Im Interview: Susanne und Dieter Kronzucker
Zwei Fernsehjournalisten in einer Familie - kann das gut gehen?
Dieter Kronzucker: Ich gebe ungern Ratschläge, weil jede Sendung sein eigenes Profil hat. Aber ich sage natürlich, was mir an ihrer Sendung gefällt und was nicht. Zum Beispiel unterhalten wir uns im Moment darüber, wie eine neue Moderatorin in einem bereits bestehenden Magazin auftreten soll. Wird erwartet, dass sie das redaktionelle Konzept verändert oder, dass sie sich einfügt. Natürlich hat sie ihre genauen Vorstellungen aber ich sage dann auch mal, was mir gefallen hat und was nicht.
Susanne Kronzucker: Ich lege besonderen Wert auf seine Meinung, weil ich weiß, dass bei ihm keine Hintergedanken eine Rolle spielen. Bei jedem anderen müsste ich fragen, woher kommt das eigentlich, warum sagt er mir das jetzt. Diese Sorge habe ich bei meinem Vater nicht. Ich habe absolutes Vertrauen in seine Meinung. Er ist ja schliesslich mein Vater. Er wird's schon gut meinen, nicht?
Dieter Kronzucker: Es kam aber auch hinzu, dass ich genau in einer Zeit in den Hintergrund getreten bin, als sie nach oben kam. So hat eine direkte Konkurrenz auch gar nie stattgefunden. Man kann das ruhig so sagen: Bei mir war es von der A-Reihe in die B-Reihe und bei ihr von der B-Reihe in die A-Reihe. Und wir fühlen uns beide dort wohl. Ich mache inzwischen gerne Hintergrund-Berichterstattung und Analyse. Früher habe ich mich in dieser extrovertierten Position wohler gefühlt und bei Dir ist es so, dass Du Dich langsam da reingearbeitet hast. Wenn wir irgendwo zusammen sind, heißt es gerne mal: 'Ach Frau Kronzucker, das ist wohl ihr Vater'.
Susanne Kronzucker: Früher war es umgekehrt. Da war ich gerne mal die Tochter von. Es wurde auch kolportiert, dass der Vater schon seine Kontakte spielen ließ, damit ich einen bestimmten Job bekäme. Aber so ist eben das Geschäft. Und dann habe ich einfach weiter gekämpft und irgendwann wurden die Zweifel an meiner Eigenständigkeit abgelegt.
Dieter Kronzucker: Kurioserweise ist es ja so, dass sie beim einzigen Sender gearbeitet hatte, bei dem ich nicht war. Also die Gefahr, dass ich ihr die Laufbahn erleichtert hätte, war nie da.
Susanne Kronzucker: Natürlich haben wir auch schon mal überlegt, eine gemeinsame Sendung zu machen.. Wir suchen noch nach einem geeigneten Format. Dieter Kronzucker: Wir haben verschiedene Sendungsmodelle entworfen, aber es noch keinem angeboten. Aus biologischen Gründen sollten wir allerdings nicht allzu lange warten.
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Dieter Kronzucker: Das ist richtig und es kommt noch etwas hinzu. Wenn ein Journalist, der als Vater einer Familie von einer Reise nach Hause kommt und am Abendbrottisch sitzt, dann redet er ja zuerst mal von dem, was er erlebt hat. Ohne jeden Zweifel ist man als Journalistenkind gezwungen, Bildung anzunehmen. Vor allem, wenn der Journalist kein Spezialfach hat, sondern viele Bereiche abdeckt.
Susanne Kronzucker: Mitunter war da sogar ein gewisser Druck da. Mein Vater hat weder eine schlechte Sprache noch Desinteresse zugelassen. Bei Reisen oder Begegnungen mit Menschen. Er wollte, dass wir immer etwas genauer nachfragen, was steckt da dahinter, warum ist das so, was ist die Geschichte. Das hat sicher auch manchmal genervt, aber ich habe schon sehr früh die Früchte davon getragen.
Dieter Kronzucker: ...was sehr wichtig war. So wie heute, dass meist beide arbeiten, wäre zur damaligen Zeit gar nicht möglich gewesen.
Susanne Kronzucker: ... es musste eben ein Anker zu Hause sein. Aber wir haben uns dennoch immer ausreichend gesehen.
Susanne Kronzucker: Bei uns gab es eben keinen Alltag, wie ihn viele andere Familien erleben. Die wenige Zeit, die wir hatten, haben wir viel intensiver erlebt. Und gerade weil wir so oft umgezogen sind und uns erst mal wieder alleine zurechtfinden mussten, gab es viele Momente, in denen die Familie besonders eng zusammengehalten hat, um sich in einem neuen Land wieder zurecht zu finden. Aber ich sehe das überhaupt nicht negativ, Papi. Viele andere Menschen haben ganz andere Probleme, auch wenn sie nur an einem Ort sind. Für mich ist es gar nicht mehr anders vorstellbar.
Dieter Kronzucker: Ich glaube nicht, dass ich meinen Töchtern jemals gesagt habe, was sie nicht tun sollen. Beruflich oder in Bezug auf ihre Hobbys. Ich erinnere mich daran, als Du das erste Mal gemodelt hast. Ich fand das jetzt nicht so eine gute Idee, aber ich habe Dir das nie gesagt. Oder auch bei meiner anderen Tochter Sabine, die hielt ich für sehr begabt in mathematischen Dingen. Sie wollte aber unbedingt Kunst studieren. Dann haben wir einen Kompromiss geschlossen. Ich sagte, 'Mach ein Jahre Mathe und wenn Du dann immer noch meinst, das nichts für Dich ist, dann tun wir alles, damit Du Kunst studieren kannst.' Und so haben wir es dann auch gemacht.
Susanne Kronzucker: Natürlich versuchen alle Eltern, gewisse Talente in ihren Kindern zu entdecken und diese entsprechend zu fördern. Das machen wir auch. Aber es ist uns nie eine Richtung vorgegeben worden und das mache ich auch bei meinen Kindern nicht. So viel Toleranz muss sein.
Dieter Kronzucker (lacht): Ich habe eine hohe Mobilität.
Dieter Kronzucker: Während viele Schulfreunde oder auch Kommilitonen mit ihren Freuden Urlaub gemacht haben, sind wir weiterhin oft und gerne mit unseren Eltern in den Urlaub gefahren, weil es so entspannt und bereichernd war. Aber klar, auch in der späten Pubertät gab es eine Zeit, da gingen die Interessen komplett in eine andere Richtung und erst später, als ich dann Politologie an der Uni in New York studierte, kreuzten sich unsere Wege auch wieder öfter.
Susanne Kronzucker: Das mit dem Modeln habe ich während des Studiums gemacht und da konnte man sehr viel Geld verdienen. Das konnte man in New York schon ganz gut gebrauchen.
Dieter Kronzucker: Am Tegernsee das ist unser gemeinsames Zuhause. Da kommt die Familie an Feiertagen, zu Urlaubszwecken zusammen.
Dieter Kronzucker: Es hat sicherlich Solidaritätseffekte aber es hat auch Fliehkräfte freigesetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich durch solche schwerwiegenden Einschnitte verändert. Ich glaube eher nicht. Ich denke, dass Emotionen, die in einem stecken, durch so ein Ereignis hervorgehoben werden. Aber genau begründen, was tatsächlich mit einem passiert, kann man es nur schwer. Aber ich möchte noch etwas zu diesem Thema sagen, weil wir auch immer wieder Anfragen dazu bekommen: Es gibt in unserer Familie eine Absprache, dass wir darüber nicht reden. Diese Absprache ist vielleicht veraltet, schließlich ist sie 28 Jahre alt. Aber sie besteht noch und daran haben sich bisher alle gehalten. Es kann auch sein, dass sich das irgendwann ändert. Aber dann müssen wir uns erst mal selbst noch damit beschäftigen, bevor wir damit an die Öffentlichkeit gehen.
Susanne Kronzucker: Ich bin auch der Meinung, dass sich diese Erfahrung anderen Menschen oder gar der Öffentlichkeit nicht vermitteln lässt. Es ist doch nicht so, als würde ich von einer Abenteuer-Reise oder einer ungewöhnlichen Begegnung reden.
Susanne Kronzucker: Auch wenn ich nicht mehr zu Hause lebe, bringt er mir immer noch etwas von seinen Reisen mit. Aber ich schenke ihm auch gerne etwas.
Dieter Kronzucker: Zum Beispiel hat sie mir für meine neue Wohnung in Berlin eine schöne Lampe geschenkt, die mir sehr gut gefällt. Oder dann sah sie mich mit einer abgewetzten Toilettentasche, die ich aus Kolumbien oder so habe und dann hat sie mir eine Neue gekauft. Wir schenken uns gerne Dinge, die wir gut gebrauchen können.
Dieter Kronzucker: Mir würde es Spaß machen, wenn Sie noch Spanisch lernen würden, wie Du früher.
Susanne Kronzucker: Das ist dann die nächste Fremdsprache, die sie lernen.
Dieter Kronzucker: Es ist nicht so, dass es mir nichts ausmacht, es macht mir einen ungeheuren Spaß. Und solange ich die Möglichkeit habe, dass mir ein Sender das in Auftrag gibt, sehe ich auch gar nicht ein, warum ich das aufgeben soll.
Susanne Kronzucker: So sehr ich ihm gönne, dass er so viel macht und so viel reist, wünsche ich mir, dass er wieder mal ein Buch schreibt. Weil ihm das Gelegenheit und Zeit gibt, wieder ein bisschen in sich selber zu schauen und sich mit den jüngeren und älteren Erfahrungen ein bisschen auseinanderzusetzen. Und natürlich Glück und Gesundheit und all das, was er braucht, um so weiter zu machen wie bisher.
