"Ich mag irgendwie Dinge vor denen die Leute Angst haben"
Karl Lagerfeld über... den Islam
Es ist ja atemberaubend wozu Sie alles Zeit haben. Compilations, Videogames, Teddybären...Toll oder? Das Game ist das meistverkaufte Videogame der Welt. 100 Millionen Mal.Ihretwegen?Nein, aber es ist gut vom Image her. Aber es ist politisch sehr unkorrekt. Haben Sie gehört was ich da alles sage? Das würde ich hier nicht wiederholen, Puh! Aber ich finde es ganz witzig! Eröffnet sich Ihnen dadurch ein Einblick in die Lebenswelten von 15-Jährigen?Das sind meine besten Kontakte auf der Straße – diese Generation. Ich könnte in die gefährlichsten Vororte gehen, da würde mir nichts passieren. Das ist unglaublich. Die hören mich Dinge sagen die nicht konventionell sind, ich gehöre nicht zum Establishment, ich seh nicht aus wie ein Bankier, wie ein Verwalter oder wie ein Pauker. Oder was weiß ich. Für die bin ich ein Hampelmann aus einer anderen Welt. Und das finde ich toll. Wenn ich auf die Straße gehe, habe ich plötzlich Hundert um mich rum. Ich bin ein Kumpel, die duzen mich und alles, das finde ich toll. Das ist der größte Erfolg meines Lebens.
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Warten Sie schon mal In Neukölln?Wo?Diesem Berliner Bezirk, wo es etwas härter zugeht. Ich kenne nur die französischen Vororte. Aber das wäre für mich kein Problem. Ich habe ja auch nichts gegen Moslems. Man muss ja sagen, was die Katholiken gemacht haben, um die Welt zu christianisieren, da ist ja der 11. September nix dagegen. Manchmal überlege ich mir, ob ich nicht Moslem werde. Religion gehört irgendwie dazu, aber die katholische Kirche tuts ja nicht mehr. Da wird ja nur das Geld ausgegeben, um die Pädophilie-Opfer zum Schweigen zu bringen. Damit ist es endgültig aus und vorbei. Jude kann man nicht werden. Ich trinke ja nicht, das würde doch passen? Alles was denen verboten ist, ist für mich natürlich, dass ich es nicht mache.Ich fürchte, manches, das Sie tun oder sagen, würden muslimische Glaubenswächter am liebsten mit Stockhieben bestrafen.Ach ja, aber ich finde das nicht schlimm. Ich mag es ja gerne, wenn mich jemand angreift. Sie sind ja in Dubai an einem Projekt, der „Isle of Fashion“ beteiligt. Kommt daher diese Islam-Nähe?Die haben mich genommen, weil ich der bekannteste Mann in der Mode bin. Ich meine Donna Karan, da wissen die ja nicht mal wie die aussieht.... Kommen wir noch mal zum Islam zurück:Ich mag irgendwie Dinge vor denen die Leute Angst haben.Dann stellen wir uns vor, der Modeschöpfer Karl Mohammed Lagerfeld würde seine Kollektion herausbringen: Stört es Sie nicht, wenn die Kreationen alle unterm Tschador verschwinden müssen?Schauen Sie mal drunter, die sind unter den Schleiern angezogen wie Paris Hilton. Die Idee ist, dass die Frauen öffentlich nicht so zeigen, aber zuhause geht´s zu wie bei 1001 Nacht. Wussten Sie, dass ich in dem Haus wohne, das einmal dem Übersetzer von 1001 Nacht ins Französische gehörte? Das ist doch zum Heulen, nicht?Aber mal ernsthaft gesprochen. Die brutalen und undemokratischen Elemente des Islam können Ihnen doch nicht gefallen.Für die katholische Kirche war es auch nie ein Problem, alle auf den Scheiterhaufen zu stellen, die ihnen nicht passten. Ist schon etwas her.Jaja, und die Franzosen haben erst die Menschenrechte erfunden und sich danach bei der Kolonisation nicht ganz danach verhalten...Man weiß bei Ihnen nie, ob Sie sich ernsthaft mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzen... Ich bin nie ernsthaft.Aber ganz schön kokett.Nein, oberflächlich.... Schauen Sie, ich antworte auf diese Dinge, weil Sie mich fragen, aber ich selbst von mir aus, habe eigentlich nichts zu sagen. Wer eigentlich nichts zu sagen hat, wäre kein Meister der Provokation wie Sie?Provokation? Nein, ich bin so... Ich sage nur das, was mir gerade durch den Kopf geht. Hatten Sie nie das Bedürfnis, sich wo einzuordnen, einer Gruppe anzugehören?Niemals, ich finde Gruppen schrecklich. Ich war ein Einzelgänger, von je her, meine Mutter hatte ein wirksames Mittel mich zu erziehen – sie drohte mit dem Internat. Das war für mich der Horror, mit so vielen anderen zusammen. Ich interessiere mich einfach nicht für andere Menschen, das ist das Drama meines Lebens. Wieder kokett. Sie sind doch ständig mit anderen Leuten, Sie interessieren sich für so vieles.Ja vielleicht. Ich bin ein isolierter Mitrenner. Bitte darf ich mal etwas Küchenpsychologie betreiben?Nur zu!Sie sagen Sie hätten Kindheit und Jugend nie erlebt.Ich fand es grauenhaft, Kind zu sein!Holen Sie das möglicherweise heute nach?Sie meinen ich bin kindisch? Da haben Sie Recht. Ich dann mich eben benehmen, wie ein Kind, weil ich keine Verantwortung habe, wie andere Leute. Ich bin total verantwortungslos.Aber die Marke Karl Lagerfeld ist eine Verantwortung. Da hängen immens viele Leute davon ab.Für die tu ich schon genug. Denken Sie bevor Sie ein flegelhaftes Computergame besprechen, ob das Chanel schaden könnte? Das wäre Verantwortung.Die finden das toll. Die sehen da weiter. Aber ich bin ein freier Mensch. Ich bin Freelance im besten Sinne.Aber überprüfen Sie das?Wenn mir die Idee gefällt. Erlaubt ist was gefällt. Aber ich bin gegen Analyse, ich kann das alles nicht beantworten.