Im Interview: Anna und Katharina Thalbach
Die Pragmatikerin und die Verspielte - Mutter und Tochter Thalbach
Anna Thalbach: Das mit dem Verstecken war der Fehler. Die Schatzsuche hat mich gut beschäftigt.
Katharina Thalbach: Und sie war so erfinderisch! Bis sie das Zeug wiederhatte, hat sie mit Kochtöpfen gespielt. Das machte noch mehr Unordnung und war noch lauter.
Anna Thalbach: Du kannst mich jetzt mal besuchen kommen. Ist alles ganz ordentlich bei mir.
Anna Thalbach: Eigentlich haben wir uns nicht viel gestritten. Ein bisschen in der Pubertät, wie sich das gehört. Von einer ausgeprägten Streitkultur kann mangels Gelegenheiten nicht gesprochen werden. Höchstens mal Anzicken, wenn wir einen schlechten Tag haben.
Katharina Thalbach: Dauernd. Furchtbar. Das kriegt man nicht mehr aus sich raus. Und meine Sorge hat sich natürlich verdoppelt, seitdem ich eine Enkelin habe.
Anna Thalbach: Die Geburt meiner Tochter hat uns noch mal neu und anders zusammengebracht. Man versteht, wenn man selbst Mutter ist, im Rückblick viel besser, wie Konflikte entstehen konnten, ja, mussten. Und bestimmte Verhaltensweisen, die man albern fand, kann man plötzlich auch an sich selbst beobachten. Ich bin wahnsinnig froh, dass meine Tochter eine so patente Großmutter hat, die mir viel abnimmt hat – eine echte Super-Oma eben.
Anna Thalbach: Ja, klar, mit Krächen. Das war eine Zeit, in der Kathi sehr viel gearbeitet hat…
Katharina Thalbach: Ich glaube, ich war da auch nicht so besonders geschickt. Das lag auch daran, dass ich eine ganz andere Jugend hatte: Dadurch dass meine Mutter so früh starb, fiel bei mir die klassische Pubertät aus. Dieser ganze Kampf gegen die Eltern, das hatte ich nicht. Ich habe sehr früh angefangen zu arbeiten, stand damit auf eigenen Füßen und war aber auch nicht besonders daran interessiert, mit Gleichaltrigen um die Häuser zu ziehen. Das hat mich alles sehr gelangweilt, ich habe da lieber gelesen oder bin ins Theater gegangen. Darum habe ich das zuerst gar nicht verstanden, was da mit meinem Kind passierte. Ich konnte auch kaum mit jemandem darüber reden, weil es im Westen, in den ich ja nun gekommen war, sehr unüblich war, so früh ein Kind zu bekommen. Die Frauen, die ich kannte, die Gleichaltrigen, die bekamen ihre Kinder, als ich Oma wurde. Von daher war ich auch mit solchen überraschenden Erziehungsfragen eher alleine. In meiner Umgebung gab es damals niemanden, mit dem man darüber reden konnte. Ich hab diese Jugendlichen ohnehin nicht verstanden: Die saßen da rum, hatten noch nichts erlebt, philosophierten aber über die Welt – für mich waren die alle krank. Dieses ganze Rumhängen, Chillen, ich fand das furchtbar. Aber Anna hat es auch nicht leicht gehabt mit mir. Das war die Zeit, als ich begann mit Regieführen – wir hatten's beide nicht leicht miteinander. Und Anna ist dann auch relativ früh ausgezogen.
Anna Thalbach: Zwei, drei Jahre dauerte das schon.
Katharina Thalbach: Das änderte sich dann wieder, als wir anfingen, miteinander zu arbeiten. Das war bei Jérôme Savary bei ,Mutter Courage’ in Paris. Da spielte ich die Courage, Anna spielte die stumme Kattrin und wurde schwanger. Da wohnten wir in Paris zusammen, da wurden wir wieder vertrauter miteinander, da wurde es wieder fein.
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Anna Thalbach: Ja und nein. Die Hierarchie baut sich ab, der Respekt vor ihr aber keinesfalls. Etwas erwachsener ist es schon – es ist nicht mehr eine zwangsläufig im Recht, nur weil sie älter ist. Aber befreundet? Och ...
Katharina Thalbach: Ich glaube, wir haben das so ganz gerne: Mama und Kind.
Anna Thalbach: Wir sind sehr gut eingespielt jetzt. Es könnte sich nochmal stark ändern, wenn meine Tochter Nellie ein Kind bekommt.
Katharina Thalbach: Das liegt auch daran, dass ich ganz anders groß geworden bin, in einer anderen Ordnung, eben in der DDR. Das fing bereits in der Schule an, wo ich mich aufgeregt habe, was die anderen alles durften. Ich war derart preußisch, dass mir das alles schon sehr lax vorkam.
Katharina Thalbach: Anna ist ja mit mir im Theater groß geworden, so wie ich vorher mit meiner Mutter und meinem Vater Benno Besson, der einer der großartigsten Theaterregisseure überhaupt war. Da gibt es eine Familientradition, was das Verständnis von Theater angeht. Das steht nicht in den Fachblättern, das wird alltäglich erlebt.
Katharina Thalbach: Ah, du würdest gern so schön schnell aufräumen können wie ich!
