Er kommt, wenn die Liebe geht: ATHONY JULIUS, 51, ist der beste Scheidungsanwalt der Welt. Lady Di war sein erster Coup, zurzeit trennt der Brite Heather Mills von Paul McCartney. Interview mit einem Rodenkrieger
PARK AVENUE: Herr Julius, warum heiraten Männer Frauen?ANTHONY JULIUS: Wen sollten sie denn sonst heiraten? Eichhörnchen? Oder Katzen? Oder……es ganz lassen: Sie können nicht mehr tun, was sie wollen, sie können nicht mehr anziehen, was sie wollen, dauernd werden sie gefragt: „Was denkst du gerade?“, Frauen kriegen Kopfschmerzen und Kinder, das Ganze macht immer weniger Spaß, man hat sich nichts mehr zu sagen, am Ende trennt man sich, und er zahlt mehr als die Hälfte seines Geldes an Ex-Frau und Kinder. Also warum? Weiß Ihr Freund, dass das Ihre Vorstellung von der Ehe ist? Wenn das die Ehe wäre, wäre es in der Tat kaum zu verstehen, warum die Leute heiraten wollen. Ich glaube aber nicht, dass es so sein muss.Wie denn?Selbstgewählte Zuneigungen. Es gibt ein gutes deutsches Wort dafür: Wahlverwandtschaften. Das ist es doch, worum es in der romantischen Liebe geht, oder? Und das ist etwas völlig anderes als die Liebe in der Familie, als die Liebe von Eltern zu ihren Kindern, können verletzen, erniedrigen, Druck ausüben, sich zu einigen, einfach weil jemand will, dass der Krach endlich aufhört. Aber wenn man stark genug ist, dem zu widerstehen, bewirken die Zeitungen gar nichts. Wie auch immer, ich habe wenig damit zu tun. Ich arbeite meistens für Menschen mit echten Karrieren.Sie meinen keinen Singer-Songwriter?Menschen, die ein Leben haben jenseits von Schlag zeilen. Wenn man natürlich seinen täglichen Schuss an Schlagzeilen braucht, wenn man das so verinner licht hat, dass es darüber bestimmt, wer man ist, dann hat man ein Problem. Vor allem, wenn die Schlagzeilen mal schlecht sind. Aber glücklicherweise musste ich für so jemanden noch nie arbeiten.Aber gegen so jemanden? Was es Ihnen leicht machen würde...Nein. Ich habe keine Lieblingsjournalisten, die ich anrufe und denen ich Sachen ins Ohr flüstere, damit sie die drucken. Ich mache so etwas nicht, es interessiert mich nicht. Wissen Sie, das Leben ist sehr kurz, und es fordert einen sehr. Ich habe acht Kinder und Stiefkinder, und ich weiß, was es heißt, Einfluss auszuüben. Ich versuche, ihnen Anstand und Selbstvertrauen beizubringen und dass sie sich selbst verwirklichen, so gut sie können. Aber Zeit damit verbringen, Journalisten dazu zu kriegen, eine Geschichte in meinem Sinne zu schreiben, und dann nachzuhaken, wenn das nicht so ganz geklappt hat, mit ihnen essen und trinken und sich anbiedern in der Hoffnung, dass man die PR bestimmt – das bin ich nicht. Das macht mir keinen Spaß, und deshalb tue ich das nicht. Und ich glaube nicht, dass ich dadurch meine Klienten schlechter vertrete.
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Sie lernen die Menschen meist an einem Punkt in deren Leben kennen, an dem gerade etwas dramatisch schiefgegangen ist, wenn sie sehr fragil und verwundbar sind. Wie sieht das aus?Manche kommen mit der Art von schmutzigem Auftrag: Ich will, dass Sie die Person zerstören. Wie diese großartige Szene in dem Film „Die Unbestechlichen“, in der Robert de Niro sagt: „Ich will ihn tot, ich will seine Kinder tot, ich will sein Haus niederbrennen, und ich will auf die Asche pissen.“Namen, bitte!Sicher nicht! Andere kommen und sagen: So was passiert, hol mich einfach da raus. Als ich angefangen habe, dachte ich, man muss alles tun, was der Mandant von einem verlangt. Für einen Rächer war man der Rächer, für einen dealmaker war man der dealmaker. Je älter ich wurde, desto mehr bin ich zu der Auffassung gelangt – wenn es nicht anmaßend ist, das zu sagen –, dass man sich selbst auch im Beruf treu bleiben muss. Also habe ich den Leuten erklärt, wenn du einen Rächer willst, bin ich der Falsche, denn ich neige eher dazu, Probleme mit gesundem Menschenverstand zu lösen, nicht wie Al Capone. Wenn jemand dieses Auf-die-Asche-Pissen will, sage ich: Ohne mich!Sind Sie sicher, dass Ihre Gegner das auch so sehen?Ja. Ich bin ganz sicher niemand, der einfach nur ausführt, was ein Mandant will, wie abscheulich und zer störerisch das auch sein mag. Und wenn einer findet, dass ich der Falsche für ihn bin, sage ich: Gut. Das erspart mir Arbeit. Ich bin keiner, der dasteht und nach Aufträgen schreit. Einige finden es übrigens gut, wenn man mal Nein zu ihnen sagt. Unsere Konsumkultur hat inzwischen so sehr auch den Rechtsbereich durchdrungen, dass die Anwälte fi nden, der einzige Weg, ihre horrenden Stundensätze zu rechtfertigen,……Ihre sollen ja auch nicht gerade niedrig sein……sei, dafür absolut alles zu tun, was der Mandant will. Ohne ihm einen Rat zu geben. Und das ist schlecht.