FIGAROS HOCHZEIT - zwei Jahre danach

Sie: deutscher Uradel. Er: der mächtigste Friseur der Welt. Sie + Er: Shirin von Wulffen und Frédéric Fekkai sind seit zwei Jahren so sehr verheiratet, dass man Zwietracht säen möchte

 

Es gibt Namen, die sind wie Vorschusslorbeeren. Lieschen Müller gehört natürlich nicht dazu. Evelyn Holst leider auch nicht. Wenn dagegen jemand Shirin von Wulffen heißt, was auf Persisch "die Süße" bedeutet, wenn diese Süße seit zwei Jahren mit Frédéric Fekkai verheiratet ist, einem New Yorker Starfriseur, der für ein Viertelstündchen Schnippschnipp ab 600 Dollar aufwärts kostet, und wenn sie dann noch als Director of Communications North America für Tom Ford arbeitet und fünf Sprachen, unter anderem Farsi, spricht, dann erwartet man von einem Interview mit ihr vor allem eins: ein knochentiefes Gefühl von Unterlegenheit, mit dem man sich anschließend in sein kleines, unwichtiges, glanzloses Leben zurückschleicht. Hass und Neid werden einem giftige Worte ins Keyboard fließen lassen über eine superkünstlich aufgebretzelte Blondine mit jeder Menge hair extensions und glatt polierten French Nails, weiß und hart wie halbierte Kaugummikissen. Und dann so was! Gerade hat man beschlossen, sich gegen den Stress ein Sandwich für 22 Dollar zu gönnen, da steht sie plötzlich vor einem. Man hat sie nicht kommen hören, es ging kein Raunen durch den Saal; wie auf weichen Pfoten scheint sie sich in den Teesalon des feinen Carlyle Hotels hineingeschlichen zu haben, obwohl sie High Heels von Louboutin trägt. Sie sagt: "Hallo, ich bin Shirin", und plötzlich fällt einem auf, dass sie weder Haarverlängerungen noch French Nails hat. Sie ist so ungeschminkt wie ein Babypopo; und dass sie so frisch, so sexy, so heidiklumig alle anderen Frauen im Teesalon wie welke Rosenblätter wirken lässt, muss einfach verkraftet werden. Es gibt sie eben, diese Wesen, die alles Schöne im Leben anzufliegen scheint wie Blütenstaub, und obwohl diese vermeintliche Leichtigkeit oft darüber hinwegtäuscht, dass eine Riesenportion Ehrgeiz, Ausdauer und Fleiß dahintersteckt, mit diesem Vorurteil muss sie leben. Sie setzt sich, ihr Rücken ist kerzengerade, ein Hauch von cooler, gleichzeitig müheloser Eleganz umgibt sie, was nicht nur an ihrer schwarzen Bluse von Chanel und der ebenfalls schwarzen Hose von Gucci liegt. Sie hat’s einfach. Die dicke weiße Sportuhr, ebenfalls Chanel, hat ihr Frédéric geschenkt, "ich wollte nicht so was Protziges", sagt sie lächelnd, und man sieht: Zu allem Elend hat sie auch noch Grübchen. Sie bestellt einen gesunden Tee, ignoriert den Keks auf der Untertasse, und später wird ihre Mutter Ulrike von Wulffen erzählen, dass Shirin mit 18 Jahren eine Phase hatte, wo sie ihr sagen musste: "Jetzt musst du aufpassen, sonst wirst du zu dick." Da war die Süße kurz stinkbeleidigt, seitdem passt sie auf und wird mit einer Figur belohnt, die so anstrengungslos sportlich aussieht, dass man fast den Keks, den man sich gerade von ihrem Untertassenrand stibitzt hat, zurücklegen möchte. Und es doch nicht tut. Weil der Keks sehr lecker ist. Das ist eben der Unterschied. Während andere Kekse klauen, ruht sich Shirin von Wulffen nicht auf ihren Lorbeeren als Schnuckelblondine aus. Heiratet keinen billiardenschweren Ölscheich, sondern entwickelt Ehrgeiz, Biss und einen hohen Anspruch an sich selbst. "Das ist die Aufzucht", sagt ihre Mutter, "leicht ist langweilig, und was man sich zutraut, schafft man auch. Wir sind ein altes Adelsgeschlecht und haben uns immer alles zugetraut."

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Tja, und genau darum hat sie bereits eine rasante Karriere als PR-Chefin für diverse Luxuslabels hingelegt und sich den begehrtesten Junggesellen der westlichen Hemisphäre geschnappt. Genau darum zieht sie jetzt mit diesem Traumprinzen in ein Apartment, das sieben Millionen Dollar gekostet hat und direkt am Central Park liegt. Einziges Problem: die Einrichtung, sagt Shirin. Genau wie ihre Mutter geht sie gern auf Trödelmärkte, entscheidet blitzschnell, liebt Stilmixe, schräge Mischungen. Frédéric hat dagegen lange in Hotels gewohnt, tendiert beim Möbelkauf zur Ambivalenz, hat aber zu jedem ihrer Käufe eine starke Meinung. "Da muss ich halt durch", sagt Shirin. Vor fünf Jahren haben sie sich bei einem Dinner in New York kennengelernt, der vietnamesisch-ägyptisch-französische Starfriseur Frédéric Fekkai, 49, und die deutsche Baronin Shirin von Wulffen, 33, die in Mailand die PR für Tom Ford organisierte. Er saß neben ihr und erzählte später, es habe bei ihm sofort geknallt. Peng! Die oder keine! "Ich habe gleich gemerkt, dass es gut gepasst hat", sagt er, "vielleicht, weil wir beide Europäer sind." Sie dagegen schaute in seine Dr.-Schiwago-Augen und dachte: "Vorsicht, Frauentyp! Finger weg!" Womit sie absolut recht hatte, denn Frédérics nicht nur voreheliche Umschwärmtheit erreicht Brad-Pitt-Dimensionen, besonders in einer Stadt wie New York, in der die Schwulenrate genauso hoch ist wie die Anzahl heißer, paarungswilliger weiblicher Singles. "Früher konnte man seine Frau gefahrlos zum Friseur schicken. Frédéric hat das geändert", stöhnten die Ehemänner der Kundinnen, denen der erotische Figaro sein berühmtes Mantra ins Ohr flüsterte: "Wenn ich die Haare einer Frau berühre, weiß ich, wer sie sein kann." Dann seufzten und ergaben sie sich. Weil sie wussten, so schön wie nach Frédérics Sonderbehandlung würden sie nie wieder sein. Fekkai stylte Emma Thompson für "Was vom Tage übrig blieb", er legte Hand an Sharon Stone, Uma Thurman und Hillary Clinton. Seine Salons in Manhattan, Hollywood, Palm Beach und Greenwich, Connecticut, sind Schönheitsparadiese, in die der Meister einschwebt und für einen Haarschnitt, wie gesagt, mindestens 600 Dollar kassiert. Ein Traumprinz also. Doch bei Shirin war er anders. "Wir waren uns von Anfang an total vertraut", erinnert sie sich, "es gefiel mir, dass er sofort ganz entspannt von seinem Sohn Alexander erzählte, auf den er sehr stolz war." Und dass Frédéric am nächsten Morgen keine roten, sondern gelbe Rosen schickte. Und der Brief dazu handgeschrieben war. Kurz darauf war Shirins italienischer Lover Geschichte, Frédéric lud sie auf seinen Landsitz nach Millbrook, New York, ein, ein Fahrer holte sie ab, verfuhr sich, und sie saß auf dem Rücksitz der Limousine, aufgeregt, gleichzeitig ganz wunderbar entspannt. Dieses Supergefühl - das ist es! "Ich betrat sein Haus und fühlte mich zu Hause", sagt sie, "es passte einfach." Kein Stress, keine Spielchen, kein Lauern auf einen Heiratsantrag. Was für ein Geschenk das ist, kann nur ermessen, wer das Haifischbecken kennt, in dem sich das speed dating der New Yorker normalerweise abspielt.

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