Kiera Chaplin & der große Reinfall

Heimlich heiratete die Enkelin von Charly Chaplin einen Typen namens Alé de Basseville. Der handelte mit Drogen – im Schutz ihrer Firma. Dann flog er auf und ging in den Knast. Kiera wusste angeblich von nichts.

 

Es ist der 1. Juni 2006, ein Donnerstag, als das bislang sorglose Leben der 23-jährigen Kiera Chaplin eine Wende ins Dramatische erfährt. Wie jeden Morgen will sie ihr Haus in Los Angeles verlassen, um mit dem Cabrio in ihre Produktions- und Distributionsfirma zu fahren, die sie im ehrenden Andenken an Großvater Charlie Limelight Films getauft hat. Sie drückt gerade die Türklinke, als es klingelt. Draußen stehen zehn FBI-Agenten. Kiera Chaplin fragt: „Brennt es?“ Ein Beamter schüttelt den Kopf und überreicht ihr einen Haftbefehl für Bruno d’Esclavelles und Alé de Basseville. Während sie mit zittrigen Händen liest, teilt man ihr mit, die beiden wichtigsten Männer in ihrem Leben seien wegen Geldwäscherei und Drogenhandels in Arlington, Virginia, verhaftet worden: „Frau Chaplin, Sie werden die Herren nie mehr sehen.“ D’Esclavelles ist der Vorstandsvorsitzende ihrer Firma, de Basseville der Mann, den sie drei Jahre zuvor heimlich in Las Vegas geheiratet hat. Die Beamten beschlagnahmen Kiera Chaplins Telefone, Adressbücher und sämtliche Aktenordner ihres Mannes. Lime- light Films, der Lebenstraum des Mädchens, wird geschlossen. Die US-Drogenfahndung gibt ein paar Tage später der Presse die Vollendung der zweijährigen „Operation Director’s Cut“ bekannt. Man hat über 100 Stunden abgehörten Materials gesammelt. Kiera Chaplin ist nicht unter den Verdächtigen, trotzdem wird ihr Name in allen Pressemitteilungen der Behörde genannt. Sie erfährt in aller Härte, was es auch bedeuten kann, prominent zu sein.

Wir sitzen im Frühstückssaal eines Londoner Luxushotels, es ist kurz vor Weihnachten. In der englischen Hauptstadt hat Kiera Chaplin gerade das Shooting für die Frühjahrskollektion der Luxusschuhe von Walter Steiger abgeschlossen. Nun ist sie bereit, zum ersten Mal über ihr Leben zu sprechen, ihre Liebe und ihr Leiden – an sich selbst und an anderen. Kiera Chaplin wurde am 1. Juli 1982 in Belfast geboren und ist auf dem Familiensitz der Dynastie oberhalb von Vevey in der Schweiz aufgewachsen. Ihr Urgroßvater war der Literaturnobelpreisträger Eugene O’Neill, ihr Großvater Charlie Chaplin. Ihr Vater Eugène Chaplin, das fünfte Kind von Charlie, arbeitet heute unter anderem als künstlerischer Direktor des Zirkus Nock. Ihre Mutter ist Irin und heißt Bernadette McCready. In ihrem Elternhaus schauten regelmäßig Menschen wie David Bowie, Brian May oder Michael Jackson vorbei. Jackson schenkte der jungen Kiera eine Puppe nach seinem Ebenbild und spielte mit Kieras Brüdern Playstation.

Links zum ThemaSeite vorschlagen >
  • Schlagen Sie hier relevante und interessante weiterführende Inhalte zu diesem Artikel vor.

Kiera hat zwei Schwestern und zwei Brüder, die heute als Modedesigner, Schauspieler und Musiker arbeiten. Keiner ist aus der Art geschlagen, man ist dem Unterhaltungsgeschäft treu geblieben – und dem Familienmotto: „Du kannst auch die Straße putzen, solange du das gern und mit deiner ganzen Energie tust.“ Es ist dieser amerikanische Glaube, dass man alles für seinen Traum tun soll. Heute sagt Kiera Chaplin: „Ich wollte schon als Kind das sein, was ich jetzt bin. Es blieb mir doch gar nichts anderes übrig. Ich bin seit meiner Geburt von diesen Showbusiness-Geschichten umgeben, ich kenne nur die Mentalität des Zigeuners, der mal hier, mal dort auftritt, der immer weiterzieht, um die Welt zu unterhalten.“ Ein Butterfly, wie ihr Manager sie nennt, ein Schmetterling, ein sehr schönes, aber eben auch ein sehr flatterhaftes Wesen. Kiera Chaplin lebt eine Kindheit, die von Auffälligkeiten untermalt ist. Einmal zündet sie die Garage ihrer Eltern an, dann wieder zerstört sie ein Spülbecken in der Schule, stiehlt dort Musikinstrumente und macht sich einen Spaß daraus, Seitenspiegel von Autos abzutreten. Sie sagt: „Das macht man doch als Teenager. Aufzuwachsen ist sowieso eine seltsame Sache, und in der Schweiz noch mehr, hier gibt es nicht viel Unterhaltung. Ich war in der Schweiz immer ein Alien.“ In der Schule wird sie gehänselt wegen ihrer Herkunft, Mitschüler machen den Gang ihres Großvaters nach, Lehrer weisen sie zurecht: sie solle nicht hochnäsig werden, nur weil sie eine Chaplin sei.

Kiera Chaplin wird magisch angezogen von dem, was sie für anders hält, von dem sie sich ein bisschen Aufregung in ihrem ruhigen, sicheren Leben verspricht. Mit sieben geht sie mit ihrer Tante Géraldine über den Kensington-Markt in London. Sie sieht die sogenannten Gothic People: „Die Mädchen sahen mit ihren weißen Gesichtern so schön aus, ich mag Vampire, Eulen, Fledermäuse und Totenköpfe. Es ist alles eine Frage des Geschmacks. Ich liebe die Gefahr, sie macht das Leben würzig.“ Auch wenn ihre Eltern sich scheiden lassen, als Kiera 14 Jahre alt ist, wird sie liebevoll umsorgt, sie wohnt allein mit ihrem Vater auf dem Schweizer Familiensitz, die Mutter zieht mit den vier Geschwistern nach England. Sie bezeichnet ihre Kindheit als glücklich. Dass der Cordon ein Problem werden könnte, ist ihr erst heute klar: „Ich kam aus einem Haus, in dem man sich immer um mich gekümmert hat. Als ich mit 16 ins Modelbusiness einstieg, hatte ich eine Anstandsdame, die sich um alles kümmerte, und dann, als ich 18 war, kam Alé, der sich um alles kümmerte, sogar um mein Geld. Ich habe bis heute nie eine Rechnung selbst bezahlt.“

Ihr Vermögen schätzt die englische Presse auf 30 Millionen Pfund, sie selbst erhebt keine Einwände gegen diese Zahl. Das Mädchen ist inzwischen 24 Jahre alt. Und hat einen Großvater, dessen Filme noch lange Tantiemen abwerfen werden. Als Kiera Chaplin ihr Glück in New York als Model sucht, dämmert ihr eine Frage, die sie nicht mehr loslassen wird: Will man mich, weil ich Chaplin heiße oder weil ich etwas kann? Sie ist 16, als sie der italienische Starfotograf Mario Testino für ein Vogue-Shooting bucht. „Im Studio fragte mich die Stylistin: ‚Kommt dein Name vom Vater oder von der Mutter?‘ Mario drehte sich um und fragte: ‚Um was geht’s?‘ Er wusste also von nichts. Das machte mich stolz. Er hatte mich nur genommen, weil ich ihm gefallen hatte. Einfach so.“ Chaplin macht schnell Karriere, sie erscheint in Vogue, Elle und Vanity Fair – und lehnt das Angebot, Bond-Girl zu werden, ab, weil sie sich ihrer eigenen Sexualität noch zu unsicher ist – und weil sie die Festlegung auf das Genre fürchtet.

Aber dann passiert ihr dieser Alé de Basseville, der sich selbst einen Comte nennt, der sie erobert, der sie auf einer Party überfallartig tief und leidenschaftlich küsst. Das beeindruckt sie, das ist anders. Da ist sie 18. Sie sagt heute: „Er war damals als Modefotograf tätig, er hatte so viel Energie, er war so charismatisch, so hübsch und real rock’n’roll. Nein, er ist kein schlechter Mensch, er hat nur schlechte Ansichten.“ Der eingebildete Graf zieht sie dermaßen in seinen Bann, dass sie sich eine Brustwarze piercen, Fledermäuse und Totenköpfe tätowieren und sich von dem neuen Mann oben ohne fotografieren lässt für das französische Magazin Photo. Sie ziehen gemeinsam nach Los Angeles, kaufen sich ein Haus, schaffen sich einen Hund an. Kiera ist so begeistert von Alé, dass sie ihn heimlich in Las Vegas heiratet. Nicht mal ihre Familie weiß davon. Bis heute nicht. Der Ehering, den alle Welt für einen Verlobungsring hält, zeigt eine Schlange aus Weißgold, die sich um einen goldenen Totenkopf mit rubinrotem Auge windet. Kiera macht allerdings eher prosaische Gründe für die Ehe geltend, es sei darum gegangen, dem Franzosen de Basseville eine Greencard zu verschaffen. Sie sagt: „Ich glaube nicht an langjährige Beziehungen. Meine Eltern sind geschieden. Heute ist die Welt zu beschäftigt, zu wandelbar, es geht nicht mehr wie früher, wo man ein Leben lang zusammenblieb, es gibt zu viele Einflüsse von außen, zu viele Möglichkeiten.“

FASHION WEEK BERLIN: Hugo Boss

Karl Lagerfeld über... seine Doppelgänger

Prost sagt Cavalli

Die Ding-Dynastie

Premiere: "Das Bourne Ultimatum"

BITTE EIN PITT

Meet at Montblanc

Einfach ein Designer-Bett im Online-Shop kaufen

Viele Menschen möchten ihr Schlafzimmer auf eine besondere Art und Weise ei


KURZ & GOURMET

Immer nur Kochsendungen im Fernsehen sehen ist so fad wie Tofu ohne alles.


Bei der Legasthenie-Förderung die Kinder stärken

Um sich über Legasthenie-Förderung zu informieren, gibt es viele Anlaufstel


Die Ausbildung als Kosmetikerin ist sehr vielseitig

Wellness und Beauty sind die Schlagworte der modernen Zeit. Die Menschen gö


Beitragsfreie Versicherungssumme bei Lebensversicherung

Dass bei einer vorzeitigen Kündigung der Renten- oder Lebensversicherungen


Arbeitslosenbeitrag - wofür wird er benötigt?

Arbeitnehmer zahlen mit ihrem Gehalt auch zahlreiche Sozialabgaben. Dazu ge