Maria Shriver

Etwas gegen ARNOLD SCHWARZENEGGER zu haben ist so einfach, wie vom Stuhl zu fallen. MARIA SHRIVER aber haut einen wirklich um: So humorvoll, wie sich die Gattin des Gouverneurs und Nichte von JOHN F. KENNEDY für Emanzipation einsetzt, begeistert sie sogar Kerle mit geistigem Doppelkinn

Es ist früher Nachmittag, Maria Shriver, 52, sitzt im dritten Stock des Westin Hotels in Long Beach auf einem Fenstersims und sieht aus wie eine all-american-Mutti, die gleich zum Tennistraining geht. Die First Lady von Kalifornien trägt Jeans, Pferdeschwanz und ein lila T-Shirt. An ihren Füßen rosa Nikes, die sie immer dann anzieht, wenn sie Maria sein will, nicht die „Frau von…“ oder die JFK-Nichte. Als Fernsehjournalistin weiß sie um die Bedeutung von Details. Ihre Antworten kommen ohne Ähs und Hms. Bis jetzt war sie gut gelaunt. „Frau Shriver, hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. Und Ihr Mann Arnold Schwarzenegger ist ja die Stärke in Person: Terminator, Gouverneur, you know what I mean?“
Tut sie nicht. „Ich stehe nicht hinter meinem Mann, ich stehe neben meinem Mann. Wir sind ein gleichberechtigtes Team! Keine Frau dieser Welt sollte hinter ihrem Mann stehen!“ „Verstanden, aber…“ „Kein Aber, nicht in diesem Fall! Wir haben beide die Hosen an. Er, während er die Feuer bekämpft, und ich hier bei Ihnen. Habe ich nicht recht, Ladys?“ Ihre persönliche Assistentin und ihre Pressereferentin nicken. Dann lachen die drei Frauen laut. Frau Shrivers Armreife rasseln, weil sie sich auf die Oberschenkel schlägt. Dem Kerl haben sie es aber gezeigt. Es den Kerlen zeigen, darum geht es für Maria Owings Shriver, geboren am 6. November 1955 in Chicago, von Anfang an. Das Sichdurchsetzenmüssen bekommt sie in die Wiege gelegt wie andere Babys ihre Rassel. Shriver hat vier Brüder und einen Onkel namens John F. Kennedy. Ihr Leben findet von der ersten Minute an unter dem Mikroskop einer Nation statt, die mangels Royals die Kennedys zur Königsfamilie kürt. Wer in Amerikas Lieblingsdynastie etwas werden will, muss Junge sein. Shrivers Mutter Eunice Kennedy, Erfinderin der Special Olympics, trägt aus Protest gegen den Machismo in jungen Jahren Hosen und raucht Zigarren. Sie trichtert ihrer einzigen Tochter ein, dass sie mehr leisten muss, um Anerkennung zu bekommen. Und dass sie nie klein beigeben sollte, nur weil sie eine Frau ist.

Die Sonnenstrahlen tanzen durch den Flaum von Maria Shrivers Gesicht, ihre markanten Wangenknochen werfen Schatten. Draußen im Hafen verladen die Kräne Container. In Long Beach wohnen Arbeiter und Schwarze, zum Großteil schwarze Arbeiter. Der bekannteste Sohn der Gemeinde ist der Rapper Snoop Dogg. Er residiert schon lange in Hollywood, was viel weiter weg scheint als die eine Stunde Fahrt Richtung Norden. Auch die Familie Shriver/Schwarzenegger wohnt nördlich, in Brentwood, einem teuren Viertel von Los Angeles. Am nächsten Tag wird Maria Shriver im Convention Center auf der anderen Straßenseite gegenüber dem Hotel die größte Frauenkonferenz der Welt veranstalten, mit 14000 Frauen und 300 Journalisten. Sie hat Long Beach gewählt, nicht Hollywood oder Beverly Hills. Es geht ihr um echte Frauen mit echtem Alltag und echten Problemen. Glamour muss draußen bleiben. Vor zwei Stunden hat sie den Spielplatz einer Schule eingeweiht, hat sich auf eine Sandburg gestellt und geredet, bis die Kinder und Lehrer, die am unteren Drittel des amerikanischen Traums leben, das Gefühl hatten, dass endlich jemand da ist für sie. Am Ende haben alle zusammen „Guantanamera“ gesungen. Maria Shriver konnte den Text nicht, hat aber gelacht. Für das Mittagessen war keine Zeit. Am Abend gibt sie einen Empfang für die Ehrengäste. Ein weißes Armani-Kostüm wartet und unbequeme Pumps. Und bevor die Zehen rot lackiert werden, muss noch mit diesem Kerl aus Germany gesprochen werden. „Sie und Ihr Mann sind mit den Clintons das beliebteste Politpaar der USA. Werden sie deren Nachfolger im Weißen Haus?“ „Erst mal muss Hillary Präsidentin werden. Ich bin nicht sicher, ob dieses Land schon bereit ist für eine Präsidentin. Und nein, wir gehen nicht nach Washington. Ich bin davon überzeugt, dass man außerhalb von Parlament und Legislaturperioden viel mehr bewegen kann als in der Politik. Dafür ist Al Gore ein gutes Beispiel.“ „Wie lebt es sich als Demokratin mit einem Republikaner?“ „Das kann ich Ihnen nicht in einem Satz beantworten, das ist ein ganzes Buch und könnte mein sechster Bestseller werden.“