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MIRANDA JULY ist wirklich unfassbar: Sie ist Performance-Künstlerin, Schauspielerin, Regisseurin. Jetzt schreibt die 34-jährige Amerikanerin auch noch Geschichten über die Liebe. In denen stehen Sätze, die man nie vergisst.
Zehn Wahrheiten“ heißt die Kurzgeschichten- Sammlung von Miranda July – und Wahrheit Nummer eins ist, dass selten ein Buch gespannter erwartet wurde.Seit Jahren wird July in den USA als Performance-Künstlerin und Regisseurin gefeiert, ihre Videos werden im MoMA gezeigt, ihr Debütfilm „Ich und du und alle, die wir kennen“ wurde 2005 sogar beim Filmfestival in Cannes als bester Erstling prämiert. Er handelt von moderngestörten Beziehungen voller Einsamkeit und Sehnsucht, von Sechsjährigen, die sich in Sexchats verirren, und von Liebeserklärungen an Goldfische – manchmal etwas kitschig, das ist auch so eine Wahrheit, doch spätestens, wenn man Julys berührende Kunsthappenings und Videos gesehen hat, verzeiht man ihr alles.
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In ihrer bekanntesten Arbeit, dem Internetprojekt „Learning to love you more“ (learningtoloveyoumore. com), erteilt sie kreative Aufträge: „Fordere zwei Fremde auf, sich zu küssen“ oder „Schreibe ein Telefonat auf, das du gern geführt hättest“ oder „Repariere etwas“ – die Ergebnisse, inzwischen mehr als 3 000 Fotos, Videos und Texte von Fans aus 25 Ländern, werden auf der Website veröffentlicht. In allen Arbeiten von Miranda July geht es immer um dasselbe: Wie lernen wir, die Liebe auszuhalten? Wie entdecken wir das Besondere im Alltäglichen? Denn das Besondere ist für sie überall: „Ich bin der Überzeugung, dass in unserem Leben mehr ist, als wir sehen können“, sagt sie. Auch die Kurzgeschichten künden von ihrem Gespür für das Unwirkliche im Wirklichen, für das Verstörende im Banalen. Miranda Julys großartige Alltagsskizzen erzählen von Romantik suchern, die sich selbst im Weg stehen und sich oft genug in ihren Fantasien verschanzen. Manchmal sind sich die Personen in den Geschichten nahe genug, um sich zu umarmen, aber sie trauen sich nicht. Und immer wieder blinken unvergessliche Sätze auf wie: „Ich wusch meine Hände, als seien sie kleine Kinder.“ Man kann sich vorstellen, wie das Gesamtkunstwerk July, die mit 16 ihr erstes Theaterstück in einem Punkclub aufgeführt hat und sich selbst als obsessive Notizenmacherin bezeichnet, in einem Café in Los Angeles sitzt und schreibt. Kann sein, dass sie dabei aus dem Fenster geguckt und überlegt hat, wa rum die Menschen so fremdelnd aneinander vorbeistolpern, wenn doch alle das Gleiche suchen. Eine Antwort hat sie nicht gefunden. „Ich will, dass Menschen fühlen, was ich fühle“, dieser Wunsch treibt sie vorwärts, und selten hat jemand ihn so leise, subversiv und hellsichtig formuliert. Wir sehen sie an und fühlen wie sie – das ist die letzte und die schönste ihrer Wahrheiten. › Miranda July, „Zehn Wahrheiten“ (Diogenes)
