Götz George wird in diesem Monat 70. Aber wer nun auf Altersmilde hofft, kennt ihn nicht, den preußischen Großschauspieler. Auskünfte zu einem Leben im Besonderen
Wie werden Sie Ihren 70.Geburtstag am 23.
Juli feiern?Am besten gar nicht.
Ich halte das für total überflüssig.
Weihnachten, Ostern, Pfingsten – das ist mir alles zu viel.
Ich bin ein großer Könner im Ablehnen und Verweigern von solchen Ritualen.Wieder und wieder haben Sie erklärt, Sie wollten keine Götz-George-Biografie sehen, jetzt haben Sie sogar an einer aktiv mitgewirkt.
Warum dieser Sinneswandel?Ich fand und finde es fast immer ganz fürchterlich, wenn man über mich schreibt, und noch schlimmer, wenn das dann vermarktet werden soll… Mich hat geängstigt, dass jeder dahergelaufene Schreiberling eine Biografie über mich verfassen könnte, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen. Der Biograf Torsten Körner jedoch kam auf mich zu und schien vertrauenswürdig.Hatten Sie Angst, dass Sie das Erinnern auch zu unangenehmen, erfolgreich verdrängten Erlebnissen zurückführen könnte?Nein, ich wusste, dass es keine schlimmen, besonders dunklen Momente gibt, jedenfalls keine, die ich noch nicht kennen würde.
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Ich habe ein gerades Leben gelebt, ohne großartige Verwirrungen und Umwege.
Natürlich gibt es Erlebnisse wie meine Scheidung, Trennungen, die einen auch in der Rückschau noch mal runterziehen, Umstände, die man erfolgreich verdrängt hat. Darüber musste ich wieder reden und das nicht zum Vergnügen.
Das gehörte nun mal dazu.
Mir als Preuße ist immer wichtig, die Dinge genau und korrekt zu sagen.Nach Ihrer ersten Theaterpremiere 1950 haben Sie hinter der Bühne als Erstes wissen wollen: "War ich so gut wie Heinrich?" War die Arbeit an der Biografie ein erneuter Anlass, sich mit Ihrem Vater zu beschäftigen, dem großen Heinrich George, der starb, als Sie noch ein Kind waren?Mein Vater ist eine der wichtigsten Personen für mich, unabhängig von seinem frühen Tod im September 1946.
Ein richtungweisender Mensch, ein Ansporn, ein Vorbild, nie Last.
Einer, der ab und zu runterguckt und sagt: "Mensch, Kleener, bist ja doch kein so schlechter Schauspieler geworden, wie ich gedacht hätte."Es gibt eine Reihe von Leitzitaten, die Ihr Leben geprägt und begleitet haben, zu Beginn das Ihres Vaters: "Der Junge hat was Künstlerisches." Woher wusste er das?Mein Vater war von meiner Unerschrockenheit beeindruckt, weil ich ihm als Knirps widersprach.
Diese Haltung, dass ich ihm "Du bist doof!" hinterherrief, nachdem er mir den Arsch versohlt hatte, das hat ihn gefreut. Noch mal Keile gab´s dann aber trotzdem.Wie kamen Sie zu diesem Mut?Das sind die Gene, das kann man nicht erklären.
Es wäre ja fürchterlich, wenn es, wie bei den meisten, aus reiner Eitelkeit entstünde.
Diese Sorte trifft man ja öfter, diese Pseudo-Revoluzzer…Als Pose?Ja, aber die habe ich vermieden.
Ich merkte früh, dass mir vieles nicht passte und dass ich kein Talent zum Dulder hatte.Welcher ist der größte öffentliche Irrtum über Götz George?Der Glaube, ich sei schwierig.
Aber im Beruf war ich nie schwierig, ich finde mich eher pflegeleicht.
Weil ich mitspiele, weil ich unendlichen Spaß habe an dem, was ich tue. Aber ich mache es wohl manchen schwer, wenn ich auch mal laut sage: "Nee, das finde ich nicht gut." Das nennen manche heutzutage "schwierig".Ist jeder neue Drehort ein Kampfplatz?Nein, so darf man da nicht rangehen.
Aber in diesem Beruf wird besonders viel gelogen, man redet sich die Sachen schön, das ist eine déformation professionelle.
Ich habe dann das Bedürfnis, Unstimmigkeiten oder Missstimmungen zu klären.
Ich will immer, dass alles ausgesprochen wird, dass alles auf den Tisch kommt.Aber das ist nicht nur Veranlagung, das ist das Recht des erfahrenen Stars.Klar macht man das eher nicht, wenn man 20 ist.
Aber das Grundproblem hat nichts mit dem Alter zu tun.
Die meisten Menschen sind eingeschüchtert, was zur Folge hat, dass sie jemanden suchen, bei dem sie sich anbiedern können.
Sie lachen ohne Freude.Haben Ihre Eltern Sie ermuntert zum Anderssein?Ja, das schon, aber meine Mutter hat das nicht als Erziehungsziel ausgegeben.