Das Leben der Anderen
Eine Oh-là-là-Welle für SYLVIE VAN DER VAART. Denn obwohl sie die Frau eines Fußballprofis ist, ist sie keine Spielerfrau im, sagen wir, beckhamschen Sinne. Wunder geschehen - nicht nur in Bern
Dann schritt Papa ein. „Er hat gesagt, ich solle mir einen Job suchen. Das hat mir nicht gefallen, aber natürlich hatte er recht. Nach einer Woche habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich Fernsehmoderatorin werden will – da haben sie gestaunt und ,Träum weiter, Schatz‘ gesagt.“ Aber wenn Trotzköpfchen so richtig trotzen, klappt es manchmal trotzdem: Sylvie Meis siegte beim Casting von Fox Kids TV, man ließ sie Kindershows moderieren. Da war sie drin, im Fernsehen. Dann spielte sie eine coole Barkeeperin in der Daily Soap „Costa“, moderierte für MTV, wurde sehr populär, und wer weiß, was noch alles geklappt hätte…
„Tja“, sagt sie grinsend, „und dann habe ich Rafael kennengelernt.“ Das änderte einiges. Für Sport-Verächter: „Rafael“ ist Rafael van der Vaart, 24 Jahre alt, offensiver Mittelfeldspieler und (noch) beim Hamburger SV engagiert, eine Zwischenstation auf dem Weg zu einem europäischen Spitzenclub. Sylvie, nach eigener Einschätzung „der einzige Mensch aus den Niederlanden, der keine Vorurteile gegen die Deutschen hat“, fühlt sich wohl in Hamburg, wo sie seit zwei Jahren lebt, auch weil man Freunde wie Familie im schlimmsten akuten Sehnsuchtsfall noch ziemlich rasch erreichen kann.
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Besagter Rafael ist seit Sommer 2005 ihr Mann. Also ist Sylvie, seit einem guten Jahr auch Mutter von Damian, eine Spielerfrau. Und sie ist es gern. Sie lacht, weil sie weiß, welche Vorurteile es gegen diese Gattung gibt. Die wichtigsten davon rattert sie kurz mal herunter: „Ich sei nur des Geldes wegen mit Rafael zusammen. Ich würde den ganzen Tag nur shoppen.“ Großes Grinsen: „Ich kaufe auch wirklich den ganzen Tag nur ein.“ Weiter: „Ich sei blöd.“ Und dann noch: „In Wirklichkeit sähe ich nicht halb so gut aus wie auf Fotos.“ Alles Unfug, offensichtlich.
Der Rest ist erfrischender Pragmatismus: „Wenn Rafael seine Leistung bringen soll, die uns nicht nur heute und morgen, sondern noch länger ein gutes Leben ermöglicht, dann muss es vor allem ihm gut gehen. Da finde ich es okay, dass ich da bin, wenn er nach Hause kommt.“ Wo immer das in ein, zwei Jahren sein mag: Barcelona, Madrid, Mailand, Manchester? Würde die Gattin denn dem Gatten überallhin folgen? Nun, Moskau wäre schwierig, gibt Sylvie zu, auch bei Angeboten aus der Türkei oder dem arabischen Raum würde sie nicht in Jubel ausbrechen. Man darf darauf wetten, dass ihr etwas einfiele, solch einen Transfer zu verhindern. Irgendwas Verrücktes.
„Rafael sagt, ich solle vernünftiger sein, weil ich schließlich die Älteste bin von uns dreien und Verantwortung übernehmen muss“, berichtet sie prustend aus der familiären Praxis, „ich sage dann, dass das schwer ist, wenn man mit zwei so jungen und so lustigen Männern zusammenlebt.“
