Mamas Liebling ist jetzt der Chef

Stabwechsel beim einflussreichsten deutschen Film-Clan: Nachdem sich Iris Berben und ihr Lebensgefährte Gabriel Lewy nach 32-jähriger Beziehung getrennt haben, hat der Sohn das Kommando: Oliver Berben, erfolgreicher Filmproduzent und in der Rolle des Paten eine perfekte Besetzung

Da lacht das Mutterherz: Iris Berben ist stolz auf ihren Sohn, der im vergangenen Jahr 69 Millionen Fernsehzuschauer erreichte und 15 Millionen Euro umsetzte Es ist gegen fünf Uhr nachmittags, als Mario Adorf noch einmal Lust hat, Geschäfte zu machen. Er steht auf einer Balustrade im zweiten Stock des Pariser Flughafens Orly. Um ihn herum wird gerade ein Filmset abgebaut, und Lampen, Kamera und Stative verschwinden in hektischem Treiben. Adorf wirkt alt. Er unterhält sich nicht. Er wartet. Doch als sich endlich ein junger Mann am Setrand aus einer Gesprächsgruppe löst, setzt der große Herr des deutschen Films plötzlich sein bestes Patenlächeln auf, geht, ein ganzer Kerl jetzt, 182 Filme schwer, auf den Jüngeren zu und packt ihn mit beiden Händen an den Schultern: „Oliver!“ Eine Begrüßung voller Verve. Adorf will etwas. Sehr. Eines seiner Hörbücher soll verfilmt werden und Oliver Berben, rein äußerlich ein Leichtgewicht, ein Hemd, schmächtig, nicht einmal groß, könnte das übernehmen. „Seine Schnelligkeit ist beeindruckend, seine Energie, der Erfolg“, schwärmt Adorf. Die Sache mit dem Hörbuch läuft gut an. „Ich bringe zusammen“, sagt Oliver Berben, „Menschen zu Stoffen, Stoffe zu Menschen, Geld zu Menschen. Das ist mein Job. Ein einziges Zusammenbringen.“ Berbens Worte: begeistert. Hinter jedem Satz ein Ausrufezeichen. Berben spricht wie Grönemeyer singt: mit Druck in der Stimme, extraintensiv, extraenergiegeladen. Das Lächeln zu seinen Worten ist sehr offen. Berben ist jung. 34 Jahre alt. Noch hat das Geschäft ihm seine Verbindlichkeit gelassen. Dabei ist um ihn herum längst ein Sog entstanden, in den es nicht nur Mario Adorf zieht. Denn seit er gemeinsam mit Bernd Eichinger den Film „Elementarteilchen“ realisierte, ist er der upcoming Star unter Deutschlands Filmproduzenten. Und damit tritt Oliver Berben, Sohn der Schauspielerin Iris Berben, aus dem Schatten seiner Mutter heraus. Lange war Oliver Berben für einige Menschen nur das: der Sohn von. Als er vor zehn Jahren die Produktionsfirma Moovie – the art of entertainment gründete, begann er, fast ausschließlich mit der Mutter zusammenzuarbeiten. Oliver Berben ist Mitglied im mächtigen Berben-Clan. In den ersten Jahren hat er hauptsächlich Filme seiner Mutter produziert. Bis heute teilt er sich seine Produktionsfirma mit ihrem Lieblingsregisseur Carlo Rola, der so etwas wie Iris Berbens Ziehsohn war. Er lässt seine Anwälte die Gehälter der Mutter mit seinem Stiefvater verhandeln. Gabriel Lewy, ehemaliger Lebensgefährte von Iris Berben. 32 Jahre waren die beiden so etwas wie ein Traumpaar. Sie stritten und versöhnten sich. Er hielt ihr als Manager den Rücken frei. Sie entwarf das Interieur für Cafés und Bars aus seinem gastronomischen Imperium. Und plötzlich die Trennung: „Iris Berben: Liebesglück zerbrochen!“ So berichtete die Münchner Abendzeitung. Entsetzt. Geschäftlich zusammengeschweißt bleiben sie trotzdem. Es geht in diesem Clan auch gar nicht anders.

Gabriel Lewy gilt als harter Hund, der gern Deals einfädelt. Auch nach der privaten Trennung von Iris Berben bleibt er doch Mitglied im mächtigen Clan Der Berben-Clan bleibt ein mächtiges Familienunternehmen. Ein Schutzschild gegen die Welt der Anderen, gegen Seilschaften, Intrigen, Benachteiligung. Denn Familien sind bekanntlich vor allem loyal. Blut ist dicker als Wasser. Und es ist klar, dass Berbens Erfolg im Erfolg der Mutter begründet liegt. Schließlich ist sie eine der besten, der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen. Sie ist ein Quotenzugpferd. Allein ihre Krimireihe „Rosa Roth“ im ZDF lockt seit zehn Jahren verlässlich bis zu sieben Millionen Zuschauer vor die Mattscheibe. Mit Iris Berben zu drehen, ihre Filme zu produzieren, ihr Manager zu sein, bedeutet immer eins: Geld. Viel Geld. Ist Oliver Berben also nur ein Profiteur, der es geschickt versteht, die Matriarchin zu vermarkten? Nach Tagen an seiner Seite kennt man die Antwort: Der Clan bekommt gerade einen neuen Chef. Es ist ein lauer Mittag, 20 Grad. Zwei Tage nach dem Dreh in Paris sitzt Oliver Berben in seinem lichtweißen Büro in einem abgerockten, gelben Klinkeraltbau am Berliner Landwehrkanal. Berben ist ein unruhiger Typ. Sitzt auf seinem Schreibtischstuhl, zieht das Knie an, lässt es wieder sinken. Greift mit der Rechten eine Papierschere, fuchtelt mit ihr durch die Luft, lässt sie wieder sinken. Nimmt eine Mappe vom Schreibtisch, presst ihre Kante auf sein Kinn, verharrt so Sekunden. Er lauscht. Vor ihm sitzt ein Mann mit dünnem Schnauzer, in dunkelbrauner Lederweste, dem im Geschäftsleben der Vorname abhanden gekommen ist: Schröder. Er ist der Kompagnon von Regie-Ass Leander Haußmann, Schöpfer von Kassenknüllern wie „Sonnenallee“ und „Herr Lehmann“. Haußmann will mit Berben bis ins kommende Jahr hinein zwei Kinofilme produzieren. Brainstorming. Berben sagt Sätze wie: „Kann ich das so verstehen, dass sich der Leander ausschließlich um diese zwei Projekte kümmert?“ „Das Primäre ist, dass du, Schröder, Leander und ich das gut finden. Dann kommen wir schon überein.“ Sätze wie von einem Diplomaten, wenn auch einem Zappelphilipp-Diplomaten, überfreundlich, verdammt geschickt.

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in der Ausgabe 08/2006