheit eine richtige Mutter und Ehefrau. Sie wirkt wie eine liebe Mutter. Sie wirkt auf mich nicht wie Viktoria Beckham, die immer nur gestylt aus dem Haus geht. Ich glaube, Madonna legt viel Wert auf ihr Privatleben. Schließlich ist es für sie nicht einfach, ein normales, privates Leben zu führen.
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Welche persönlichen Erinnerungen verbinden Sie mit Madonna ? Anfang der Neunziger, als ich so ungefähr 19 Jahre war, habe ich als Model gearbeitet und auf meinem Walkman viele ihrer Songs gehört. Immer wenn ich heute die alten Songs von ihr irgendwo höre, denke ich an diese Zeit. Es war eine schöne, unbeschwerte Zeit.Madonna ist eine weltweit berühmte Marke – Ihr Name ist in Deutschland eine bekannte Marke. Welche Parallelen sehen Sie? In gewisser Weise kann sich jeder Prominente hierzulande mit den Stars in den USA vergleichen. Man definiert sich über das Aussehen, man wird von Paparazzis abgeschossen, und wenn man eine Person der Öffentlichkeit ist und an der Spitze bleiben will – egal ob Model, Schauspielerin, Werbeikone oder Musikerin muss man immer wieder an seine Grenzen gehen und sich neu präsentieren. Das ist ein ganz schöner Leistungsdruck, aber man hat es sich ja auch so ausgesucht. Madonna ist die Königin der Selbstvermarktung.Welche Lieblingssongs von Madonna haben Sie? Ich finde ganz viele toll, aber "Frozen" ist schon ziemlich genial. Aber auch "Music" – ziemlich simpel aber trotzdem sehr gut. Als ihr letzter Song "4 Seconds" wieder an die Chartspitze ging, konnte man im Fernsehen beobachten, dass sie sich richtig darüber gefreut hat. Selbst Madonna kämpft für ihren Erfolg – jeden Tag aufs Neue. Es ist nicht nur Glück und Zufall, wie bei keinem von uns. Was gefällt Ihnen an Madonna? Was ich an Madonna cool finde, ist ihr Angriff nach vorne. Zum Beispiel mit ihrem umstrittenen "Sex"-Buch. Bevor Madonna berühmt wurde, hat sie in einem Striplokal gearbeitet, und davon gab es Nacktfotos. Die meisten Promis würden sich rechtfertigen und sagen, dass es nicht beabsichtig war und dass es aus Versehen passiert ist – dass es eine Jugendsünde war. Aber Madonna hat den Angriff nach vorne gemacht, ein ziemlich hartes Sex- Buch herausgebracht, in dem sie sich nackt fotografieren ließ und das sie auch noch "Sex" nannte. Damit waren die alten Fotos von Madonna, auf denen sie sich mit 18 Jahren oben ohne fotografieren ließ, auf einmal entwertet. Das war genial. Madonna hat damit auch den Playboy übersprungen – das war ihr zu gewöhnlich, das haben ja alle gemacht. Genauer genommen hat sie mit dem "Sex"-Buch ihren eigenen Playboy produziert. Finden Sie es peinlich, dass Madonna auf betont jung und dynamisch macht obwohl sie im August 50 Jahre alt wird? Der Körper altert nun mal schneller als der Kopf und der Verstand. Leider sind die meisten Menschen, die das Leben herausfordern, mental extrem fit. Der Körper hat einen anderen Alterungsprozess als der Kopf und der passt irgendwann einmal nicht mehr perfekt dazu. Madonna ist im Kopf ein total junger Mensch geblieben und natürlich kämpft sie darum, ihren Körper dieser Situation anzupassen. Das geht ja vielen Menschen so, dass sie bereits 50 sind, sich aber wie 30 fühlen. Ich finde es bei Madonna ok, denn sie hat ja selbst diese Entscheidung getroffen. Madonna hat nichts im Leben geschenkt bekommen. Sie kommt von ganz unten und ist ganz nach oben gekommen und sie hat immer noch eine Power im Körper von einer 25-jährigen. Jetzt muss sie den Körper auch halten, sonst passt das eine mit dem anderen nicht mehr zusammen. Sie signalisiert mit ihren fast 50 Jahren, kommt nur nicht auf die Idee, dass ich irgendwie gealtert bin. Sie tanzt jede 20-Jährige unter den Tisch.Madonna im direkten Vergleich zu Alice Schwarzer – wer hat mehr zur Emanzipation der Frau beigetragen? Alice Schwarzer hat 1968 natürlich einen großen Teil dazu beigetragen, die Emanzipation der Frau voranzutreiben. Zu dieser Zeit habe ich mit meinen Schnuller gekämpft und konnte damit noch nicht so viel anfangen. Bei Madonna allerdings: Sie ist weltweit nicht nur für ihre Musik bekannt, sondern sie steht für Selbstbewusstsein und dafür, dass sie die Hosen anhat. Niemand würde bezweifeln, dass sie ein Team von 30 Leuten im Griff hat. Sie hat eine Lanze bei Ihrer Generation gebrochen und demonstriert, dass Frauen genauso das Sagen haben können. Sie war eine der ersten in einer neuen Zeit.Was wünschen Sie Madonna zum Geburtstag? Viel Gesundheit und dass sie es schafft, mit ihrem Mann ihre Ehe zu behalten. Dass bei all dem Stress, den sie hat, die Familie doch das Wichtigste in ihrem Leben bleibt.Was finden Sie an sich besser als an Madonna? Ich finde sie cool und super, aber ich möchte nicht tauschen. Dieser extreme Ehrgeiz immer weltweit auf Nummer eins zu sein. Da wird wahnsinnig viel von ihr selber jeden Tag verlangt. Das ist eine wahnsinnige Power. Dieses harte Pensum will ich gar nicht. Ich bin froh, dass mir meine Familie inzwischen wichtiger ist als meine Arbeit. Viele Jahre am Anfang meiner Karriere habe ich auch nur 3-4 Stunden geschlafen. Wer ist die legitime Nachfolgerin von Madonna? Wer weiß, ob es überhaupt eine geben wird. Viele hat man in den letzten Jahrzehnten kommen und gehen sehen, aber Madonna gab nie auf. Vielleicht schafft es Beyoncé ? Wie sehen Sie die Zukunft von Madonna? Von Madonna wird man immer hören. Ich weiß nicht, wie sie sich mit 70 Jahren inszenieren wird, aber sie wird sicher wieder eine außergewöhnliche Idee parat haben. Madonna wird es immer geben – bis zum letzten Tag. Und ab da gehört sie zu den Unsterblichen.