SCARLETT JOHANSSON – The girl next dream

Die Schriftstellerin A. M. HOMES fühlte sich sofort zu einem Roadmovie inspiriert, als sie SCARLETT JOHANSSON traf. Erlebt? Erfunden? Egal

Sagen wir einfach, es war Jeffersons Idee. Er fand, dass Scarlett Johansson und ich eine Fahrt ins Blaue machen sollten – ganz im Sinne der großen amerikanischen Tradition, des klassischen Initiationsritus, man denke nur an Kerouacs „Unterwegs“. Im Handumdrehen hat er uns überredet. Er schickte uns eine E-Mail: „Gebt Gas, Mädels. Ruft an, wenn ihr euch verfahrt.“ Innerhalb weniger Sekunden mailt Scarlett zurück: „Ich dachte, genau das wäre der Sinn der Sache: dass wir uns verfahren.“

Eine Stunde später schickt Scarlett mir einen Link zu einer Jugendherberge an den Niagarafällen im Staat New York. Ich klicke den Link an und frage mich, ob das ein Witz sein soll. Im HI-Buffalo Niagara, 667 Main Street, hieß es, kann man rund um die Uhr heiß duschen und kommen und gehen, wann man will. Und es gibt Spinde in den Schlafsälen und Waschmaschinen. Ich schaue mir Fotos von der Gemeinschaftsküche und von Zimmern mit diversen Etagenbetten aus Holz an. Meint Scarlett das ernst? Haben Stars Humor? Ich maile zurück: „Scarlett, für die Niagarafälle hab ich keine Zeit, was gibt’s sonst noch?“ Sie schickt ein Foto von sich, das im Garten des Bel-Air-Hotels in Beverly Hills entstanden ist. Sie trägt ein hübsches weißes Seidenkleid und füttert die Hotel-Schwäne. Ich mag das Bel-Air, die machen guten Eistee. „Okay“, schreibe ich zurück. „Aber wir brauchen einen Plan.“ „Ich habe Landkarten“, anwortet sie. Als ich sie frage, wie lange wir wohl unterwegs sein werden, meint sie: „Lassen wir’s auf uns zukommen.“

Ich bin etwas nervös. Schließlich tun wir das alles nur für diesen Artikel. Wir werden doch wohl nicht wirklich über Land fahren, oder? Vielleicht sollten Scarlett und ich einfach mit dem Taxi durch Manhattan fahren, dann kann sie mir zeigen, wo sie aufgewachsen und wo sie zur Schule gegangen ist. Sie kann mir erzählen, wie sie zu Scarlett Johansson geworden ist, der Überfliegerin, die im neuesten Woody-Allen-Film „Vicky Cristina Barcelona“ mitspielt und dieses Jahr eine CD mit Tom-Waits-Coverversionen aufgenommen hat. David Bowie singt Background, im Video vergräbt Salman Rushdie seine Nase in ihren Haaren.

Wann mir Scarlett zum ersten Mal aufgefallen ist? Im „Pferdeflüsterer“. Da war sie 14 und lieferte unter der Regie von Robert Redford eine hinreißende Vorstellung ab. Mit 16 spielte sie einen zynischen Teenager in Terry Zwigoffs „Ghost World“. Und dann kam „Lost in Translation“, da war sie 19. Sie spielte ein junges Mädchen, das seine Illusionen verliert und vom Kind zur Frau wird. Dieser Film wurde auch für Johansson zum Wendepunkt – vom Nachwuchstalent zum Star. Im „Mädchen mit dem Perlenohrring“ war sie als Griet, das Hausmädchen des Malers Jan Vermeer, ganz Introvertiertheit und Hingabe. Danach holte Woody Allen sie regelmäßig in sein Schauspieler-Ensemble. Ich denke an Scarlett, während ich meinen Koffer packe – ein Kissen für meinen schlimmen Rücken, Fressalien, Handy-Aufladekabel, Kassettenrekorder, Batterien, Notizbuch, Pyjama – zahlt die Zeitschrift für zwei Hotelzimmer, oder müssen wir uns eins teilen? Während ich den Inhalt meiner Wohnung in einem Koffer verstaue, hinterlässt Scarlett eine Nachricht auf meinem Handy: „Ich bin im Bioladen und hole was zu essen – Sie sind doch keine Veganerin, oder? Ich hole Sie in 20 Minuten ab.“

Was sie wohl für einen Wagen hat – einen Honda oder ein umweltfreundliches Hybridauto? Vielleicht auch einen Minivan mit drei Sitzreihen, in dem wir unser Süßigkeitenpapier einfach nach hinten werfen. Vielleicht kann sie ja auch gar nicht fahren und kommt in einer langen schwarzen Limousine mit Chauffeur. Doch Scarlett fährt in einem roten Mini Cooper vor. Für einen Filmstar wirkt sie ziemlich normal. „’tschuldigung“, sagt sie und räumt ihre riesige Handtasche vom Beifahrersitz. Ich schnalle mich an. „Ihr Wagen gefällt mir“, sage ich. „Das ist nicht meiner, der ist gemietet“, sagt sie und tritt das Gaspedal durch. Was jetzt? Den Kassettenrekorder anstellen und das Geräusch der Reifen auf dem Highway aufnehmen? „Also“, sage ich, „wo fahren wir hin?“ „Wie wär’s, wenn Sie das mir überlassen?“, sagt sie. Tja, wie wär’s? Ich hasse Überraschungen, und obwohl sie ein Filmstar ist, kommt es mir vor, als würde ich entführt. „Vielleicht nach Nyack?“, schlage ich vor. „Das ist nur eine halbe Stunde von New York City entfernt. Wir könnten einen Kaffee trinken, uns eine Stunde unterhalten und dann wieder nach Hause fahren.“ Sie schüttelt den Kopf. „Bennington, Vermont? Da gibt es gute Cheeseburger.“ Sie schüttelt den Kopf. „Na gut, dann das Ostufer der Chesapeake Bay in Maryland?“ „Nein“, sagt sie lachend.