EXTRA DRY

Diese Gang ist nur zum Vergnügen auf dieser Welt. Zu ihrem. Und mit „Ocean’s Thirteen“ auch zu unserem. Doch George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon sind mehr als die mächtigste Spaßgesellschaft Hollywoods. Sie sind auch das Gewissen Washingtons

George griff Matt an den Hintern („Der Junge ist heiß, Leute!“) und versuchte, Brads Eier zu quetschen. Matt spritzte ein bisschen mit seiner Wasserflasche rum. Brad malte Nippel, schöne große Nippel, auf ein Foto von George. Nebenbei sprachen die drei übers Trinken (viel), Kiffen (gern) und Kollegen (schlecht), beleidigten sich sorgfältig und beteuerten, welche Qual die Zusammenarbeit wieder einmal gewesen war. Ein Röhren lag in der Luft, wie von tausend Hirschen; schloss man die Augen, glaubte man, Frühpubertierenden zuzuhören – aufgekratzt, hormonprall, bier- und kumpelselig, sich auf jede Pointe stürzend wie auf die schärfste Klassenblonde. Wer aber käme auf die Idee, die Augen zu schließen? Immerhin trafen sich drei der attraktivsten Männer der Welt zum Fototermin: drei Multimillionäre, die unter sich zwei Oscars und vier Auszeichnungen als „Sexiest Man Alive“ versammeln; die in den internationalen Klatschblättern ebenso wie am Rednerpult der Vereinten Nationen vertreten sind; die sich in ihren nunmehr drei gemeinsamen Filmen als die coolsten Hunde der westlichen Hemisphäre präsentieren und sich im wahren Leben ganz ernsthaft ums Wohl des Planeten kümmern. Weibermagneten. Kindsköpfe. Kumpeltypen. Und Könige von Hollywood. Kein Zweifel: George Clooney, 46, Brad Pitt, 43, und Matt Damon, mit 36 Jahren der Juniorpartner im Medien-Terzett, sind die derzeit besten Schauspieler der Welt. Das soll kein Affront sein gegen all die hochdekorierten Shakespeare-Mimen und Strasberg-Schüler, die so fabelhaft in fremder Leute Leben schlüpfen können: Das ist hohe Schauspielkunst, ja, ja. Aber kein Mensch, sei er Oscar-Preisträger oder „Hamlet“-Meister, kann George Clooney spielen wie George Clooney. Die Superrolle. Den Superhelden. Smartester Charmeur, der je ein Frauenherz gebrochen hat. Hollywoods Hoffnung, Washingtons Gewissen. Und als Brad Pitt ist keiner besser als Brad Pitt: schönster Cowboy des Westens, dessen Lächeln allein, wie ein Kritiker einmal schrieb, die Emanzipation um 25 Jahre zurückwirft. Naturbursche, tragisch gefangen im Körper eines Naturwunders. So schön. Und so gleichgültig ob der eigenen Schönheit.

Matt Damon schließlich, dargestellt von Matt Damon: schlau und süß, mit leicht kruder Physiognomie, die seinem All-American-Boy-Appeal etwas Verwegenes verleiht. Augenbrauenwülste wie ein Urmensch, Lächeln wie ein Achtjähriger. Wird wohl „Matty“ genannt, bis ihm die Zähne ausfallen. Wenn im Juni „Ocean’s Thirteen“ in die Kinos kommt, voraussichtlich letzter Teil der Räuberpistole um den Casino- Dieb Danny Ocean und seine Kameraden, haben Clooney, Pitt und Damon zum dritten Mal das Kunststück fertiggebracht, in einer von Ehrgeiz, Unsicherheit, Druck und durchaus auch Intrigen bestimmten Industrie so etwas wie einen über Wochen verlängerten Herrenabend zu genießen. Die Dreharbeiten, so heißt es, seien jedes Mal „fun“ gewesen, „fun-fun-fun!“, und auch wenn dies in einer Branche behauptet wird, die selbst Begegnungen von Werner Herzog mit Klaus Kinski als „fun-fun-fun!“ beschriebe – so glauben wir dem Trio. Vor allem, weil sie selbst das Gegenteil behaupten.

George: „Haben wir uns etwa gut verstanden? Das war doch nur ein Job. Hatte irgendjemand Spaß?“
Matt: „Nä.“
Brad: „Ich habe immer gesagt, ich mache die Filme nur, wenn George nicht dabei ist.“
George: „Dass es keinerlei Kameraderie am Set gab, lag an Brad. Er hat die Stimmung versaut. Er ist so ein richtiger Filmstar.“
Matt: „Bäh!“

Und so weiter und so weiter, es wird gekalauert und genölt, bisschen gespritzt, bisschen geneckt, viel gelacht, und nach jedem Auftritt der drei will jeder, der ihnen zugehört hat, Mitglied werden im Club. Das ist das Erfolgsrezept der „Ocean“-Filme: Wir sehen schöne Männer, die coole Sachen machen und sich nicht ernst nehmen; mit solchen wollen Frauen ins Bett, Männer mit ihnen an den Tresen. Wie jeder weiß, der die letzten sechs Jahre nicht vor einem einarmigen Banditen verbracht hat, handelt es sich bei diesem Danny Ocean um einen Dieb, der bevorzugt Casinos in Las Vegas ausräumt. Zu dem Zwecke stellt er eine Gang von Spezialisten zusammen, eben jene elf oder zwölf oder nun 13, die das Kind schaukeln. Ocean und seine rechte Hand Rusty – Clooney und Pitt – machen clevere Sprüche und tragen teure Klamotten, während Damon einen etwas tumben Helfer spielt, der Windjäckchen und Streifenpullover anhat, ganz so, als gehörte er nicht zur Gang, sondern zu den Peanuts. Im ersten Film raubten sie drei Spielhöllen aus, im zweiten, „Ocean’s Twelve“, führte sie ein Coup nach Europa.

(George: „Amsterdam… Ich erinnere mich kaum …“ – Brad: „Muss mit diesen Cafés zusammenhängen … Dunst.“ – Matt: „Ein einziger Nebel.“ – Brad: „… roch würzig …“ – George: „Irgendwie nach Gras …“, und so weiter und so weiter).

Der dritte Teil hat diesen Monat Premiere, gedreht wurde wieder im Bellagio in Las Vegas. Diesmal spielt Al Pacino den Casino-Besitzer, der einen von Oceans Kumpels betrügt und daher von der Bande bestraft werden soll. Der Film sei besser als der zweite, sagen die Herren: Damals hätten sie sich über ihr Wiedersehen so gefreut, dass sie ganz vergaßen, eine Story zu erzählen.