IMMER OBENAUF
Einhundert Prozent unserer Leserinnen haben ihren eigenen Kopf. Und wenn sie dann noch einen Hut von Maison Michel aufsetzen, sieht das auch jeder. So wie bei den großen Modenschauen, wo ohne die Kreationen dieser PARISER MODISTEN wenig bis nichts läuft. Ein Atelierbesuch
Im Maison Michel glühen die Nadeln. Nächste Woche ist Herrenmodewoche, und gleich danach sind Haute-Couture-Defilees. Florence sitzt an einem Entwurf von Karl Lagerfeld, seit drei Wochen schon, obwohl es um ein an sich schlichtes Modell geht, eine Art Ritterkappe. Florence ist gut im Kappenmachen, wenn sie nicht sogar die Beste ist. Ihr letztes Modell, ein Hut à la Reiterkappe für Balenciaga, wurde zum Wer-es-nicht-kauft-lebt-nicht-Accessoire der Wintersaison 2006. Ein Prädikat, verliehen von Modemagazinen, das sonst nur Handtaschen bekommen, in Ausnahmefällen Schuhe. Und eben die Hüte von Maison Michel. Florence arbeitet seit 16 Jahren im Maison Michel, sie ist eine von vier Modistinnen. Neben Florence sitzen Nathalie, Nagete und Sylvie, dicht an dicht in einem schmalen, kurzen Raum, mit Blick in den Hinterhof der Rue Sainte-Anne Nummer 65. Im Rücken Regale, vollgestopft mit Hüten; an den Wänden hängen handgezeichnete Skizzen von Karl Lagerfeld und auch John Galliano. Wenn es bei den Meistern der Modeschöpfung um Kopf und Krempe geht, ist das Maison Michel erste Wahl. Auch Kylie Minogue war kürzlich wieder hier, hat für eine Tournee ihren gesamten Kopfschmuck anfertigen lassen. Diesmal hat Minogue einen Hut aus der eigenen Maison-Michel-Kollektion bestellt, entworfen von Ludovic Kornetzky, dem Designer des Ateliers. Jeder kann diesen Hut kaufen. Zum Beispiel im Pariser Concept-Store Colette. Aber das ist eine Geschichte, zu der wir später kommen. Jetzt muss erst mal die Baronesse ihren Kopf hinhalten: 56 Zentimeter Durchmesser. Das ist recht durchschnittlich für eine Frau. Die Baronesse hat sich für etwas Transparentes entschieden, dessen Krone wie für den Herrn gemacht ist, wobei die Krempe aber wie die eines Strohhuts fällt. Baronesse Caroline von Linsingen lässt sich zum ersten Mal einen Hut anfertigen, eine Adelshochzeit in Bückeburg ist ja auch etwas Besonderes. Am Tag der Trauung wird sie nur eine von vielen Gästen sein, doch heute fühlt sich die 27-Jährige, als wäre sie die Braut: Begleitet von ihrer Mutter verbrachte die Baronesse den Vormittag in dem Couture-Salon von Chanel, um sich ein Kostüm für die Kirche und eine Robe für den Abend auszusuchen. Dem Hause Chanel, insbesondere Karl Lagerfeld, ist es zu verdanken, dass Maison Michel überhaupt noch existiert. Eine gute Gelegenheit, mal hinter die Fassade der Rue Cambon 31 zu schauen, des Stammsitzes von Chanel.
