Get on Board heißt seine neue Single. Während Thomas D im Video als Flugkapitän die Welt rettet, ist er privat auf dem Planeten Mars angekommen
Interview: Thomas D
Du übst in vielen deiner Songs harsche Kritik an den Medien und dem Verhalten der Gesellschaft. Du selbst bezeichnest dich gern als Krieger oder Kapitän, der die Maschine vor dem Absturz retten muss. Was ist deine Mission?
Thomas D: Es ist kein Kampf gegen irgendetwas, sondern für etwas. Für mehr Bewusstsein, für die ganz einfache Wahrheit, dass unser Handeln, unser Denken, ein Feedback erzeugt – das einfache Prinzip des Karmas. Wie kann man das Billigste im Supermarkt kaufen und glauben, dass es gut ist? Natürlich ist das Billigste auf unser aller Kosten produziert worden. Natürlich steckt da Kinderarbeit oder Sklavenarbeit oder irgendwelches Gift drin. Und wie ich in „Vergiftet“ singe: „Jede Schandtat wird Standard“. Sich mit den Worten zu rechtfertigen: „Macht doch jeder“, das ist keine Entschuldigung. Es geht mir um den bewussten Umgang mit der Welt, mit den Ressourcen und den Menschen. Trotzdem habe ich das Gefühl, man kann den Leuten was mitgeben. Hast einen Klaps gebraucht? – Hier, gern geschehen.
Was ist mit dir? Wie ich sehe, besitzt du ein I-Book, ein I-Phone. Außerdem wirbst du für Nike und Converse.
Thomas D: Richtig. Ich begehe einen schmalen Grat damit. Allerdings ist das für mich ein bisschen ein Robin-Hood-Prinzip. Ich scheue mich nicht, mit großen Firmen zu kooperieren, weil ich denke: Bevor sie das Geld irgendjemandem geben, der es nur für Scheiß ausgibt, sollen sie es lieber mir geben, weil ich davon etwas zurückgeben, indem ich spende oder eine Schule für Kinder in Afghanistan bauen lasse. Aber auch ich bin kein Heiliger und ein Kind dieser Zeit und liebe dieses technische Spielzeug oder schnelle Autos.
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Was hälst du eigentlich von Sido und Bushido, die doch mit ihren sehr aggressiven Texten populär sind?
Thomas D: Ich halte davon sehr wenig. Wobei ich eine Grenze ziehen würde, weil ich Sido für sehr selbstironisch halte. Der Junge hat Humor, den halte ich für entwicklungsfähiger als die anderen, denen es hauptsächlich darum geht dagegen zu sein oder frauenfeindlich oder den harten Jungen zu spielen. Manchmal wollen sie auch einfach nur auffallen. Das ist Bad Karma.
Dürfte deine Tochter den „Archficksong“ von Sido hören?
Thomas D: Meine Tochter soll hören, was sie will. Bis sie in dem entsprechenden Alter ist, werde ich sie so volltrichtern mit Fanta-Vier-Musik. Wahrscheinlich will sie dann irgendwann gar keinen HipHop mehr hören.
Du lebst mit Freunden und Mitgliedern deiner Band Son Goku in der Eiffel in einer Landkommune namens MARS. Laut Definition soll „eine friedliche, spirituell orientierte, künstlerisch spontane und vegetarisch gesunde Lebensweise die Grundlagen für eine anzustrebende Autarkie der Gemeinschaft bilden“. Das klingt ein wenig nach Sekte.
Thomas D: Als ich auf den Mars gezogen bin, habe ich einen Brief von meiner Mutter bekommen: "Wir wünschen dir viel Glück auf deinem neuen Lebensweg und hoffen nicht, dass du dein Geld irgendeiner Sekte gibst, die damit Schindluder treibt." Da war ich ein bisschen enttäuscht von meiner Mutter. Denn wenn schon Sekte, dann muss sie auch damit rechnen, dass ich der Sektenführer bin. Aber Mars ist natürlich keine Sekte, sondern eine Kommune. Ein Versuch, dem Leistungsdruck zu entfliehen, der Ellenbogengesellschaft und dem Wahnsinn, der eine Stadt manchmal mit sich bringt – der aber teilweise auch geil ist. Wir haben Entschleunigung gesucht, damit sich der Blick wieder öffnet für Kleinigkeiten und vor allem für einen bewussten Umgang mit dem Leben, dazu gehört für uns vegetarisch zu leben und friedlich miteinander umzugehen. LOHAS, mein neues Lieblingswort, Lifestyle of Health and Sustainability.
Im Song „Ride On“ geht es um Unterwegssein, du warst ja selbst auch ein Jahr mit einem Wohnmobil unterwegs. Jetzt lebst du auf dem Mars in deiner Kommune, hast eine Tochter und seit einigen Monaten auch eines Sohn. Bist du endlich angekommen?
Thomas D: Ja. Ich kann mir gut vorstellen auf dem Mars alt zu werden. Irgendwann ist es eine Alten-Kommune, in der lauter tätowierte und gepiercte Opas und Omas herumhumpeln. Aber ich kann nicht hundertprozentig sagen, ob es wirklich klappt. Es ist ein tagtägliches Experiment, das mal besser, mal schlechter funktioniert. Es fühlt sich gut an.