1:1 GEWONNEN
Wenn dieses Paar in Fahrt kommt, fliegen die Pointen: Simone Thomalla ist die neue "Tatort"-Kommissarin aus Leipzig, Rudi Assauer immer noch der Macker im deutschen Fußball. Zusammen werben sie nicht nur für Bier, sondern vor allem für den Humor im Leben zu zweit
Zur Begrüßung grinst Simone Thomalla."Meinen Kerl haben Sie ja schon getroffen", sagt sie, als sollte ein spöttisches "Wie haben Sie’s überstanden?" folgen.
Eine ganze lange Straße in Markkleeberg bei Leipzig, wo sie für ihren dritten "Tatort"-Film vor der Kamera steht, ist mit den Fahrzeugen des Filmteams zugestellt.
Sie lässt sich berichten und kommentiert trocken des Gefährten Abneigung gegen Journalisten, die Spuren der Wahrheit nicht nur aufm Platz vermuten.
Seitdem die Schauspielerin eine "Tatort"-Kommissarin geben darf, ist sie mehr unterwegs als früher.
Zu Hause in Gelsenkirchen sitzt Rudi Assauer und muss sich seinen Tee selber kochen – harte Zeiten.
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Weil ihr Debüt nicht ganz zufällig die 700.
Folge der Krimireihe war und ihr Partner, der Berliner Großtheaterheld Martin Wuttke, sich beharrlich um PR-Aufgaben gedrückt hat, musste sie solo durch die Talkshows befreundeter Brudersender tingeln.
Obwohl sie, vermutet man gar nicht, wahnsinnige Angst vor solchen Auftritten hat.
So viel Händchenhalten sei sonst nie, sagen Menschen aus ihrer Umgebung.
Der Einsatz hat sich gelohnt: Mit 8,48 Millionen Zuschauern hat sie Ende Mai die bis dahin beste "Tatort"-Quote des Jahres hingelegt. Am Set wirkt sie sicher, das ist Heimspiel.
Im doppelten Sinne sogar: An diesem frühen Morgen, auf dem Weg zum neuen Drehort, sah die 43-Jährige, noch schlaftrunken, aus dem Autofenster, und da blitzte es plötzlich auf, das Haus der Oma, wo die kleine Simone früher oft zu Besuch war.
Mensch, die Haydnstraße, diese lange Strecke zum Clara-Zetkin-Park und zur Rennbahn… "Wir wollen dann bitte drehen" unterbricht das nostalgische Sinnieren, aber gewiss wird sie den Fahrer am Abend gebeten haben, einen Schlenker zu machen, vielleicht gab es sogar ein "Lassen Sie mich bitte hier raus, ich komme dann schon zum Hotel".
Das explosivste, das lauteste Lachen kommt hier in Markkleeberg allemal von ihr.
Es markiert Befinden und Status.
Da steht sie, stark, geerdet wirkt sie, auch Terrain besetzend, ein Hauch von Cowgirl mit der Botschaft an die Jungs: Ich könnte die Pferde auch alleine stehlen! Ja, Sonnenbrillenbügelknabbern ist zwischendurch zu beobachten, aber es bezeugt Anspannung, nicht Angst.
Sie ist ja keine Anfängerin, hat von der Pike auf gelernt, Theaterschule Ernst Busch, hat viel Konsenskram gemacht, wo die latente Gefahr besteht, irgendwann als beschränkt zu gelten.
Sie hatte nicht viel zu spielen, sah aber sexy aus, ohne dabei dieses Pseudo-Laszive anderer Damen auszustrahlen, bei dem man nie weiß, wen die aufgesetzte "Ich bin ja so heiß"-Schwüle mehr anstrengt, die Darstellerin oder den Zuschauer.
Simone Thomalla ist froh, dass sie jetzt in einer anderen Liga spielen kann, auch wenn man den ersten beiden "Tatort"-Drehbüchern noch reichlich Skepsis anmerkt: Kann die das? Aber ja, möchte man rufen, ihr müsst sie aber lassen!
Jüngst hat Dominik Graf sie gelobt, damit hatte sie nicht gerechnet, da war sie selig.
Vor Wuttke, dem Star der Berliner Volksbühne, wahrlich kein Lehrer-Doktor-Specht-Landarzt-Typ, hatte sie Respekt.
Aber Frau Thomalla kann sehr praktisch sein und fasst den Berliner Kennenlerntermin so zusammen: "Als wir um vier Uhr früh aus dem Florian wankten, war klar, dass es funktioniert.
"Das Paar spielt viel mit Blicken, sie schlagen einander auf diese Weise ein paar Stimmungen vor, sie üben noch: spöttisch, schnippisch, mädchentrotzig sie; kühl, ironisch, müde er.
Die versuchsweise beleidigte Schnute kann sie klasse, ihre Spezialität ist aber seit Jahren der auf zwei Finger gesetzte Luftkuss zum lässigen Abschied, den darf sie auch als Kommissarin Eva Saalfeld zeigen.
