Alle lieben Irina (Sean Lennon, Kate Moss, Karl Lagerfeld)

Mit Sean Lennon steht sie gerade im Studio (und für uns am Strand von Long Island). Mit Pete Doherty war sie gerade verlobt (love is the drug dann doch nicht…), Karl Lagerfeld lobt ihre Kultiviertheit (zum Beispiel). Keine zwei Meinungen: Irina Lazareanu, 25, ist die Frau der Stunde (auch morgen noch)

Der Pony verdeckt ihre dunklen Augen wie ein Vorhang aus schwerer brauner Seide, halb herabgelassen gegen die Nachmittagssonne. Auf den ersten Blick ist alles an dem Mädchen Haar. Doch wenn Irina Lazareanu zu reden beginnt, wird sie ein Fluss aus Worten. Manchmal wird die Stimme des wohl ungewöhnlichsten It-Girls der Modelwelt dabei so spröde, dass man sich unwillkürlich für sie räuspert, denn dazu ist zwischen all ihren Gedanken kein Raum. Seit Kate Moss ihr vor zwei Jahren zum Debüt in der französischen Vogue verhalf, ist Lazareanu, die sich einfach als „Irina“ vorstellt, unaufhaltsam in den Mode-Olymp aufgestiegen. Dass ihre Nase nach den Regeln des Geschäfts zu lang ist, der Mund zu klein, die Beine zu sehr O – egal. Karl Lagerfeld schwärmt von ihrer Kultiviertheit und ihrem Stil und vergleicht sie mal mit Coco Chanel, mal mit der Existenzialisten-Ikone Juliette Gréco. Sie gilt als Muse von Balenciagas Kreativdirektor Nicolas Ghesquière und als Lieblingsmodel des vielbeachteten Jungdesigners Phillip Lim. Sie war in zig Kampagnen von Just Cavalli bis Chanel zu sehen. Sie ist das aktuelle Gesicht von Joop! und hat für das V Magazine erstmals hinter der Kamera gestanden, wobei sie ihre Modelfreundinnen für die Modestrecke selbst stylte. Und jetzt arbeitet sie mit Sean Lennon, 32, an ihrem ersten Folkalbum.

Die 25-Jährige sitzt auf der Kante des Sofas in der Lounge des Hotels The Mercer in SoHo, um die Ecke von ihrem New Yorker Apartment, von dem sie zu ihrer Wohnung im Pariser Marais-Viertel pendelt. Ein mondfarbenes Mädchen, staksig schmal, dessen Blässe noch durch den lichtgrauen jump suit von Fendi unterstrichen wird. Fast 40 Songs hat sie geschrieben. „Das Ding ist, die richtigen auszuwählen“, sagt sie. Ihre Vorbilder sind Leonard Cohen, Neil Young, Joni Mitchell und Bob Dylan, dessen Lied „Girl Of The North Country“ sie für ihr Album einspielen darf. „Du kannst mit Folk Geschichten erzählen, mit denen jeder etwas anfangen kann, denn wir haben alle Gefühle, Ängste, Hoffnungen, und“, sie lacht trocken auf, „wir alle bauen Scheiße.“

Sie beginnt, „Some Place Along the Way“ zu zitieren, das Lied, nach dem das Album benannt werden soll: You are looking for signs along the way. He said, you’re going the wrong way„Manchmal entscheidest du dich für einen Weg, der einfach ist, aber der nicht unbedingt deiner ist“, sagt sie, und dass einige Menschen in ihrem Leben sie gestoppt hätten. „Ich glaube, tief im Inneren wissen wir alle, was wir tun sollten, selbst wenn es hart ist oder wir Angst davor haben. Ich bin fest überzeugt, dass Dinge nicht grundlos passieren“, sie schaut auf, „danke“. Die Kellnerin reicht ihr einen Wodka Lemon, sie zieht durstig am Strohhalm, hält mir das Glas hin und seufzt: „Absolutely deee-licious! Probier.“

Die ersten drei Stücke hat sie schon mit Lennon eingespielt. „Ich kann dir gar nicht sagen, was für ein Genie dieser Junge ist“, schwärmt sie und stellt klar, dass sie nie Zwillinge von ihm erwartet habe, wie die Klatschpresse meldet, oder je mehr zwischen ihnen war als Vertrautheit und das Gefühl, sich schon ewig zu kennen. „Nicht im Sinne von früherem Leben oder so ’nem Quatsch. Eher, als wären wir synchronisiert.“ Lennon sei ihr Mentor, bester Freund und Schreibpartner.

Alle Gerüchte um ihr Verhältnis schienen längst erledigt, als sie im August wieder mit ihrer alten großen Liebe zusammen auftrat: Pete Doherty, 28, den sie „Peter“ nennt. Kurz darauf war alles anders. Doherty, den die Welt vor allem als den drogensüchtigen Freund/Ex/Freund/Ex/Freund von Kate Moss, 33, kannte, war endgültig ex – stattdessen Irina an seiner Seite. Die britische Boulevardpresse spekulierte, dass die Beziehung zu Irina Dohertys Art sei, Moss eins auszuwischen. Die Geschichten heuchelten Anteilnahme, wie sich die arme Kate wohl fühlen müsse, gegen ein jüngeres Model ausgetauscht worden zu sein. Und das, nachdem Moss Irina neben sich zum Gesicht ihrer Topshop-Kollektion gemacht hatte. Zwischen den Zeilen: Irina habe ihre Gönnerin benutzt. Scandelicious. Ein Skandal, deliziös und delikat.

Tatsächlich hat Irina, die Moss immer mal wieder „Schwester“ genannt hat, stets betont, dass sie ohne die Starthilfe der Mode-Ikone nie diesen Durchbruch erlebt hätte. Und: Sie kennt Doherty bereits, seit sie 15 ist. Sie hörten gemeinsam Leonard Cohen und Nina Simone, lasen Gedichte von William Blake und den Marquis de Sade, dessen Buch „The Lusts of the Libertines“ den Namen von Dohertys erster Band inspirierte: The Libertines. „Peter und ich haben das Buch damals in Paris gelesen“, erzählt sie, „daher hatten wir den Namen.“

Anfang Oktober kommt die Meldung, sie sei mit Doherty verlobt. Es gibt kein Dementi. Wichtiger aber: Sie vertraut darauf, dass er auf dem richtigen Weg ist. The Libertines hatten sich über Petes Drogenprobleme aufgelöst, die Beziehung zu Moss war davon geprägt. Es klingt fast mütterlich nachsichtig, als sie bei der New Yorker Fashion Week gegenüber glam.com seine jüngsten Ausfälle erwähnt, für die ihn die Fotografin Cath Mead angezeigt hatte. Mead hat schließlich der Western Daily Press erzählt: „Anschließend kam Petes Freundin zu mir und hat mich in den Arm genommen. Sie hat mit mir geweint und gesagt: ‚Es tut mir so leid, er ist betrunken, er braucht wirklich Hilfe.‘“ Irina wirkt in dieser Zeit dennoch optimistisch: „Er ist wieder zum Entzug, und dieses Mal schafft er es“, sagt sie in dem glam.com-Beitrag auf YouTube. Er wiederum scheint von ihrem Glauben an ihn infiziert, erzählt der BBC Mitte Oktober, dass er zum ersten Mal seit acht Jahren sieben Wochen hintereinander clean sei. Gesund sieht er aus, und die britische Press spottet, er habe mindestens a stone, sechs Kilo, zugenommen, woraufhin er lapidar erwidert: „Meine Freundin ist eine gute Köchin.“