Szenen einer Ehe

Sie waren das Glamourpaar der deutschen Politik – MARGARITA MATHIOPOULOS und FRIEDBERT PFLÜGER. Bis eine junge Blonde kam und seine Geliebte wurde. Jetzt will er Bürgermeister von Berlin werden. Und sie? Bewegt sich in der Rüstungsindustrie – hinter verschlossenen Türen. Über das Scheitern ihrer Ehe hat Margarita Mathiopoulos immer eisern geschwiegen. Bisher. Mit PARK AVENUE hat sie gesprochen

Berlin, im Juli 2006. Beim Sommerfest der Bild-Zeitung drängelt sich auf der Terrasse, wer wichtig ist in der Hauptstadt. Sich hier nicht zu begegnen ist ein Kunststück. Aber es gelingt. Friedbert Pflüger und seine Freundin, sie hochschwanger im weißen Kleid, sind schon 20 Minuten da, als Margarita Mathiopoulos, die Noch- Ehefrau, den roten Teppich betritt. Das Paar war nach rechts gegangen, sie wendet sich nach links. Weil es zu regnen beginnt, stellt sie sich unters Zelt. Hier findet kurze Zeit später auch Angela Merkel Zuflucht. Die begrüßt Mathiopoulos knapp. „Guten Tag“, sagt sie, das ist alles. Dann geht auch die Kanzlerin nach rechts. Margarita Mathiopoulos entdeckt Hans-Olaf Henkel, für den hat sie mal Reden geschrieben. „Ah, mein ehemaliger Arbeitgeber“, ruft sie. Er: „Ja, da waren die Zeiten noch besser.“ – „Wieso, ich finde, sie sind jetzt auch gut“, sagt sie aufgekratzt. „Wirklich?“, fragt er. Auf eigentümliche Art schließt sich ein Kreis in diesem Moment. Bei Henkel arbeitete Mathiopoulos, als die Öffentlichkeit zum ersten Mal von ihr Notiz nahm: von einer 29-Jährigen, die Willy Brandt zur Sprecherin machen wollte und die eine Woche lang das ganze Land beschäftigte. Eine Frau! Mit griechischem Pass! Und nicht mal SPD-Mitglied! Ausgeschlossen. Brandt nahm die Kritik zum Anlass zurückzutreten, die Presse diffamierte Margarita Mathiopoulos als seinen „griechischen Stolperstein“. Der Mann, der nun am anderen Ende der Terrasse steht, mit dem sie nur noch über Anwälte spricht, sprang ihr seinerzeit zu Hilfe: „Ich schätze vor allem ihre Gradlinigkeit, ihre Ehrlichkeit. Ich kenne keinen Menschen mit mehr Rückgrat. Sie verbindet Entschlossenheit mit Herzenswärme“, sagte Friedbert Pflüger im März 1987 über seine damalige Verlobte. Schon damals war er sehr mitteilsam, was sein Privatleben angeht. So erfuhren die Bild-Leser: „Noch in diesem Jahr wollen die beiden heiraten, eine gemeinsame Wohnung suchen. Ihre Hobbys: Lesen, Jogging (beide tragen rote Jogginganzüge), Skifahren (diesen Winter in Zermatt), Griechenland und Italien. Sie (Lieblingsessen Fisch) kocht oft für ihn (Vegetarier) Spaghetti. Er spielt Querflöte, sie Klavier. Beide lieben Bach. Kinder? Einen Schritt nach dem anderen…“, sagte Pflüger. Leo, Pflügers erstes Kind, ließ dann noch 17 Jahre auf sich warten. Dessen Mutter ist die junge Frau, die nun wieder schwanger ist und die im Wahlkampf der CDU sicher eine noch viel größere Rolle spielen würde, wenn die Verhältnisse ein wenig geordneter wären. Und wenn das neue große Glück nicht auch ans große Scheitern erinnern würde – Margarita Mathiopoulos und Friedbert Pflüger waren ja mehr als nur ein Ehepaar, sie gaben sich als Powerpaar der Republik, ihr Glanz färbte auf ihn ab, seiner auf sie. Kennengelernt haben sie sich vor bald 30 Jahren. An der Universität Bonn, 1978, im Seminar des bedeutenden Politologen Karl Dietrich Bracher. Sie, in deren Elternhaus Willy Brandt, Gustav Heinemann und Carlo Schmid verkehrten, er, aus kleineren Verhältnissen, beide ehrgeizig und eifrig.

Sie gingen Pizza essen mit den Kommilitonen, und sie stritten über Politik, sie waren die Wortführer im Seminar. Im November 1980 standen sie sich überrascht in Harvard in der Bibliothek gegenüber, vom Auslandssemester des jeweils anderen hatten sie nicht gewusst. Dann, drei Jahre später, trafen sie sich bei Karlchen wieder, im legendären Bonner Presseclub. Friedbert Pflüger war da bereits in Berlin, als Büroleiter von Richard von Weizsäcker, der damals war, was Pflüger nun werden möchte: Regierender Bürgermeister von Berlin. An jenem Abend jedenfalls geschah, was oft geschieht und nie erklärbar ist, sie verliebten sich nach all den Jahren. Richard von Weizsäcker wurde Bundespräsident und Friedbert Pflüger sein Sprecher. Auch dies hatte bei ihrer SPDPleite eine Rolle gespielt, schließlich war Mathiopoulos, als Brandt sie vorschlug, bereits mit Pfl üger verlobt. Sie heirateten drei Monate später, kurz vor Pfi ngsten. Bis zuletzt war die Hochzeit im Standesamt zu Bad Godesberg geheim gehalten worden. Willy Brandt war da und Richard von Weizsäcker, der italienische Botschafter und eben auch Professor Bracher, man feierte bei den Eltern der Braut im Garten. Der Bonner General- Anzeiger berichtete von „Champagner, kaltem Büfett und südlicher Musik“, und dass die Braut ein amtliches Ehebefähigungszeugnis aus Athen beschaffen musste, bevor sie den deutschen Pflüger heiraten durfte. Vielleicht verbarg sich die Sollbruchstelle der Ehe schon in der knappen Meldung des General-Anzeigers. Die endet mit dem Satz: „Nach der Feier trennten sich die Wege wieder. Die Braut jettete nach New York, um Verhandlungen über eine Buchpräsentation abzuschließen.“ Bücher schrieben sie beide, eins nach dem andern, über Amerika, Europa, die Demokratie, sie widmeten sie einander. Er reiste mit Weizsäcker um die Welt, sie wurde stellvertretende Direktorin des Aspen-Instituts in Berlin, gesehen haben sie sich selten. Wenn, dann am Wochenende im Siebengebirge, in ihrem Haus mit Doppelgarage und spitzem Dach, mit kleinem Garten davor und dahinter, daneben eine Apfelwiese. Die Straße vor dem Haus ist bis heute nicht asphaltiert, am Wochenende sieht man Nachbarn, die Autos waschen und die Hofeinfahrt saugen, und der Gedanke, dass hier zwei Leute wohnten, die über die Welt und Krieg und Frieden nachsannen, fällt nicht ganz leicht. Er wurde Abgeordneter, sie ging als Bankdirektorin zur Nord/LB nach Hannover. 1995 beantwortete Pflüger eine Journalistenfrage nach seinem größten Erfolg mit einem Wort: „Margarita.“ Wo er begraben werden möchte? „Neben meiner Frau (aber vor ihr).“ Sie kämpften gegen den Regierungsumzug nach Berlin – und zogen dann doch um. Sie kauften ein großes Haus in Dahlem, ganz in der Nähe von Richard von Weizsäcker. Anfang 2001 gründeten sie eine Stiftung, die aber nicht nach beiden benannt wurde, sondern nur nach ihr. Sie verfügten, dass nach beider Tod ihr gesamtes Vermögen in diese Margarita-Mathiopoulos-Stiftung fließen solle. Dann, im Frühjahr 2001, kam eine junge, blonde Praktikantin in Pflügers Büro, die in Magdeburg und Dresden Jura studiert hatte. Sie war fleißig und redegewandt, und er empfahl sie weiter an seine Frau, dann wurde eine Stelle bei ihm frei, Sibylle Hällmayr wurde seine Assistentin. Eine Frau mit langen, schönen Beinen und von vielen Männern in der CDU sehr schnell bemerkt. Sie war Mitbegründerin der Initiative „Junge Frauen für Stoiber“. Vor allem aber managte sie Pflügers Wahlkampf als Abgeordneter, sie begleitete ihn immer öfter auf Dienstreisen, und irgendwann fand er sie mehr als nur fleißig und begabt. Er habe sich dagegen gewehrt, sagt er. Die Ehe mit Mathiopoulos sei ja keine schlechte gewesen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die halbe FDP-Fraktion sei eines schönen Abends Zeuge geworden, als sich das Paar im hell erleuchteten Büro des heutigen Staatssekretärs noch näher kam. Pflüger sagt, die Geschichte sei schön, aber leider erfunden. Und schlecht erfunden dazu: Sein damaliges Büro sei überhaupt nicht einsehbar gewesen.

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in der Ausgabe 09/2006