Hugh Jackman

Er sucht gern die Weite und mag Starrummel nur am Himmelszelt. Jetzt spielt „X-Men“-Mann Jackman mit Nicole Kidman in „Australia“. Wer diesen Film sieht, vergisst „Vom Winde verweht“

 

Alles ist gleißend weiß lackiert: Boden, Decke, Wände des Büros in Sydney glänzen wie die Kulisse für eine Antarktis- Werbung, nur der Breitschultrige, der hier rumlümmelt, bildet einen schönen Kontrast zu all der Reinheit: In ausgeblichener Kapuzenjacke, Jeans und alten Tennisschuhen steht Hugh Jackman hinter einem MacBook Air auf, schiebt sich die Haare aus der Stirn, strahlt einem ein „Hi! Good to meet you!“ entgegen.Selbst Floskeln klingen bei ihm erdig und ehrlich. Als könne sich Jackman nichts Schöneres vorstellen, als immer weiter über „Australia“ zu reden, den Film, in dem er eine britische Lady (Nicole Kidman) bezirzt und nebenbei 2000 Rinder durchs Land peitscht.

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Dieser Film (Regie: Baz Luhrmann) wird ihn in die kurze AListe männlicher Superstars katapultieren. Denn drei Stunden lang darf Jackman zeigen, wie gut er ist in den Disziplinen: Liebe, Action, Drama, Komödie. Romantisch und gi gantisch – „Australia“ will das bessere „Vom Winde verweht“ werden. Jackman stapelt tiefer: „Für uns war es ein Erlebnis, und es wäre schön, wenn man das am Ende sieht.“ Dann entspannt er sich auf seinem Freischwinger, verschränkt die muskulösen Arme und wartet auf die Fragen. Und genau jetzt könnte es peinlich werden, denn ich weiß nicht, was ich sagen soll. Nicht weil Jackman vom Magazin People zum „Sexiest Man Alive“ ernannt worden ist, sondern weil mein Diktiergerät weg ist. Seit Mo naten basteln Medienstrategen in zwei Zeitzonen an diesem Termin – und jetzt das. Es gibt Stars, die stehen in solchen Situationen auf und gehen. Hugh Jackman aber amüsiert sich.

Er erwähnt die Vorzüge der Stenografie. „Kurzschrift ist wirklich nützlich. Ich wäre selbst fast Journalist geworden, aber irgendwie vergesse ich ständig Sachen.“

Breites Jackman-Grinsen. Der letzte Satz macht auch den Damen im Büro Freude. Als mein Diktiergerät schließlich aus dem Café ums Eck herbeigeschafft wird, guckt Jackman etwas enttäuscht. Dass er mit Mitte 20 von der Journalisten- zur Schauspielschule wechselte, war allerdings kaum ein Fehler. Auf der Bühne und im Film wird Jack von Jahr zu Jahr besser: Als Zeitreisender flirtete er mit Meg Ryan („Kate & Leopold“), zweimal filmte er mit Scarlett Johansson („Scoop“, „Prestige“) und gab den langmähnigen Monsterjäger Van Helsing. In London zeigte er in „Oklahoma!“ und am Broadway als „The Boy from OZ“, dass er sehr passabel singen und tanzen kann. Seine bisher größten Erfolge waren allerdings Bryan Singers „XMen“- Filme. Da ist Jackman ein stark behaarter Mutant namens Wolverine, immer etwas traurig, doch unverletzlich: Kaum erschossen, schickt sein Inneres die Kugeln durch die Stirn zurück, Genickbrüche kuriert er per Schulterzucken, seine ausfahrbaren Stahlkrallen zerstückeln, was immer ihm zu nahe kommt.

Der vierte Teil steht Ende 2009 an, bis dahin, hofft Regisseur Luhrmann, denken Kinogänger beim Namen Jackman nicht mehr an den Wolf mit den Mega-Koteletten. Geht es nach ihm, schwärmen wir fortan vom Viehtreiber Drover, also von einem Kerl, von einem „big, macho movie star“, wie die New York Times schon kurz vor dem Filmstart schwärmte. Auch dieser Drover rasiert sich ungern, der Held der 130-Millionen- Dollar teuren Produktion ist ein zupackender, wortkarger Gefühlsmensch. „Nicht viele Schauspieler können eine Nicole Kidman glaubwürdig rücklings aufs Bett werfen und verführen“, lobt der Regisseur und ergänzt: „Hugh überzeugt übrigens auch mit der Peitsche.“ Die bekommen die Rinder zu spüren, nicht Kidman. Jackman gibt zu, dass es ein großer Schritt war vom Mutanten zum leading man, aber die Hauptrolle spiele nicht er, die Hauptrolle spiele die Landschaft. So schön und so bescheiden!

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