Merkwürdig
Nach drei Oscarnominierungen müsste LAURA LINNEY zum Who’s who in Hollywood gehören. Doch wenn ihr Name genannt wird, sagen viel zu viele Leute immer noch: Laura who?
Laura Linney: Merkwürdig
"Manchmal denken die Leute, ich sei Helen Hunt, beim nächsten Mal halten sie mich für Laura Dern. Sie können mich wohl nicht so richtig einordnen." Laura Linney, 44 Jahre alt und das, was Hollywood gern im Fach „Charakterschauspielerin“ verstaut, sagt solche Sätze ohne Bitterkeit und auch nicht mit der Absicht, Komplimente zu fischen. Laura Linney sagt einfach, wie sie das sieht. Und vor allem: wie sie sich sieht. „Ich bin der Star in Filmen, die keiner machen will.“ Oder: „Mit den meisten der Filme, auf die ich wirklich stolz bin, sind einfach keine zehn Millionen Dollar Gage zu verdienen.“ Selbst der Umstand, dass Laura Linney nun schon zum dritten Mal für einen Oscar nominiert wurde – diesmal für die Darstellung einer Frau in „Die Geschwister Savage“, die sich mit ihrem Bruder um ihren dementen Vater kümmern muss –, scheint ihre Selbstwahrnehmung nicht sonderlich zu verändern. „Okay, es hilft vermutlich, damit ich weiter beschäftigt werde. Aber ein ‚Filmstar‘ bin ich deshalb noch lange nicht. Zumal ich nicht mal weiß, was es eigentlich bedeutet, ein ‚Filmstar‘ zu sein.“ Möglicherweise ist Laura Linney ja mit einem Bullshit- Eliminator auf die Welt gekommen, der es ihr unmöglich macht, sehr dumme Dinge zu sagen, zu tun. Wahrscheinlicher aber ist, dass die stets höfliche New Yorkerin (noch so ein Paradoxon) einfach gut erzogen wurde. Ihr Vater ist der Theaterautor Romulus Linney; und auch wenn Laura Linney nicht bei ihm aufgewachsen ist – die Eltern ließen sich scheiden, als sie noch ein Kind war –, prägte sein Einfluss: „Ich bin im Theater großgeworden, in Manhattan, und habe schon als Kind viel Zeit im Museum verbracht, das war ein kultureller Brutkasten.“ Nach einem kuriosen Abstecher ins Sonderpädagogenfach ließ sie sich zur Bühnenschauspielerin ausbilden, studierte Theatertheorie – und landete beim Film.
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In über 30 Kino- und Fernsehproduktionen hat Laura Linney bisher mitgewirkt, und die meisten von ihnen sind sehenswert. Nicht unbedingt erfolgreich, keine Massengeschmacksware, aber: sehenswert. Für ihre Rolle als alleinerziehende Mutter in „You Can Count on Me“ erhielt sie die erste Oscarnominierung, als Ehefrau von „Dr. Sex“ in „Kinsey – Die Wahrheit über Sex“ die zweite. Doch wie nah auch immer sie einer Auszeichnung kommen mag, sie wird wohl nie die Bodenhaftung verlieren, denn: „Es gibt ein paar von uns, die sind ganz gut, aber einige wenige, die spielen auf einem anderen Planeten. Sean Penn, Meryl Streep, Judi Dench, Daniel Day-Lewis – das ist doch eine ganz andere Liga.“ Das werden wir uns merken, Laura Linney.
