Sternzeichen
Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin kommen den Hollywoodstars so nah wie sonsts höchstens noch deren Hausärzte. Hier der Check-up: HOLLYWOOD 2006 (die Praxisgebühr übernimmt PARK AVENUE)
Sie ist die Ikone der modernen Ikonografie, so etwas wie die Hofmalerin Hollywoods. Und passenderweise trägt sie auch noch einen Namen, der in die Linie der alten malenden Meister passen würde: van Lamsweerde, Inez, 42. Niederländerin und Celebrity-Fotografin. Ihre Bilder sind das Statussymbol der Stars – auf ein Porträt von ihrer Hand sind selbst Berühmtheiten stolz. Schwarz-weiße, direkte und elegante Bilder, so zeitgemäß durch ihre Zeitlosigkeit. Im exklusiven Interview mit PARK AVENUE erzählt sie von der Intimität des Augenblicks, von der Arbeit mit ihrem Mann und der Bedeutung jeder einzelnen Wimper. FRAU VAN LAMSWEERDE, könnte man sagen, dass Sie besessen von Gesichtern sind? Besessen? Hm, das klingt so negativ. Ich würde eher sagen: Sie sind ein Fetisch von mir. Ich versuche, Gesichter so zu fotografieren, dass alles darin eine Bedeutung bekommt, jede Wimper, jedes Nasenloch. Finden Sie in Gesichtern die Wahrheit über Menschen? Um die endgültige Wahrheit über einen Menschen geht es doch gar nicht, die bleibt eh immer verborgen. Sondern? Worum geht es denn dann? Wenn ich einen Menschen porträtiere, möchte ich eine Seite seines Charakters aufdecken und abbilden, die mich besonders fasziniert, die mich berührt. Also Ihre eigenen Emotionen im Gesicht eines anderen Menschen. Genau. Jedes meiner Bilder ist auch immer ein Selbstporträt. Ich versuche immer, mich in den Gesichtern, in den Körpern der Menschen, die ich fotografiere, aus zudrücken. Sehr egozentrisch, könnte man meinen. Nein, ganz und gar nicht. Es funktioniert nur, wenn man sich extrem darauf konzentriert, in einen Menschen einzutauchen, sich in ihn hineinzuversetzen. Nur dann findet so etwas wie ein Austausch statt, nur dann bekommt man etwas. Und nur darum geht es in der Fotografie, oder? Schon. Aber braucht es für solche Bilder nicht eigentlich eine Form von Vertrauen, die sich während eines Shootings kaum aufbauen lässt? Sie wissen doch, wie lange meine Shootings dauern, oder?
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Ja, eigentlich nie länger als eine Stunde - deswegen fragen wir ja. Es macht mir einfach Spaß, Menschen zu erobern. Ich brauche dafür nicht viel Zeit. Ich bin immer sehr direkt mit den Leuten, die ich fotografiere. Bevor ich ein Bild mache, sage ich ihnen Bescheid. Ich würde nie einen schnellen Schuss machen, wenn sie es nicht erwarten. Das hat einfach etwas mit Respekt zu tun, und das ist das ganze Geheimnis. Schließlich bringen diese Menschen mir großes Vertrauen entgegen, sie geben sich mir und meiner Kamera hin. Das ist eine sehr sensible Sache, aber wenn es funktioniert, entsteht daraus wirkliche Intimität. Und erst wahre Intimität macht diese Fotos so wundervoll. Alles in einer Stunde. Ja, die Leute, die das Makeup machen, brauchen oft länger als ich. Meistens weiß ich schon nach meinem ersten Bild: Das ist es. Sie fotografieren häufig Prominente, Hollywoodstars, Sänger. Lassen die das denn alles so einfach mit sich machen? Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Für das Hollywood-Portfolio habe ich auch Shirley MacLaine fotografiert. Sie ist eine echte Ikone, sie hat nun wirklich schon alles gemacht und gesehen. Und trotzdem war sie bereit, sich auf alles einzulassen, Dinge auszuprobieren. Wirklich, sehr mutig. Sie arbeiten seit Jahren mit Ihrem Mann Vinoodh Matadin zusammen. Ist es nicht schwierig, neben dem Privatleben auch noch den Job zu teilen? Nein, ganz und gar nicht. Wir haben uns entschieden, unser Leben so zu leben, immer zusammen. So fühlt sich Arbeit eigentlich nie wie Arbeit an. Wir fotografieren dieselben Menschen zur selben Zeit und überraschen und inspirieren uns gegenseitig mit unseren Fotos. Die Bilder verbinden uns. Sie sind in den Niederlanden aufgewachsen. Gibt es so etwas wie eine holländische Sicht auf die Dinge? Holländisch eher nicht. Aber ich würde sagen, dass dieser spezielle Sinn für Freiheit und Kreativität in unseren Fotos schon etwas sehr Europäisches ist.
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in der Ausgabe 04/2006
