Wie es euch gefällt
"Wünsche sind nie klug. Das ist sogar das Beste an ihnen", sagte Charles Dickens. Richtig klug hingegen muss ein Concierge eines Luxushotels sein - wenn es darum geht, DIE ERWARTUNGEN DER GÄSTE IN DIE TAT UMZUSETZEN. Wir haben in den besten Häusern der Welt nachgefragt: Was kann sich ein Gast eigentlich alles wünschen? Und wie, um Himmels willen, erfüllt man diese Wünsche?
Juweliere überzeugen, mitten in der Nacht ihre Pforten zu öffnen, weil ein Hotelgast samt Brillantring um die Hand seiner Liebsten anhalten will. Tickets besorgen für längst ausverkaufte Konzerte. Zeitungen bügeln, damit die Druckerschwärze nicht abfärbt – alles Peanuts für einen Concierge eines Luxushotels. Was aber, wenn die Extrawürste größere Dimensionen annehmen? „Ab und zu müssen wir zaubern“, sagt Raffaele Sorrentino, Chefconcierge im Hotel Adlon in Berlin. Ein Concierge, sagt er, müsse bisweilen eben „ein bisschen wie David Copperfield sein“. Ansonsten gilt: Ruhe bewahren. Scharfsinn aktivieren. Und die Aufgabe als Herausforderung sehen. Als einen Wettlauf mit der Zeit, ein Duell mit der Realität – an dessen Ende Unmögliches möglich ist. Oder manchmal eben auch nicht…
VON GROSSEN UND KLEINEN RAKETEN
Hotel Adlon, Berlin – Alle Hände voll zu tun hatte Chefconcierge RAFFAELE SORRENTINO, als ein Gast, ein arabischer Scheich, mit seiner frisch gekauften Mercedes S-Klasse in die Hotelgarage fuhr, um, oh weh!, an Ort und Stelle festzustellen, dass dort das gleiche Modell stand – aber leistungsfähiger. Das ging natürlich nicht! Auch der Mercedes des Scheichs musste frisiert werden: breiter gemacht, tiefer gelegt, die PS-Zahl erhöht werden. Und das innerhalb von 30 Stunden. Da der Umbau nur in München möglich war, ließ Sorrentino den Wagen dort hinfahren, umbauen, zurückbringen und von Bremerhaven aus in die Heimat des Scheichs verschiffen.
Und auch ein anderes Mal musste Sorrentino richtig zaubern: Vor langen Jahren, er arbeitete noch in einem Münchner Hotel, rief ihn ein Stammgast von Venedig aus an:
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ACH, DALI
Hotel Le Meurice, Paris – Eine E-Mail aus jenem Hotel, in dem Salvador Dalí einst weilte: „Er war bekannt für seine Exzentrik: Einmal bestellte er eine Schafherde auf sein Zimmer. Als sie kam, holte er eine Pistole heraus und schoss auf die Tiere. Zum Glück war die Pistole nicht geladen. Als Dalí auscheckte, mussten die Mitarbeiter zum Abschied Münzen unter sein Auto werfen, weil er so gern sagte, er führe auf Gold. Außerdem musste seine Suite Royale komplett renoviert werden. Er hatte selbstverständlich die Wände bemalt.“
POLIZEI-ESKORTE FÜR TAYLORS SCHUHE
Hotel Plaza Athénée, New York – Empfangschef SEBASTIAN WURST weiß, wie man Diven pampert: Deshalb sorgte er auch dafür, dass der Louis-Vuitton-Shop abends um 22 Uhr noch einmal öffnete – für Liz Taylor. Zwar hatte sie tagsüber schon eingekauft. Aber die 23 Louis-Vuitton-Taschen, mit denen sie angereist war, reichten nicht aus. Sie brauchte dringend eine neue, eine passende. Eher eine Kleinigkeit, verglichen mit dem Tag, als Liza Minnelli David Gest heiratete und Liz Taylor ihre Trauzeugin war. Als Taylor in die Limousine stieg, hatte sie noch ihre Hotelslipper an, erzählt Wurst. Doch das bemerkte sie erst am Ort der Hochzeit. Natürlich konnten die Feierlichkeiten so unmöglich beginnen! Also beauftragte Empfangschef Wurst einen seiner Conciergen, eine Limousine samt Polizei-Eskorte zu organisieren, die die Schuhe im Eiltempo quer durch Manhattan kutschierte.
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100 Milliliter Sicherheit – diese Produkte dürfen mit ins Flugzeug mehr ...Beverly Hills Hotel, Los Angeles – Chefconcierge ABBAS GOLESTANI wurde von zwei Gästen doch tatsächlich darum gebeten, die Vermählung ihrer Hunde zu arrangieren. „Und zwar komplett, mit cremefarbenem Hochzeitskleid, Anzug, Fliege, Champagner, Hochzeitstorte und Trauzeugen – ebenfalls Hunde“, erzählt er. Golestani rief einen befreundeten Pfarrer an und fragte, ob er die Zeremonie durchführen würde. Der Pfarrer willigte ein. Im Hotel dekorierte man einen Raum mit Luftballons, Blumen und Snacks aus trendigen Hundeläden, kredenzte eine Hochzeitstorte aus Hundekeksen und machte sich auf die Suche: nach adäquaten Trauzeugen. Sechs Hunde wohnten der Trauung am Ende bei. Und zehn Menschen. Wie die Sache mit dem Jawort über die Bühne ging? „Es gab eine Pause“, so Golestani. Dann schüttelte man die Leinen des Hochzeitspaares, und die Tiere machten ein Geräusch. „Das wurde als Ja gewertet.“ Die Zeremonie dauerte ein paar Minuten und kostete um die 15 000 Dollar.
WENN ES LIEBESBOTSCHAFTEN SCHNEIT
Ciragan Palace Kempinski, Istanbul – Der Helikopter war nicht das Problem, erzählt Chefconcierge FETIH GUCLUER, schließlich besitze das Hotel einen. Schwieriger war die Sache mit den 20 000 Zettelchen, die ein schwer verliebter Hotelgast samt 200 roter Rosen aus eben diesem Hubschrauber über dem Haus seiner Angebeteten abwerfen lassen wollte. Die Botschaft darauf: „Ich liebe dich. Bitte heirate mich.“ Aber Liebe hin, Liebe her: „Etwas aus einem Hubschrauber zu werfen, ist natürlich streng verboten – wer soll das sauber machen?“, so Fetih Gucluer. „Das ist eine bürokratische Angelegenheit.“ Gucluer verhandelte also mit der Stadtverwaltung. Und die zeigte sich gnädig: Der Gast zahlte extra für die Aufräumarbeiten, und der Helikopter durfte fliegen. „Das war ein Spaß“, erzählt Gucluer. „Es sah aus, als ob es schneite.“ Außerdem war die Aktion ein Erfolg, sagt er: „Heute sind sie verheiratet.“ Über die Kosten schweigt der Concierge sich diskret aus.
FÜR SIE SOLL'S ROTE ROSEN REGNEN
Hotel Splendido, Portofino – Wer nach Chefconcierge FAUSTO ALLEGRI fragt, bekommt ein DIN-A4-Papier: mit seiner Vita und seinen Erfolgen. Denn Allegri, der Mann mit den langen weißen Haaren, arbeitet seit 1963 im Hotel Splendido an der noblen italienischen Riviera. Und für die Gäste da zu sein, ist quasi seine Mission. Seine größten Leistungen: Er mietete einen Sonderzug für Barbara Hutton und ihre 120 Gepäckstücke – und das trotz Bahnstreiks. Für einen „bekannten europäischen Playboy“, dessen Namen er nicht verraten will, ließ er per Helikopter die Blütenblätter von 2000 Rosen vom Himmel regnen – auf dessen Angebetete, die gerade am Hotelpool in der Sonne badete.
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100 Milliliter Sicherheit – diese Produkte dürfen mit ins Flugzeug mehr ...Hotel Costes, Paris – Jeden Morgen mit einem ordentlichen Schrecken aufwachen, das wünschte sich ein ganz besonders exzentrischer Gast: der mexikanische Maler Julio Galán, der mehr als ein Jahr in dem Pariser In-Hotel wohnte. Und so musste der Page sich ein Gorilla-Kostüm überziehen, ins Zimmer des Künstlers schleichen und den seltsamen Mann mit einem tierischen „Uuuaaaahhhhh!“ wecken. Jeden Morgen. „Er hat sich immer sehr erschrocken“, behauptet CHRISTOPHE vom Empfang. Galán hinterließ zum Dank einen weiteren renovierungsbedürftigen Totalschaden. Wie Maler eben so sind: voller (erschreckender) Überraschungen.
GRAU GEHT GAR NICHT Cala di volpe, Sardinien – Ein deutscher Geschäftsmann verlangte ganz bescheiden nach sechs roten Ferraris – und zwar innerhalb einer Stunde! Er wollte damit in einen Club fahren. Der Concierge gab alles, berichtet Pressefrau MADDALENA CIOCIOLA. Und als die Stunde um war, hatte er tatsächlich sechs Ferraris aufgetrieben – fünf rote und einen grauen. Da zog der Gast seinen Wunsch zurück: Er wollte sechs rote Ferraris und nicht etwa fünf rote und einen grauen. Und den Abend verbrachte er dann beleidigt im Hotel.
NICHT OHNE MEINEN ESEL
Hotel Ritz, Madrid – „Vor ein paar Jahren haben wir einen Esel nach Südamerika geschickt“, erinnert sich FERNANDO GARCÍA, Assistenz-Concierge. Der Stammgast, dem eine große Farm in Mexiko gehört, entdeckte auf seiner Spanienreise eine Eselrasse, die es in Mexiko nicht gab. Davon wollte er einen mit nach Hause nehmen. Für die Conciergen vom Ritz in Madrid bedeutete das in erster Linie Papierkram. Bis der Esel endlich emigrieren konnte, dauerte es fast zwei Monate.
UND WAS, BITTESCHÖN, KOSTET DAS HOTEL?
Hotel Imperial, Wien – Chefconcierge MICHAEL MOSER telefonierte sich die Finger wund. „Ein arabischer Gast wollte unbedingt einen Schäferhundwelpen“, erzählt der Concierge. Und die sind nun mal nicht jederzeit erhältlich. Aber Moser fand einen – bei einem Züchter in Deutschland. Doch der Concierge war beunruhigt: Der Transport in den Nahen Osten würde nicht einfach werden, warnte er seinen Gast. „Machen Sie sich keine Sorgen“, entgegnete der. „Mir gehört die Fluglinie.“ Ein anderes Mal, vor etwa 30 Jahren, brachte der Schah von Persien den Hoteldirektor in Verlegenheit. „Was kostet es, wenn ich das Hotel abbauen und in Teheran wieder aufbauen lasse?“, erkundigte sich der Schah. Der Direktor schluckte. „Eure Majestät, wo wollen Sie denn dann wohnen, wenn Sie wieder nach Wien kommen?“
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100 Milliliter Sicherheit – diese Produkte dürfen mit ins Flugzeug mehr ...Beau-Rivage Palace, Lausanne – Chefconcierge SYLVIE GONIN musste schon Hunde kaufen und recherchieren, wie man Kaninchen durch den Zoll bekommt. Sie war also einiges gewohnt, als ein Gast bei ihr vorstellig wurde, der nicht nur auf dem Boden schlafen, sondern auch alles schwarz haben wollte. So tauschte man Vorhänge, Teppiche und Bettwäsche aus, schloss Fenster und Gardinen. „Alles war dunkel und schwarz“, erzählt Gonin. Wer der Gast war? „Ein Popstar aus Amerika.“ Etwas Weißes hingegen, Milchpulver nämlich, wünschte sich ausgerechnet eines Sonntagmorgens der Gast der größten Suite, welche dieser mit zwei Damen bewohnte. „Wie viel?“, fragte Gonin. „So viel wie möglich!“, sagte der Gast. Man wolle ein Milchbad nehmen. Also überredete Gonin die Apotheker der Umgebung zur sonntäglichen Geschäftsöffnung. Und bekam 15 Kilo Milchpulver zusammen.
BÄREN AUFGEBUNDEN
Mandarin Oriental, Hongkong – „Giovanni, ich habe ein Problem“, sagte der Gast, ein amerikanischer Schriftsteller, zu Chefconcierge GIOVANNI VALENTI. Er müsse dringend zurück nach New York und seine Frau in Hongkong alleine lassen. Und er bat den Concierge um zweierlei: um einen lebensgroßen Teddy und ein Flugticket für das Steiff - tier – der Teddy sollte die Frau auf ihrem Rückfl ug begleiten. „Es war nicht leicht, so einen großen Teddy zu kriegen“, sagt Valenti. Aber in einem Spielzeugladen fand er einen, 1,70 Meter groß. Dann kaufte Valenti zwei Flugtickets: eines für Madame und eines für den Bären. „Madame wusste nichts, als sie das Hotel in Richtung Flughafen verließ und in die Limousine einsteigen wollte“, erzählt Valenti. Er hatte den Teddy heimlich in den Rolls gesetzt und mit einer Botschaft ihres Mannes gespickt: „Darling, ich hoffe, Du vermisst mich nicht zu sehr.“ Die Frau brach – voller Rührung – in Tränen aus.
GELD SPIELT KEINE ROLLE!
Park Hyatt, Sydney – Es kommt nur alle Jubeljahre vor, dass sich ein Wal in den Hafen von Sydney verirrt, sagt Chefconcierge CHRIS TRAILL. Zweimal sei das in den letzten 20 Jahren passiert. Beim letzten Mal jedoch wünschte sich ein Gast, Fotograf aus Europa, den Wal zu betäuben und mit einem Sender zu versehen. Er wollte ihn verfolgen und fotografi eren können. Das Ansinnen scheiterte schon im Ansatz, „selbstverständlich aus Gründen des Tier- und Naturschutzes“. Einen anderen Wunsch hingegen konnte Traill erfüllen: Ein Gast aus Nahost wollte ein heimisches Fußballspiel im Fernsehen ansehen. „Wir mussten ihm eine Satellitenverbindung organisieren“, erzählt Traill. Aufwendig waren vor allem die Kosten: mal eben 10 000 Dollar.
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100 Milliliter Sicherheit – diese Produkte dürfen mit ins Flugzeug mehr ...The Ritz, London – „Zuerst dachte ich, es sei ein Witz“, sagt Chefconcierge MICHAEL DE COZAR: Ein Gast wollte ein altes Kriegsschiff der British Navy kaufen. Es sollte im See vor seinem Wochenendhaus dümpeln – als Spielzeug für die Enkel. De Cozar telefonierte also mit Reedereien in Newcastle und fand tatsächlich ein passendes Schiff. Was es kostete, weiß er nicht mehr, die Preisverhandlungen führte der pensionierte USNavy- General selbst. Woran sich de Cozar noch erinnert: „Der Transport in die USA war teurer als das Schiff selbst.“ Sein Gast aber war glücklich. Er schrieb später sogar eine Karte: Das Schiff sei ein famoser Spiel- und Golfabschlagplatz geworden.
