3 plus
Ach, diese Dellals: Die heißesten Millionärskinder Europas können nicht verstehen, warum so ein Wirbel um sie gemacht wird. Ja doch, Alex und Alice sind die aktuellen Flammen der monegassischen Fürstenkinder. Aber das interessiert doch niemanden. Sondern?
Auf einmal nimmt Alex Dellal mitten im Gespräch den Kassettenrekorder und drückt auf die Stopp-Taste. „Es ist schon seltsam“, sagt er. „Obwohl die Technik die tollsten digitalen Innovationen hervorgebracht hat, nehmt ihr Journalisten immer noch diese seltsamen alten Dinger, um Interviews aufzuzeichnen.“ Er schüttelt den Kopf und legt das Gerät verächtlich auf den Tisch zurück.
Überhaupt: Diese Medienleute bereiten ihm gerade reichlich Kopfzerbrechen. „Ich würde wirklich gern eines wissen“, sagt er, „woher kommen diese merkwürdigen Geschichten, dass wir, meine Schwestern und ich, so was wie die neue Jetset-Generation seien und all diese anderen dummen Dinge, die in Magazinen über uns zu lesen sind?“ Die ganze Zeit, die wir im K West Hotel gesessen haben, jenem sehr hippen Ort Londons, an dessen Bar sich die ganzen Britpopbands ihre viel zu scharfen Bloody Marys mixen lassen, hat er den unbestechlichen Galeristen gegeben, den atemberaubend souveränen Shootingstar der Londoner Kunstszene, der er ja auch ist, seit er vor ein paar Monaten seine Galerie 20 Hoxton Square eröffnet hat. Jetzt sitzt er da, wirkt etwas unbeholfen und will Antworten haben, auf eigentlich recht einfache Fragen. Warum geschieht das bloß, dieses aufgeregte Getue um seine Person? Warum sind aus Büschen geschossene Fotos von ihm in all den Magazinen, die Hello!, ¡Hola! und Paris Match heißen und die sich sonst ausschließlich um gekrönte Häupter und Hollywood-Stars kümmern?
Es ist ja ganz sympathisch, wenn auch seltsam, dass einer so naiv fragt, obwohl gerade ihn eines der begehrtesten und sicherlich schönsten Girls des Kontinents liebt, nämlich die Monaco-Prinzessin Charlotte Casiraghi. Und jeder weiß darum. Und davor war er auch nicht gerade mit einem Mauerblümchen zusammen, sondern dem hottesten Rockertöchterchen des Erdenrundes, Lizzie Jagger. Außerdem hoppelt er selbst gern auf blitzlichtumwitterten Partys herum und erfreut sich des entspannten Lebens der Erbengeneration. So einem müsste es einleuchten, dass Fotografen ihre Linsen nicht zugestöpselt lassen. Versteht er sie gar nicht, diese Mechanismen des Boulevard? Alex Dellals Augen starren einem reinherzig und scheinbar ahnungslos entgegen.
Seine Geschichte geht so: Irgendwann sind er und seine Schwestern zufällig auf der gleichen Veranstaltung gewesen wie die englischen Prinzen, die monegassischen Genpoolbewahrer, ein paar griechische Reeder-Enkel namens Niarchos und Latsis, die Hannover-Jünglinge und als Draufgabe vermutlich auch noch Paris Hilton – und schon sei sie aus wohl unerfindlichen Gründen in den Hirnen der Chefredakteure geboren worden, diese fixe Idee von der neuen Jetset- Generation. „Diese Leute sind untereinander bis auf wenige Ausnahmen kaum befreundet“, sagt er. „Wir gehen Freitagabend vielleicht mal zufällig in denselben Club, aber Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag lebt jeder sein eigenes Leben. Es gibt diese Clique als solche nicht. Die meisten meiner angeblich besten Jetset-Freunde kenne ich nicht einmal.“
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Die neue Generation der europäischen Society ist also lediglich eine Kopfgeburt des Medienzirkus? Das wäre keine gute Nachricht für die Redaktionen und irgendwie schade. Es ist in letzter Zeit eben sehr übersichtlich geworden im Blickfeld der Royal watcher. Ein großer Teil der Prinzengeneration Europas ist verheiratet und schiebt Kinderwagen durch die Schlossparks, kaum neue Affären, keine aufregenden Skandale. Die Playboys sind längst im wohlverdienten Ruhestand, und mit den einzigen veritablen Spaßmachern, den heroin- beziehungsweise kokainsüchtigen Stars Pete Doherty und Kate Moss kann die gemeine Bunte- oder Point de Vue-Leserin nicht viel anfangen, das ist denen zu schräg. Klar, dass die Medienmaschinerie anspringt, wenn da plötzlich diese entzückenden Millionärskinder daherkommen, noch dazu wenn nicht nur einer mit einer aus Monaco liiert ist, sondern die kleine Schwester, Alice, mit Monaco-Spross Pierre Casiraghi als Bonus obendrein. Besser geht’s nicht. Alle Beteiligten sehen außerdem schrecklich hübsch aus, aber vor allen Dingen fotogen – das ist nun mal der Stoff, aus dem Träume und Auflagen gemacht sind. Solche people mögen die Leute.
Die Mädchen scheinen an der Situation weit weniger zu leiden als der junge Galerist in seiner unendlichen sophistication, der um sein Ansehen in der schnell pikierten Kunstszene bangt. Das ließ sich ein paar Tage zuvor beim Fotoshooting für Park Avenue sehr anschaulich beobachten. Alex Dellal war erst mal gar nicht aufgetaucht, wegen „plötzlichen Fiebers“. Die Schwestern hatten den Termin auch verpennt, aber als sie dann endlich angekommen waren, da zogen sie alle Register schriller weiblicher Inszenierungsgabe. Mehrmals musste Alice Dellal ernsthaft ermahnt werden, ihr Oberteil doch bitte so anzuziehen, dass man das schöne Shooting nicht anschließend aus moralischen Gründen dem Playboy überlassen müsse.
Brasilianisches Temperament eben. Bei Alex erkenne man das von der Mutter vererbte Geblüt vorwiegend daran, dass er morgens immer so schlecht gelaunt sei, scherzt er selbst, die Mädchen bringen ihre Herkunft eben auf ganz andere Weise zum Ausdruck. Sie wackeln auf unfassbare Weise – bitte, man kann es wirklich nicht anders sagen – mit ihren Ärschen. Eine neue Pose findet sich mit jedem Wimpernschlag, jeder Gesichtsausdruck ein imaginiertes Vogue-Cover für sich.
Die eine, Charlotte, 26 Jahre alt, ein absolutes Glamour-Wesen, designt seit Kurzem ihre eigene Schuhkollektion, glitzernde Meisterwerke für den Damenfuß, die so scharf sind, dass der Aschenbrödel-Satz „Blut ist im Schuh“ noch ganz neue Bedeutung erlangen könnte. Mit sich führt sie einen bärbeißigen Mops mit dem lustigen Namen Manolo. Da lacht die „Sex and the City“-Fanclubvorsitzende. Die 19-jährige Alice kommt in einem Punk-Look daher, als wäre Alexander McQueen über die Kinder vom Bahnhof Zoo gekommen. Ihr Lebensweg führte sie bereits in frühen Teenagertagen auf die Laufstege und an die Fotosets – so wie früher Mama Andrea, die mal Valentinos bestes Mädchen gewesen ist. Es scheint so, als wäre diesen jungen Damen kein Scheinwerferlicht zu grell.
