Die wollen nur spielen
Sie sind schnell. Sie sind heiß. Sie toben sich aus in der Welt der Milliarden-Konzerne. Hedgefonds-Manager kennen weder Gut noch Böse - sondern nur Gewinne. Ihr Lebensstil machte sie zur gehassten Elite. Ein Flug mit dem Schwarm der Heuschrecken
So werden Deals gemacht. An einem verregneten Tag wie diesem, in der Bar eines Luxushotels irgendwo in Köln. Zwischen hohen Backsteinwänden trifft man den akkurat frisierten Chef eines der großen überlebenden New-Economy-Start-ups. Er wartet. Er hat viel erreicht. Die Firma stand vor dem Aus, er hat sie saniert und wieder auf Wachstum getrimmt. Doch als Florian Homm dann endlich um die Ecke kommt, sieht der Akkurate plötzlich sehr klein aus. Zwei Meter, braun gebrannt, ein Kerl, dem man den einstigen Profi-Basketballer ansieht. Eine dicke Zigarre zwischen den Fingern, eine Idee im Kopf: Eine Fusion, ein Zukauf, und schon wäre der gerade noch Überlebende plötzlich Branchenführer. „Wir haben Kernthemen zu besprechen“, sagt Homm mit einer Stimme, der man Befehlsgewohnheit anhört, die Abneigung gegen langes Gerede. „Dann fangen wir mal an.“ „Ein Vorstandschef“, wird er später sagen, „ist wirklich nur angestellt. Der arbeitet für uns Aktionäre. Das ist ganz klar.“ Sätze, die in den deutschen Chefetagen gar nicht gern gehört werden. Und der Deal, den Homm an diesem Montagnachmittag durchrechnet, dürfte wieder einige Chefsessel kosten – und einigen hundert Arbeitnehmern Unruhe bescheren, ihm und seinen Investoren aber einige Millionen. An 25 solcher Pläne sitze er gleichzeitig, sagt er, als er das voll gekritzelte Präsentationspapier in die Ecke wirft, nur ein paar davon klappten. Doch das reicht. Florian Homm ist Deutschlands prominentester und umstrittenster Hedgefonds-Manager. Er ist der Mann, der vor zwei Jahren spektakulär beim maroden Fußballclub Borussia Dortmund einstieg und 25 Prozent der Aktien kaufte, das Management feuerte und einen neuen Aufsichtsrat installierte. Der die inzwischen nicht mehr existente Bremer Vulkanwerft („Wir haben leerverkauft bis zum Umfallen“), den Vermögensverwalter MLP, den Immobilienkonzern WCM und den Autovermieter Sixt vor sich hertrieb. Was Homm heute „Ich habe den Mund wohl ein bisschen voll genommen“ nennt, empfand Erich Sixt damals als „Angriff auf mein Lebenswerk“. Immer wieder wurde ihm Manipulation vorgeworfen; er habe die fallenden Kurse, auf die er in allen Fällen setzte, selbst herbei-geredet. Im Fall Sixt musste er sogar eine fünfstellige Summe Strafe zahlen. Ihn kümmert das wenig. Die zigtausend Euro zahlte er damals achselzuckend, keine Zeit für lange Prozesse, er müsse ein Unternehmen führen. Hedgefonds ist derzeit Bankers Traum. Ein paar hundert Millionen bei Investoren einsammeln, wobei einige davon für einen selbst abfallen – in New York, London und inzwischen auch in Frankfurt ist das inzwischen Cocktail-Talk. Typen wie Homm – die meisten von ihnen junge Jungs – sind überall. „Wenn Sie heute Leute treffen wollen, die noch keine 30 sind und schon ihre erste Million gemacht haben, dann müssen Sie dort suchen. Nicht hier.“ Der Satz fällt in einem Lift der Frankfurter Zentrale von Goldman Sachs, der nobelsten Investmentbank der Welt, irgendwo zwischen dem 54. Stockwerk und der Erde. Unten, in der Tiefgarage, werden Poller in den Boden eingelassen. Damit die Investmentbanker in ihren Ferraris endlich manierlich runterbremsen. Vermutlich hängt das eine mit dem anderen zusammen. Denn auf die Bremse treten, das ist nichts für die Jungs, bei denen die prallen Zeiten der Mega-Mergers einfach nicht wiederkommen wollen – und die auf der Suche sind nach dem neuen Big Deal. Und dem Big Money. In der „Institutional Investor“-Liste der Toptrader verdient bisweilen selbst der Letzte so viel wie die Chefs von Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan zusammen.
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„Als ANALYST bist du der letzte Arsch“ Jeden Tag schmeißt ein Banker hin und macht seinen Fonds auf. Jeder will der sein, der in seinem ersten Jahr 35 Millionen Dollar kassierte, sich ein 16-Millionen-Dollar-Sommerhaus in den Hamptons kaufte, ein Apartment in Manhattan und dazu einen Helikopter, um zwischen beiden zu pendeln. An die 8000 Fonds sind in den vergangenen Jahren entstanden, sie verwalten mehr als 1000 Milliarden Dollar, dreimal so viel wie der Bundeshaushalt, Tendenz steigend. Daten über ihre Geschäfte veröffentlichen sie kaum, selbst auf die Internetseiten kommt man oft nur mit Passwort. Die in diesem Geschäft bestehen, gelten als „Magiere der Märkte“, als Superhirne. In New York treiben sie die Immobilienpreise hoch, kaufen den Kunstmarkt leer. „Die kommen sich vor wie die Rockefeller der Neuzeit“, murren Ex-Kollegen. Jeder fünfte scheitert – und rudert zurück. Immer wieder gibt es spektakuläre Pleiten, wie bei den US-Fonds LTCM oder unlängst Bayou. So einfach ist das mit dem Geldmachen dann doch nicht. Das Versprechen, mit dem die Fonds mehr und mehr Investoren überzeugen, auch wenn es klingt wie der neueste windige Dreh, doch noch mit Aktien reich zu werden, heißt: immer im Plus, selbst bei fallenden Märkten. „Absolute Return“ im Fach-, „bei jedem Wetter Sonnenschein“ in Homms Jargon. Regel Nr. 1: Alles oder nichts. Verdient wird nur bei Gewinn, dann aber richtig. Formel „1 plus 20“. Ein Prozent Managementgebühr und 20 Prozent Performance Fee auf den Überschuss (bei einem Icahn oder Soros selbstverständlich mehr). Regel Nr. 2: Alles geht. Regel Nr. 3: Es geht noch mehr. – Die Manager sind auf der Suche nach über- oder unterbewerteten Unternehmen. Wo lässt sich was reißen? Wo kann man Kosten senken, Sparten absplitten, Fusionen anzetteln, Werte steigern, Aktienkursen Fantasie einhauchen? Siehe oben. Die Fonds platzen dann mit einer Wucht in Konzerne, dass es einen Börsenchef Werner Seifert, einen Rolf Breuer und auch einen Jürgen Schrempp, diese These hält sich hartnäckig, einfach wegreißt. Volkswagen holte aus Angst Porsche als Großaktionär ins Boot. Derzeit arbeitet ThyssenKrupp heftig an einer Abwehrstrategie. Plötzlich müssen gestandene Firmenchefs vor 20 Jahre Jüngeren zum Rapport antreten. Überzeugt der nicht, wird „sofort liquidiert“ – die Position natürlich –, schlimmstenfalls sogar „leerverkauft“, „short“ gegangen. Das Risiko ist extrem hoch. Denn Aktien werden geliehen und verkauft. Ist am Rückgabetermin der Kurs dann doch nicht gefallen, heißt es: Totalverlust. Anderenfalls hoher Profit. Shorten ist der Trick, mit dem die Hedgefonds auch im Crash noch 20 Prozent Plus machen. „Als Analyst bist du der letzte Arsch. Aber ab dem Moment, wo du Geld hast, hast du Macht.“ Der das sagt, ist seit einem Jahr in Frankfurt im Geschäft und gerade mal 34. Wann er denn so weit sei, nicht mehr arbeiten zu müssen? Ein Griff zum Krawattenknoten und dann ein gedehntes „Och, was heißt schon müssen…“
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in der Ausgabe 02/2006
