Stolz & Vorurteil

VERGESST FELDBUSCH! Verona heißt jetzt Pooth. Und ist eine Geschäftsfrau, die ihre eigene MARKE verkörpert. Er heißt zwar immer noch FRANJO, hat sich aber vom gut frisierten Mann an ihrer Seite zu einem Unternehmer mit MUT ZUR GELASSENHEIT entwickelt. Das Psychogramm eines PAAR EXCELLENCE

 

Das Gebäude fällt nicht auf, es ist ein Hochhaus ganz am Ende des Medienhafens in Düsseldorf, einem Büroviertel direkt am Rhein. Auf einem der Klingelschilder stehen die Namen „Maxfield“ und „Verona’s Dreams“; zwei Klitschen, so sieht es aus, die sich nicht nur eine Etage im 6. Stock teilen müssen, sondern auch den Platz auf dem Schild. Ganz so ist es nicht. Aber der Medienhafen ist gewissermaßen auch der Hafen einer Ehe: Maxfield, das ist die Firma von Franjo Pooth. Verona’s Dreams, so heißt die Firma von seiner Frau. Sie ist schmaler als im Fernsehen. Da muss man immer optisch fünf Kilo hinzurechnen, heißt es, die man in Wirklichkeit wieder abziehen muss; vielleicht bringt diese Verzerrung das Verhältnis von Fernsehen und Wirklichkeit ganz gut auf den Punkt. Im Fernsehen gibt es Verona. In Wirklichkeit hat sich Frau Pooth über den Konferenztisch gebeugt, vor sich vielleicht zwanzig Entwürfe eines neuen Logos; sie ist groß und schwarz gekleidet, mit einer beigen Schirmmütze auf dem Kopf. Ihre Stimme ist laut, aber nicht unangenehm; sie lacht und lächelt und tänzelt und bleibt nur selten mal ruhig. Erst vor Kurzem hat sie wieder diese Wandlungsfähigkeit bewiesen, die mittlerweile vielleicht ihr Image ausmacht: Verona Pooth ist auf der Pariser Modewoche als Model für Vivienne Westwood gelaufen, eine androgyne Geisha mit Kurzhaarperücke auf dem Kopf, und sie sprach eine halbe Stunde lang über Haute Couture, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Wer hätte das gedacht, vor ein paar Jahren, als sie als „Peep!“-Moderatorin genauso glaubwürdig war? Sie kann alles machen. Man nimmt es ihr ab. „Sie ist ernsthafter und ernst zu nehmender geworden“, sagt Paul Sahner, der sie seit Jahren kennt und in der Bunten von Anfang an begleitet hat. Schlagzeilen sind das allerdings nicht. „Für viele Medien“, sagt Sahner, „führt sie ein zu heiles Leben.“ Was wiederum an Franjo Pooth liegt, der über sie gesagt hat: „Sie ist meine wichtigste Beraterin.“ Was ist das für ein Paar? Wie haben sie es geschafft, ihr Image in den letzten Jahren so zu verändern, dass sie inzwischen alles sein können? Auch er hat ja so eine Image-Karriere hinter sich – vom unterschätzten „Studenten“ zum „Partner“ zum „Unternehmer“ und seit einiger Zeit zum „erfolgreichen Unternehmer“. „Warten Sie“, sagt sie, nachdem sie die Logos noch einmal überflogen und dann eines ausgewählt hat. „Ich stelle Ihnen meinen Mann vor.“ Am Ende des Flurs hat er sein Büro.

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Verona und Franjo Pooth sind ein öffentliches Paar, ein sehr öffentliches Paar. Zeitungsleser und Fernsehgucker wissen eine Menge über beide und gleichzeitig sehr wenig. Sie ist dafür bekannt, bekannt zu sein. Verona Pooth hat lange vor Paris Hilton daraus eine Marke gemacht. Inzwischen legt man ihr auch den Namen „Geschäftsfrau“ bei, wenn es um ihren Beruf geht; früher sagte man eher Kultfigur oder Werbe-Ikone oder Multitalent oder was man halt aus Ratlosigkeit so sagt, wenn jemand in erster Linie sich selbst vermarktet – und man es gut mit ihm meint. Für alle anderen, die es nicht so gut mit ihr meinten, war sie der „Urknall des Nichts“, die Frau, die aus den wenigsten Talenten das meiste gemacht hat; die Ex von Dieter Bohlen, ein Geschöpf der Bild-Zeitung oder, wie Alice Schwarzer im Rededuell der beiden sagte, bloß eine „Kunstfigur“. Ihren Mann dagegen kennt man kaum, außer von Fotos. Das hat sich ein wenig geändert, seit er innerhalb kürzester Zeit ein Unternehmen aufgebaut hat, das mit MP3- Playern inzwischen einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro macht – und er sich endgültig von dem Image gelöst hat, von Beruf Gatte zu sein. Franjo Pooth hat sich früher gern als „Hansi Feldbusch“ vorgestellt oder auch als ihr „Walker“, und wenn das jemand glaubte, haben sich die beiden totgelacht. Man ahnt bei einer Begegnung mit ihnen augenblicklich, warum sie zusammen sind. Die beiden haben den gleichen Humor. Es ist die Art, wie sie miteinander umgehen, ein Eingespieltsein, eine eigene Sprache. Sie sind seit über sieben Jahren zusammen, mit einem Familienleben, das für den Boulevard eine Spur zu langweilig ist: keine Affären, keine Exzesse, ein kleiner Sohn. So zynisch das klingt: Für eine Frau, die davon lebt, immer im Gespräch zu sein, ist privates Glück eigentlich ein Desaster. Wenn man nachforscht, sich den Werdegang der beiden anschaut und die Lebensumstände, wird eines schnell klar: Hier haben sich zwei gefunden, die konservative Werte teilen. Und denen Familie über alles geht. „Ich fühle mich manchmal wie ein Spießbürger“, hat sie einmal gesagt und damit gemeint, dass sie weder Tätowierungen hat noch jemals Nacktfotos gemacht hat, aber man könnte es auch auf das altmodische Miteinander der Pooths beziehen. „Wir leben wie eine italienische Großfamilie“, sagt Pooth. Mit Bruder und Eltern, alle zusammen.

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