Der Kampf der Christiane Felscherinow gegen Christiane F.

Sie war das Kind vom Bahnhof Zoo - und ist es noch. Seit drei Jahrzehnten klebt dieser kleine Junkie wie eine Klette an ihr. Machte sie berühmt, macht sie high, saugt sie aus - und sorgt mit regelmäßigen Tantiemen dafür, dass die eine von der anderen niemals lassen kann

 

Die Fahrt vom Bahnhof Zoo bis zur S-Bahn-Haltestelle Teltow Stadt dauert gerade mal 40 Minuten. Aber diese 40 Minuten, so scheint es, sind die Spanne von Christiane Vera Felscherinows bisherigem Leben. Den einen Ort hat sie nie wirklich verlassen können, an dem anderen ist sie nie wirklich angekommen. Christiane Vera Felscherinow ist Christiane F., sie ist 46 und noch immer Deutschlands bekannteste Heroinsüchtige, seit 30 Jahren.

Das Viertel, in dem sie seit einiger Zeit mit ihrem Sohn und ihrem Hund wohnt, ist nur wenige Minuten von der S-Bahn entfernt. Seltsam futuristische, verwinkelte Gebäude stehen da, viel Farbe, Stahl und Glas. Ihr Haus ist das letzte in der Straße, gegenüber hat der Maler Markus Lüpertz ein Atelier, nebenan ein kleiner Spielplatz, dahinter Wiesen, Bäume, ein Teich. Vorstadtidylle und dann auch wieder keine: In vielen Fenstern hängt ein „Zu vermieten“-Schild, die Geschäfte und Cafés sind schwach besucht, die Straßen leer, man hört von Baumängeln an den Häusern. Ein Straßenzug wie ein nicht eingelöstes Versprechen. C. Felscherinow wohnt im dritten Stock, in zweieinhalb Zimmern. In diesen Wochen ist sie selten hier, und wenn, dann öffnet sie nicht die Tür. Zu häufig haben Journalisten und Fotografen geklingelt oder ihr vor dem Haus aufgelauert. Hier und auch in Berlin, am Kottbusser Tor, weil sie sich dort ihr Methadon und womöglich Drogen besorgt.

Christiane F. ist immer noch eine gute Geschichte, im Sommer hat das ganze Land dabei zugeschaut, wie ihr Leben wieder mal auseinanderfiel. Reden will sie mit niemandem, sie hat sich zurückgezogen. Hat fast völlig den Kontakt abgebrochen zu vertrauten Menschen wie etwa Horst Rieck, dem Mitautor von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, dem Bestseller über sie, selbst ihre Mutter kann sie nicht erreichen. Ihr Handy, dessen Nummer zu viele kennen, hat sie ausgeschaltet. Es ist wenig, was man über sie erfährt: Sie sei bei alten Freunden auf einem Bauwagenplatz untergeschlüpft, heißt es; und dass sie unter Wahnvorstellungen leide, wohl eine Folge der Drogen.

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