Guidos bessere Hälfte
Erfolgreich ist er unter dem Namen MICHAEL MRONZ, bekannt ist er als „der FREUND von Guido Westerwelle“. Am 20. August beginnt die Reiter-Weltmeisterschaft in Aachen, die Mronz organisiert hat. Das Porträt eines erfolgreichen Mannes, der sich viel zu lange vor der Öffentlichkeit VERSTECKEN musste
Als er ihn sieht, zieht sich ein Lächeln über sein Gesicht. Die Mundwinkel hat er hochgezogen, die Stirn gespannt in zwei Falten gelegt. Wäre da nicht diese geteilte Pupille seines linken, grünen Auges, Michael Mronz’ Gesicht wäre perfekt schön. Ein Skistock richtete diese Unvollkommenheit an, traf ihn im Auge, als er 14 war, löste die Netzhaut ab und durchschoss die Pupille. Da sackte ihre eine Hälfte an den äußeren, unteren Rand der Iris ab, nahm 30 Prozentpunkte Sehkraft mit sich. Als Gegenüber will man das abgetrennte Pupillenstück irgendwie zurückschieben, die Makellosigkeit in diesem ebenen Gesicht wiederherstellen. Guido Westerwelle sieht ihn nicht, als er den Sitzungssaal des FDP-Hauses in Berlin betritt, geht zwei Meter an Michael Mronz vorbei. Der Kongress läuft bereits seit einer Stunde, die Teilnehmer stieren jetzt auf den Bundesvorsitzenden der Liberalen, er ist die Attraktion des Abends. Energisch marschiert Westerwelle durch die Menge auf seinen Platz. Als er sitzt, sucht er als erstes den Raum nach seinem Lebensgefährten ab. Findet ihn nicht, lässt eine Minute später den Blick noch einmal schweifen. Sieht ihn endlich nahe der Ausgangstür. Er winkt Michael Mronz hektisch zu, er möge sich zu ihm setzen. Der wehrt dezent ab. Westerwelle winkt weiter, Mronz verneint energischer. Plötzlich löst sich ein Herr mit schwarzem Schnauzbart aus der Reihe der Stehenden neben Mronz, fühlt sich von Westerwelle gerufen, setzt sich neben ihn. Michael Mronz ist kein Mann der Inszenierung. Michael Mronz ist Geschäftsmann, allein auf dieser Bühne agiert er offensiv. Er ist 39 Jahre alt und steuert gerade auf den Höhepunkt seiner Karriere zu: Mronz organisiert die Weltmeisterschaft der Reiter. Am 20. August startet sie in Aachen und ist nach der Fußball-WM mit einem Budget von knapp 40 Millionen Euro das größte Sportereignis der letzten zehn Jahre. 500 000 Zuschauer werden erwartet, doppelt so viele wie bei der letzten WM im spanischen Jerez. „Wir wollen erstmals bei einer Reiter-WM schwarze Zahlen schreiben“, bisher gingen die Veranstalter immer mit Millionenverlusten nach Hause. Michael Mronz, der Franz Beckenbauer der Pferde. Michael Mronz, der Lebensgefährte Guido Westerwelles. Vier Jahre kannte er den Parteivorsitzenden der FDP bereits, bis sie sich 2003 vor einem Restaurant zufällig wieder trafen. Seitdem sind sie zusammen, seit zwei Jahren öffentlich. Michael Mronz, der erste publik gewordene Freund Guido Westerwelles. Geschützt, hinten rechts in der Ecke, sitzt Michael Mronz einige Tage zuvor bei Claudio und isst Salat mit gegrilltem Oktopus. Das Restaurant hat er als Student in Kölns Villenvorort Junkersdorf aufgemacht, zusammen mit einem befreundeten Kellner.
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Alle fünf Minuten muss er das Gespräch unterbrechen, weil ihn irgendjemand begrüßt, der Besitzer des Kölner Eishockey-Clubs KEC, der Geschäftsführer eines Klimaanlagenherstellers, diverse Damen. Ganz Sohn aus gutem Hause, empfängt er die Damen höfl ich charmant, den Eishockey-Chef kumpelhaft laut mit Schulterschlag, die Freunde der Eltern jungenhaft verschmitzt. 30 Sekunden Vorstellung in Perfektion, mehr Zeit gibt er ihnen nicht, geht gleich wieder auf Distanz. Bei Claudio trifft sich die bessere Gesellschaft, Geschäftsführer, Unternehmer, Promis, man kennt sich. Mronz gehört dazu, schon immer. Er ist ein Kind des Kölner Establishments, der Vater war Architekt, die Mutter Galeristin, Bruder Alexander Tennisprofi , der sich Anfang der Neunziger auf Platz 80 der Weltrangliste kämpfte, die erste Liebe von Steffi Graf. Michael Mronz kommt aus einer leistungsorientierten Familie. Der Vater kam als Architekturstudent aus Krakau per Hochschulaustausch nach Köln. Blieb, biss sich durch, bis er schließlich Hochhäuser bauen durfte. Viel habe der Vater ihn gelehrt, sagt er, und sein Gesicht strahlt jetzt vor Zuneigung. Sehr wichtig sei der Vater gewesen, der ihn immer aufgefordert habe, Chancen aufzuspüren und umzusetzen. „Dinge, die man anfängt, macht man auch zu Ende“, das klingt ihm noch heute im Ohr, ließ den BWL-Studenten nach 22 Semestern in Köln Examen machen. Und zu einer Zeit, in der er schon Geschäftsführer des CHIO in Aachen war, des größten jährlichen Reitturniers der Welt, geht er morgens von sechs bis neun Uhr ins Büro und anschließend zur Lern-AG der Uni. Michael Mronz ist ein Selfmade-Businessman, einer, der schon als Kind die Parkplätze am Haus seiner Eltern bei Spielen des 1. FC Köln vermietete, der mit 21 Jahren sein erstes ATP-Tennisturnier in Köln veranstaltete und der auch heute alles macht, was geht. Er ist nicht nur Restaurantbesitzer, WM-Chef und seit 1997 Chef des CHIO, ihm gehört auch eine Sportpromotion-Agentur, er vermarktet die TV-Events von Stefan Raab und ist Mitbegründer des Kölner Basketball- Bundesligisten RheinEnergie. Inzwischen wird er wohl auch Millionär sein, und trotzdem isst er lieber mit seinen Mitarbeitern am Schreibtisch der Sekretärin zu Mittag als allein. Nadine Capellmann, die Dressur-Weltmeisterin, gibt ihm die vier einzigen Reitstunden seines Lebens zum Start seiner Geschäftsführung beim CHIO. Die beiden verlieben sich ineinander, werden ein Paar. Die eher zart gebaute, zähe blonde Reiterin und der dunkelhaarige, nicht minder zähe Geschäftsmann. Doch Michael Mronz, der Tennis, Golf und Fußball spielt, bleibt auf dem Pferd eine Niete, verlässt den Sattel mit blauen Flecken auf den Innenseiten der Oberschenkel. Als dann auch noch die Reitstiefel nach misslungenem Trab aufgeschnitten werden mussten, weil Mickey nicht aus ihnen herauskam, beschloss er, sich nicht mehr aufs Pferd zu setzen. Mronz konzentriert sich lieber aufs Marketing der Pferde. Mit Nadine Capellmann lebt er bis 1999, noch heute sind sie beste Freunde, sehen sich, telefonieren oft. Spröde ist die Welt der Reiter, da gab ihm ihre Beziehung Sicherheit. Half ihm, Selbstzweifel abzuwürgen und stattdessen die berufl iche Herausforderung anzunehmen. Das Warum, das, was ihn treibt, nennt er „Spaß“. Aber dazu brauche er eben auch Erfolg. Durchdringend sagt er das, lässt durchblicken, dass dieser Kampf immer wieder gefochten werden muss. Um wenig später – für seine Verhältnisse ungewöhnlich begeistert und locker – von seinem neuen Smart zu berichten, „witzig“ sei es, mit ihm durch Berlin zu fahren, das Faltdach „super“. Tagsüber fährt er S-Klasse, mit Chauffeur. Den Luxus leistet er sich bis zum Winter, dann ist die WM abgearbeitet, der Stress vorbei, das Auto nicht mehr Büro. Und er wird nicht mehr bereit sein, für den Aufwand zu zahlen.
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in der Ausgabe 08/2006
