Freistil für Monaco

Charlene Wittstock ist die wohl ungewöhnlichste Frau an der Seite eines europäischen Royals. Die Lebensgefährtin von Fürst Albert II. von Monaco kommt aus dem südafrikanischen Busch, ist Profi-Schwimmerin und Olympionikin – und einfach ein Klasse-Mädchen. Das beweist sie auch in ihrem ersten großen Fotoshooting und dem ersten großen Interview. Exklusiv in PARK AVENUE

 

Selbst die Römer jammern über diesen merkwürdig heißen Frühling. Fast 30 Grad Celsius im Mai, was denkt sich San Pietro eigentlich? Baden gehen sie trotzdem nicht, die prinzipientreuen Bürger Roms, nicht um diese Jahreszeit. Ostia, der Hausstrand Roms, glüht bereits vormittags in der Sonne, bleibt dennoch unwirklich menschenleer. Nur eine junge blonde Frau balanciert in einem mondänen Abendkleid von Etro über das Zehnmeterbrett jenes legendären Sprungturms aus den 50er-Jahren, der einst als Wahrzeichen des Badeortes galt und den deutschen Namen „Kursaal“ trägt. Würde sie springen, wäre sie tot, das Becken ist noch nicht fertig eingelassen. An der Leiter des stählernen Ungetüms hängt ein Fotograf und versucht, ihren Gesichtsausdruck, der, wie er sagt, außergewöhnlich fashionable sei, weil so konzentriert und ernst, einzufangen. Eine surreale Szenerie, selbst wenn man die genaueren Umstände nicht kennt. Diese genaueren Umstände lauten wie folgt: Bei der jungen Frau handelt es sich nicht um irgendein Model, sondern um eine besondere Frau, um eine moderne Grande Dame.

Charlene Wittstock, 29, Südafrikanerin, hauptberuflich Schwimmerin, nahm schon mal erfolgreich an den Olympischen Spielen 2000 teil und – nicht ganz unwesentlich – ist privat mit dem Fürsten von Monaco liiert.

Letzteres hat sie zu einem der zehn bekanntesten lebenden Afrikaner gemacht – gleich nach Nelson Mandela und Charlize Theron. Heute ist sie nach Rom gekommen, um sich zum ersten Mal, seit ihre private Verbindung mit dem Regenten des schillernden Kleinstaates an der Côte d’Azur Gegenstand des öffentlichen Interesses geworden ist, in einem Fotoshooting zu präsentieren. Ein Interview zu geben, sich zu erklären – auch wenn ihr das Protokoll verbietet, was den Fürsten und die Beziehung betrifft, konkret zu werden.

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Dass sie Spitzensportlerin ist, erkennt man nicht nur an ihrem athletischen Körperbau, man sieht es an ihrer Diszpliniertheit. Das gilt bei Hof als Fauxpas, sie würde wohl eher sagen: als No-go. Es wird ein Balanceakt. Nicht nur wegen des Zehnmeterturmes. Aber es scheint ihr wichtig zu sein, endlich einmal wieder Bilder von sich zu sehen, die nicht heimlich mit Teleobjektiven aus Büschen heraus fotografiert wurden, endlich Sätze von sich zu lesen, die nicht verdreht und in irgendwelche romantischen Groschenromanbezüge gesetzt wurden. So eine beißt sich durch. Stundenlang posiert sie, wechselt die Kleider, posiert weiter, lässt sich nachschminken, posiert wieder. Auf dem Dreimeterturm, auf dem Fünfmeterturm, jetzt doch noch ein Motiv im Becken. Nach mehrstündigen anstrengenden Aufnahmen in der prallen Sonne will sich auf ihrer Stirn immer noch kein Schweißtropfen bilden. Das liegt vermutlich auch an der afrikanischen Kondition. Auf dem Weg in ihre Kabine lächelt sie über die aus Deutschland mitgereisten und nunmehr schwitzenden, deutlich geröteten Mitglieder des Redaktionsteams, die sich in den Schatten eines kleinen Sonnenschirms drängeln, und ruft launig zu ihnen hinüber: „Ihr seht schon aus wie Lobster.“ Starke Frau, denkt man sich, obendrein coole, lustige Frau. Keine dieser Höhere-Töchter-Darstellerinnen, die sich gern im Umfeld von royalen Junggesellen tummeln und heimlich für sich schon mal den Chamois-Ton des Brautkleids überlegen. Besonders Fürst Albert hat in der Vergangenheit nicht immer ein perfektes Händchen in der Wahl der adäquaten Damenbegleitung bewiesen. Angesichts dieser Charlene Wittstock aber ist man beinahe verleitet, dem Mann eine Glückwunschkarte aus Rom zu senden. Das hat man sich schon am Vorabend gedacht, beim ersten Zusammentreffen.

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