Im Interview: Felix Neureuther, Rosi Mittermaier + Christian Neureuther
Blut und Schnee sind eben dicker als Wasser - das Ski-Erfolgstrio
Felix Neureuther: Es steht in den Zeitungen immer, dass ich schon mit 2 Jahren auf den Bretteln gestanden hab, aber das hat meine Schwester Ameli auch, wie halt jedes Kind hier.
Christian Neureuther: Eben, wenn man hier skibegeistert ist, braucht man keine Gene, das ist automatisch so in den Bergen.
Felix Neureuther: Außer dass beim Kinderskirennen die Leute gesagt haben, schaut's da kommt der kleine Neureuther, war ich von der Berühmtheit völlig unbeeinflusst.
Rosi Mittermaier: Weil wir darauf sehr acht gegeben haben. Hier stand kein einziger Pokal herum, ich weiß noch, ihr habt von den Skierfolgen der Eltern zufällig von anderen Kinder erfahren, weil da einer ein Olympiabuch hatte und Dir gezeigt hat: Schau da is ja die Mutter drin! Ich weiß noch, ich bin mit Dir, da warst Du ganz klein, zu so einem kleinen Kinderlift und wollte da a bisserl probieren. Aber Du wolltest sofort ganz nach oben und da richtig fahren, was aber nicht ging, ich hatte ja selbst keine Ski mit. Und da hast Du geschrieen und geweint. Da kam eine Dame und hat gesagt: Der arme Neureuther-Bub, wird da zum Skifahren gezwungen. Dabei war's das Gegenteil.... Am nächsten Tag sind wir wieder hin und los ist es gegangen. Er war nicht mehr von der Piste zu bekommen.
Christian Neureuther: Und wie! Der hat sich über jede Piste gewagt, wir sind ja fast jede Woche im Krankenhaus gewesen, weil er dauernd – sagen wir – zu mutig war.
Felix Neureuther: Zweimal Knie operiert, zweimal Schulter, Schlüsselbein, Sprunggelenke, na ja ... da sind schon ein paar Verletzungen dabei.
Rosi Mittermaier: Aber es ist so ein traumhafter Sport, auch wenn das gerade als Mutter nicht immer toll ist, wenn er sich in Gefahr begibt.
Christian Neureuther: Ja, aber wir schauen manchmal hoch auf den Berg und sagen uns: Traumhaft, unser Sohn darf da oben gerade diese tollen Sachen wie wir selbst erleben.
Felix Neureuther: Schlimm war für mich bloß die Schule, die mich aus meiner Sicht bloß vom Trainieren abgehalten hat.
Rosi Mittermaier: Aber das war Bedingung: Ohne Abi kein Skisport.
Felix Neureuther: Das war jeden Tag ein Konflikt.
Christian Neureuther: Oh ja, das gab harte Auseinandersetzungen, die ich aber auch von früher kannte. Deshalb gab's da keine Gnade. Wirklich ganz oben im Skisport mitzumachen oder überhaupt in einem Beruf – was wir beiden Kindern natürlich immer gewünscht haben – ist wenigen vergönnt. Da muss man eine Basis haben.
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Felix Neureuther: Ich hab das erst gemerkt, als es beim Sport nicht so gut gelaufen ist. Wenn man gewinnt reißen sich alle um einen, aber wenn man nicht so gut ist, Verletzungen dazu kommen oder man sich auf den Lorbeeren ausgeruht hat, kommt das mit einer doppelten Härte zurück. Da denkt man sich schon mal, was kann ich für die berühmten Eltern, aber ich bin halt schon sehr stolz auf die Karieren der beiden. Ich möchte nicht Müller heißen. Das einzige Mal vielleicht als Kind, als ich mal an eine Zaun angefahren bin und geblutet habe und ein Mann mir geholfen hat. Als dann die Mama angelaufen kam, um mir zu helfen, ließ der Mann mich fallen und hat gerufen: Mei, das is ja die Goldrosi!!
Rosi Mittermaier: Aber wir haben immer darauf geachtet, dass er selbst seine Erfahrungen macht –mit allen Fehlern.
Christian Neureuther: Wie es in allen Familie stattfindet. Wir sind ja auch eine sehr normale Familie.
Felix Neureuther: Im Vergleich habt ihr Euch weniger eingemischt als andere Eltern, die gar nicht vom Fach sind. Ihr habt uns auch nicht mit Technik zugeschüttet. Es gab zu Weihnachten neue Skier und das war's.
Christian Neureuther: Unser Kinder mussten immer als längste mit den alten Skiern rumfahren, die neuen standen eben unterm Weihnachtsbaum.
Felix Neureuther: Und von wegen Prominentensohn: Ich war der einzige im Ort, der erst mit 18 einen eigenen Fernseher gekriegt hat. Das Klischee „der kriegt eh alles reingschoben“ wie man hier so sagt, stimmte nicht. Aber das war auch ganz gut. Ich weiß noch, wie begeistert und glückserfüllt ich war, als ich mit 16 meinen ersten Anzug mit dem Logo des deutschen Skiverbandes bekam. Das war für mich das Höchste. Sowas zählt aber für viele Junge nichts mehr. Und ich glaube, dass da auch das Problem liegt, das wir im Sport aber auch generell haben. Den Leuten ist das alles nichts mehr wert. Die jungen Nachwuchssportlern werden heute sogar die Skischuhe und Handschuhe von anderen angezogen.
Christian Neureuther: Das ist so ein Fehler, der da gemacht wird. Die erfahren nicht, dass man für Erfolge auch Leistungen erbringen muss. Deshalb kommen die guten Läufer heute oft aus Ländern, wo nicht alles selbstverständlich ist und man sich das hart erarbeiten muss.
Christian Neureuther: Ich bin stolz auf unseren Buben, wie er mit Menschen umgeht. Mit welchem großen Herz er alle gleich behandelt. Und wie er mit dem Druck umgeht, der aufgrund der Konstellation einfach da ist.
