über Film- und Vaterrollen und ein Leben ohne Drogen
Sie haben mit den Toten Hosen gerade das Album „In aller Stille“ herausgebracht, am 20. November kommt „Palermo Shooting“ in die Kinos, der neue Film von Wim Wenders, in dem Sie einen Starfotografen spielen, der in seiner Midlife-Crisis dem Tod begegnet. Sind das goldene Tage für die Rampensau Campino?Ich kann mit dem Begriff „Rampensau“ überhaupt nichts anfangen und glaube auch nicht, dass er auf mich zutrifft. Ich habe bereits in mehreren Filmen Nebenrollen gespielt, kann mich auch zurückhalten und andere glänzen lassen. Was Konzerte angeht: Ich war jahrelang sehr unsicher, alles andere als eine selbstbewusste Rampensau. Ich hatte zum Beispiel Angst vor den Pausen zwischen den Stücken. Sicher und wohl fühle ich mich auf einer Bühne erst, seitdem ich aufgehört habe, Drogen zu nehmen. War die Unsicherheit der Grund für die Drogen, oder waren die Drogen der Grund für die Unsicherheit?Ich möchte nicht die Drogen für irgendetwas verantwortlich machen, das wäre eine blöde Entschuldigung. Wir haben nie in einer Schule gelernt aufzutreten, mussten uns alles selbst beibringen. Wenn du plötzlich vor Tausenden von Leuten stehst, die von dir eine geile Show erwarten, dann ist das nicht immer einfach. Ich stand damals auf der Bühne, konnte nichts und wusste das auch, das war mein Problem. Aber ich habe das ganz gut vertuscht. Ihr neuer Film „Palermo Shooting“ hat bei seiner Premiere in Cannes nicht gerade Jubelstürme ausgelöst…Dann waren Sie nicht bei der Premiere, denn das ist schlicht falsch. Die Kritiken waren zwar gemischt, aber überhaupt in Cannes eingeladen zu sein ist schon eine Ehre. Die Filmbewertungsstelle gab dem Film das Prädikat „Besonders wertvoll“. Finn, der Hauptdarsteller, wird in „Palermo“ zum Sinnsuchenden. Hat Campino seinen Sinn schon gefunden?Ach, so geht das nicht. Ich habe das erste Mal im Leben einen Sinn gesucht, da war ich zwölf und bin in der Schule zum zweiten Mal hängen geblieben. Ich glaube nicht daran, dass man endgültig einen Sinn findet. Sinnsuche ist ein fortlaufender Prozess.Sie sind seit ein paar Jahren Vater, haben einen Sohn. Bringt er den Sinn?Es ist Unfug zu sagen: „Seit ich Vater bin, führe ich ein neues Leben!“ Ich habe jetzt einfach mehr Verantwortung und sollte mir zum Beispiel genau überlegen, ob ich, wenn ich den Tag darauf mit meinem Sohn verbringe, die ganze Nacht bis morgens früh auf den Putz haue.