Tod einer Fee

Sie sah exakt nicht so aus wie eines dieser Zauberwesen, aber die Modemuse ISABELLA BLOW, 48, war eines. Sie hatte eine Seele, groß und bunt wie ein Kirchenfenster. Einen Blick, dem Haute-Couture-Designer wie Alexander McQueen Ruhm und Vermögen verdanken. Und nicht zu vergessen, Humor und Herz für zwei. Erinnerungen an eine Exzentrikerin, die man gern zur Freundin gehabt hätte, Nachruf auf eine Frau, die ohne Hut verloren war

 

Rund um Hilles House, Isabella und Detmar Blows überkandideltes, leicht gespenstisches Anwesen in Gloucestershire, grasten etwa 100 kleine schwarze Soayschafe, völlig nutzlos, aber mit ihren Schnörkelhörnern einfach entzückend anzusehen. Als Isabella Blows Entdeckung Alexander McQueen bei Givenchy untergebracht war und eine Haute-Couture-Kollektion aus dem Hut zaubern musste, die atemraubend und hinreißend sein und wie ein Blitz einschlagen sollte, wusste sie ganz genau, was mit einem kränkelnden Schäfchen zu tun sei, dessen Zeit gekommen war: „Es gab ein Opferritual“, erinnert sich der Hutmacher Philip Treacy, auch er eine Blow-Entdeckung, und zieht die Augenbrauen hoch. Und Wochen später marschierten McQueens Models über den Laufsteg, Philip Treacys Hüte auf ihren Köpfen, geschmückt mit sagenhaft gewundenen, theatralischen Hörnern, gegossen nach dem armen verlorenen Schäfchen aus Isabellas Herde. „Mode ist Gefühl“, sagte Isabella Blow einmal, „Mode ist Liebe. Und Männer lieben Hüte, weil sie sie einer Frau abnehmen müssen, wenn sie mit ihr schlafen wollen.“ Isabella Blow war alles andere als eine schöne Frau. Sie war, wie die Franzosen sagen, jolie laide, hübsch-hässlich. Ein schiefer Mund, zu große Zähne, Glupschaugen, fliehendes Kinn. „Tut mir leid, es sagen zu müssen“, meinte sie, „aber ich bin hässlich.“ Es ist hart, so etwas von sich zu behaupten. Sie überspielte diese schmerzhafte Wahrheit mit Kleidung, mit eingeschnürter Taille und hohen Hacken, mit Dekolleté, mit Lippenstift und mit Hut, selbst auf dem Land, selbst im nasskalten englischen Dauerregen. „Jogginghosen sind absolut untragbar“, hätte sie gesagt. Oder: „Ohne Lippenstift kann ich Ihnen einfach nicht in die Augen schauen“, oder: „Ich liebe Brüste. Sie sind so unglaublich altmodisch.“ „Isabella war überzeugt davon, dass sich in hinreißenden Klamotten alle wohler fühlen würden“, sagt Autorin Plum Sykes. Blow hat sie einmal für ein Dinner in ein Minikleid von Rifat Ozbek gesteckt, das komplett aus Fischernetz geschneidert war. „Es will mir immer noch nicht in den Kopf, dass ich ein völlig durchsichtiges Kleid getragen habe. Aber von Issie ließ man sich einfach alles gefallen.“ Tara Palmer-Tomkinson, Londoner Society-Löwin, sagt: „Issie liebte schlechtes Benehmen. Als ich sie zum letzten Mal sah, machte ich Kopfstände, mein Kleid rutschte mir über die Taille, und jeder konnte mein pinkfarbenes Höschen sehen.“ Manolo Blahnik sagt: „Ich hätte alles für sie getan. Wenn sie mich darum gebeten hätte, Amöbenschuhe zu entwerfen – ich hätte es gemacht.“ Und die Partys, die Issie jedes Wochenende auf Hilles House gab, waren so fabelhaft inszeniert wie sie selbst: Es wurde vorausgesetzt, dass sich alle fein machten und Charme versprühten.

Links zum ThemaSeite vorschlagen >
  • Schlagen Sie hier relevante und interessante weiterführende Inhalte zu diesem Artikel vor.

Aber in den letzten Jahren bekamen die exaltierten Wochenenden auf Hilles allmählich einen düsteren Beigeschmack. „Ich möchte sterben“, sagte sie zu ihren Freunden. „Sie hörte einfach nicht auf, darüber zu reden!“, erinnert sich Vogue- Redakteur Hamish Bowles. Alle ihre Freunde machten sich Sorgen. Philip Treacy: „Auf die Frage: ‚Wie geht’s?‘ antwortete Isabella: ‚Ich möchte mich am liebsten umbringen.‘“ Der Künstler Tim Noble erzählt: „Sie gestand mir mal eine schreckliche Sache: Als junges Mädchen erschoss sie aus Versehen ein Rotkehlchen. Sie glaubte, dass das für immer einen dunklen Schatten auf sie geworfen hatte.“ Isabella Blow hatte schwere Depressionen, und ihr Wunsch zu sterben ging am 7. Mai dieses Jahres in Erfüllung. Die Nachricht kam am Morgen der Met’s Costume Institute Gala. Anna Wintour, Blows ehemalige Chefin und enge Freundin, kämpfte den ganzen Abend mit den Tränen. Nachdem Issie Blow sich jahrelang erfolglosen Behandlungen unterzogen hatte, um schwanger zu werden, eröffnete man ihr die Diagnose Eierstockkrebs. Das war der Tropfen, so vermuten Freunde und Familie, der das Fass zum Überlaufen brachte. Sie trank eine kräftige Dosis Unkrautvernichtungsmittel und starb im Krankenhaus. Detmar schickte daraufhin eine Nachricht an alle ihre Freunde: „Issie ist friedlich eingeschlafen. Mein Herz ist gebrochen.“ Und auch im Sterben war Blow fantastisch. „Ich glaube, im Krankenhaus trug sie kratziges Silberlamé aus den 30ern“, erinnert sich Bowles. Issie Blow wurde 1958 als Isabella Delves Broughton geboren und lebte mit ihrer Familie in einem kleinen Haus auf dem Familiengut Doddington in Cheshire. Blow beschrieb das Haus ihrer Kindheit als „klein, scheußlich und rosa“. Aber die Delves Broughtons waren echte Aristokraten, inklusive Verarmung. Und große Exzentriker sprenkelten den dünnblütigen Genpool schon lange bevor Blow auftauchte. Ihre Großmutter wurde gewöhnlich als Kannibalin bezeichnet, weil sie einmal in Papua-Neuguinea ein herrliches Barbecue verspeist hatte und dann erfuhr, es habe sich um Menschenfleisch gehandelt, worauf sie, laut Detmar, einen Nachschlag verlangte. „Isabella war eine englische Exzentrikerin in bester Tradition“, sagt Karl Lagerfeld. „In Frankreich hat niemals jemand wie sie existiert.“

Als Blow vier Jahre alt war, ertrank ihr jüngerer Bruder in einem halb vollen Swimmingpool, während ihre Mutter im Haus war und sich die Lippen schminkte und ihr Vater gerade ein paar Drinks mixte. Issie erwähnte einmal, dass daher vielleicht ihre Obsession für Lippenstift kam. Ihre Eltern erholten sich nie von der Tragödie. Die Mutter verließ die Familie, als Issie 14 war. Die Stiefmutter kam mit drei Töchtern und sagte zu Issie: „Du bist draußen!“ Issie war plötzlich zum Aschenputtel geworden, hielt sich aber tapfer. Sie zog nach London in ein besetztes Haus und machte Gelegenheitsarbeiten, ging mit einem geknoteten Taschentuch auf dem Kopf putzen.

FORMEL 1 Grand Prix in Monza

Kurzportraits

Autoren & Fotografen Juni 2008

Andrea Sawatzki über Madonna

Berlin Fashion Week 2008

Ohne Preis kein Fleiss

Der große Biegsam

Die Baufinanzierung-Berechnung vor dem Immobilienkauf

Wer eine Kaufentscheidung für eine Immobilie treffen möchte, sollte sich vo


Kredit beantragen: Vergleichen kann sich lohnen

Online-Kreditvergleiche stehen hoch im Kurs: Verbraucher können sich auf Fi


The Ring - Eröffnungsfeier

Mit Scheich, Stern und Mélange: In Wien gab es Anfang November wirklich was


Für Backpacker gibt es viele Jobs in Australien

Nach dem Abitur oder Studium möchten viele junge Leute die Welt sehen. Ein


Ratenkauf auch beim PC mit der Computer-Finanzierung

Wenn ein neuer PC angeschafft werden soll, stellt dies viele Menschen vor e


Ferienhäuser in Kroatien: Direktbuchung oder Reisebüro?

Für die Buchung einer Ferienwohnung in Kroatien kann man die Dienste eines


Mein Bild von Karl Lagerfeld

Der Schulfreund von Karl Lagerfeld, Peter Bendixen, erzählt, wie er den Mod