Die Mutter der Nation

Nach ihrem Rausschmiss in der TV-Sendung Kerner am 9. Oktober 2007 ging Eva Herman, 49, in sich, trat nur auf christlichen Veranstaltungen auf. Im Interview mit PARKAVENUE.DE spricht sie zum ersten Mal über ihr Karriereende, ihre umstrittenen Äußerungen zur Familienpolitik des dritten Reichs und ihre Kritikerin Alice Schwarzer

 

Frau Herman, nach Ihrem Rausschmiss bei Kerner letzten Oktober wurden Häme und Kritik über Sie ausgeschüttet. Und das, obwohl Sie noch 2003 zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands gewählt wurden. Warum haben Sie sich bei Kerner nicht einfach von Ihrer umstrittenen Äußerung bezüglich der Familienpolitik des dritten Reiches distanziert? Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt lobend über die Familienpolitik im Dritten Reich geäußert. Ich habe mich ferner seit Jahren gegen rechtsextreme Gruppierungen engagiert, so z.B. in der Initiative „Laut gegen Nazis“. Es gab deswegen keinen Grund, mich von meinen Äußerungen zu distanzieren. Vielmehr habe ich den ideologischen Missbrauch familiärer Werte in meinen Büchern gerade als besonders grausam und gefühllos kritisiert.

In meinen beiden Büchern ‚Vom Glück des Stillens’ und ‚Das Eva Prinzip’ habe ich mich explizit mit dieser Problematik befasst und die dramatischen Folgen für Kinder und Gesellschaft dargestellt. Es wäre günstig gewesen, wenn Herr Kerner für die Vorbereitung der Sendung einmal etwas genauer in die Bücher geschaut hätte. Da ich mich mehrfach von jeglicher ideologischen Vereinnahmung, insbesondere extremistischen Tendenzen von rechts oder links distanziert und darüber ausführlich geschrieben habe, kann ich nicht nachvollziehen, wie man meine Äußerungen im Rahmen dieser Pressekonferenz derart falsch verstehen konnte. Ich trete einzig und allein für die in meinen Büchern vertretenen Thesen ein. Ich verwahre mich jedoch ausdrücklich dagegen, in irgendwelcher Form mit den Abscheulichkeiten des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht zu werden.
Glauben Sie, dass Ihr Rausschmiss in der Kerner-Sendung am 9. Oktober 2007 vorher abgesprochen war? Mit mir war nichts abgesprochen und für die Redaktion kann ich mich nicht äußern. Im Internet kursieren Gerüchte, in denen solche Feststellungen getroffen werden. Wenn man sich die ungeschnittene Sendung ansieht, könnte dies durchaus möglich sein. Doch sollte man mit Spekulationen vorsichtig sein. Die Äußerung führte zu Ihrer Entlassung beim NDR, für den Sie 20 Jahre arbeiteten. War es das wert? So anstrengend es für mich und meine Familie auch war, so wichtig ist diese Debatte für unsere Gesellschaft. Es hilft nichts, daran vorbeizuschauen, dass wir uns durch den Jahrzehnte dauernden Geburtenschwund nicht mehr aus eigener Kraft erhalten können. Wir müssen uns mit den Ursachen, nicht nur mit den Symptomen auseinandersetzen, die zu den heutigen, wachsenden Problemen führen. Sie haben das Zitat zwei Sprachgutachtern gegeben. Wie heißt es richtig? Den genauen Wortlaut, ferner ein sprachwissenschaftliches Gutachten, eine Power-point-Präsentation und ein Tondokument (mp3) findet man auf meiner Homepage www.eva-herman.de. Vermissen Sie die Kamera? Nein. Viele schaffen den Sprung aus der Öffentlichkeit nur schwer. Auch ich dachte, dass ein Rückzug schwieriger sein würde. Meiner ist ein willkürlicher gewesen, den ich mir nicht selbst aussuchen konnte, aber ich liebe mein Leben, ob nun prominent oder nicht. Warum treten Sie als öffentliche Missionarin auf? Ich bin keine Missionarin, sondern Journalistin. Die Wahrheit ist mir wichtig und nicht das, was gerade in den Kram passt oder passend gemacht werden soll. Und einer der für mich wichtigsten Bibelsätze lautet: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Wenn sich unser menschliches Lebensprinzip von Gottes Schöpfung weit entfernt, dann erlaube ich mir die Sichtweise, die schöpfungsgemäß vorgegeben ist. Auch wenn es nicht zum so genannten Zeitgeist passt. Wenn mein Sohn irgendwann einmal fragt, wie wir es zulassen konnten, dass ein Land wie Deutschland ausstirbt, dann möchte ich ihm antworten können: „Ich habe zumindest versucht, etwas dagegen zu unternehmen!“ Sind Ihre Forderungen nach einer Frau, die beim Kind bleibt nicht unrealistisch, wo heute in vielen Haushalten selbst zwei Einkommen nicht reichen? Und dann sollen junge Paare noch drei Kinder bekommen, wie soll das gehen? Erstens verlange ich von niemandem, dass er zu Hause bleibt. Jede Frau soll ihren Beruf erlernen und studieren, wenn sie es möchte. Doch wenn Kinder kommen, dann soll sie nicht sagen: „Was für eine Schande, dass ich jetzt zu Hause bleiben muss.“ So formulierte es Astrid Lindgren. Unsere Systeme, in denen wir leben, Politik, Wirtschaft, Industrie, die staatlichen Absicherungssysteme, sie müssen dafür Sorge tragen, dass Deutschland ein Land ist, in dem Kinder gerne und gut aufwachsen können - bei ihren Eltern, und nicht bei Nannys oder in Krippen. Die politischen Umstände machen es heute jedoch fast unmöglich, dass junge Leute noch eine Familie mit mehreren Kindern gründen können, im Gegenteil, sie werden vielfach ausgebeutet. Leider muckt kaum jemand dagegen auf, viele rennen mit ins Verderben und behaupten dabei noch tapfer, dies sei das moderne Lebensbild.

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Unsere deutschen Mütter werden also unterschätzt? Ja, das Muttersein wird nicht mehr belohnt oder wertgeschätzt, sondern nur der Gehaltsscheck und die Stellung zählen. Wo erleben Sie denn noch wirkliche Wertschätzung der mütterlichen Arbeit? Fehlanzeige! In Ihrem neuen Buch „Das Überlebensprinzip“, das am 5. Mai erscheint, sprechen Sie mit dem christlichen Verleger Friedrich Hänssler über den Stellenwert der Familie, das eigene Umdenken und den Glauben. Haben Sie Gott, oder hat er Sie gefunden? Jesus sagte: Suchet, so werdet ihr finden. Das habe ich mein Leben lang getan. Ich habe Gott immer gesucht, ebenso den Sinn des Lebens. Durch das Verstehen der Schöpfung, zunächst über die Natur und später durch die Erkenntnis der Vorzüge des Stillens, als mein Sohn vor zehn Jahren auf die Welt kam, näherte ich mich dem Ziel. Plötzlich nahm ich die Natur anders wahr, betrachtete Blumen aus einem neuen Blickwinkel, oder analysierte den Körper eines Insektes. Dahinter steckt geniale Vollkommenheit. Ich sah in die Gesichter der Menschen, und entdeckte neben dem Erwachsenen plötzlich auch den Ausdruck des kleinen, des ehemaligen Kindes. So gelangte ich zu der allmählichen Feststellung, dass wir in einem wundervollem System leben dürfen, ohne dies jedoch wirklich wertzuschätzen. Und so habe mich zu Gott und seiner Schöpfung bekannt. Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie ein altertümliches Frauenbild vertreten. Ich vertrete ein natürliches Frauenbild, welches manche Menschen vielleicht als verstaubt empfinden, weil es anscheinend dem Zeitgeist nicht mehr entspricht. Wir Menschen maßen uns an, die Natur, das Geschlecht, das Menschenbild aufgrund „moderner“ Zeiten neu zu definieren und zu verändern. Wir entnaturalisieren uns, wenn wir durch Lehren wie „Gender mainstreaming“ behaupten wollen, dass es keine Unterschiedlichkeit der Geschlechter mehr gäbe. Wer heute als Frau Karriere machen möchte in der immer noch männlichen dominierten Arbeitswelt, der muss häufig Weiblichkeit unterdrücken und sich männliche Verhaltensweisen zulegen, um klar zu kommen. In meinen erfolgreichsten Zeiten, die allerdings auch erheblichen Stress bedeuteten, ging es mir ebenso, die Folge war u.a. Haarausfall aufgrund eines erhöhten Testosterongehaltes im Blut, also männlicher Hormone. Dies ist nur eine kleine Erscheinung, fatal ist, dass die inneren weiblichen Fähigkeiten wie u.a. das Fördern und Helfen anderer Menschen zunehmend verloren gehen. Unserer Gesellschaft fehlt zunehmend Seelensubstanz. Alice Schwarzer ist eine Ihrer härtesten Kritkerinnen. In meinem neuen Buch betrachte ich ihre Kindheit etwas genauer. Sie selbst beschrieb in ihrem letzten Buch „Die Antwort“, dass ihre Mutter sich wenig um sie kümmerte, als sie klein war. Sie erlitt Mängel an Liebe und Zuneigung. Das hat Folgen im Leben, vor allem kann eine solche Erfahrung zur generellen Abneigung des Mutterbildes führen. Ist das Überlebensprinzip auch ein autobiografischer Titel? Nein. Es geht um das Überleben unserer Gesellschaft. Bleibt zum Schluss nur noch die Frage, ob Sie als Vorbild-Mutter noch einmal Mutter werden? Da sind leider meine biologischen Grenzen erreicht. Ich hätte mich früher um mehr Nachwuchs kümmern sollen, doch da war die Karriere wichtiger. Wenn ich heute noch einmal die Wahl hätte, würde ich mich früher für Familie und Kinder entscheiden.

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