Der PARK AVENUE Stil-Guide, Teil II Wie Sie im Geschäftsleben gut ankommen
Ich möchte gleich einen guten Eindruck hinterlassen. Ist ein fester Händedruck wichtig? Nicht unbedingt. Bei Frauen – so fand man an der Psychologischen Fakultät in Alabama heraus – funktioniert ein fester Händedruck als Zeichen von Geselligkeit und Geisteskraft. Männern hingegen hilft die Rübezahl-Pranke nicht immer. Im Gegenteil: Wer gleich zugreift, als ob er wie der "Seewolf" eine Kartoffel zerdrücken will, wird gern als Aufschneider und Macho wahrgenommen. Wer Mut zum zarten Druck aufbringt, der gilt – laut Alabama-Studie – als aufgeschlos sen. Geschlechtsunabhängig in des ist die Regel: niemals schlüpfrige Schweißhände anbieten. Bei spürbarer Nervosität die Hände kurz vorher noch mal an der Hose abwischen – möglichst unbemerkt!Muss ich schon bei der Begrüßung meines Geschäftspartners eine Reihenfolge oder bestimmte Formeln beachten? Allerdings. Der Bayer würde in Anlehnung an das beliebte Schafkopfen sagen: "Ober sticht den Unter." Heißt: Der Ranghöhere wartet, bis der rangniedrigere Mitarbeiter mit der Begrüßung und gegebenenfalls der Vorstellung seiner Begleitung beginnt. Anders als im privaten Bereich spielt es auch keine Rolle, ob Damen anwesend sind – sie haben hier ausnahmsweise keinen stilistischen Anspruch auf bevorzugte Behandlung. Klingt traurig, aber so lebt es sich eben im Haifischbecken Businesswelt.Ist es ratsam, die akademischen Titel oder Adelsprädikate bei der Anrede unter den Tisch fallen zu lassen? Wenn Sie als respektlos wahrgenommen werden wollen, können Sie das gern versuchen. Fakt ist, dass in Deutschland Doktortitel oder Adelsprädikat praktisch zum Namen gehören und selbstverständlich auch genannt werden. Allerdings kann im zweiten Fall auf das Von und Zu verzichtet werden. Also: "Guten Tag, Dr. Schulze- Ellerbeck" wäre okay, bei "Auf Wiedersehen, Graf von Zitzewitz" wäre ein "Von" zu viel im Spiel.
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Darf ich meine Kollegen duzen? Wenn Sie bei einem Internet- Start-up arbeiten oder in einem anderen Unternehmen, das seine juvenilen Umgangsformen als Ausdruck unkonventioneller Unternehmenskultur pflegt, kommen Sie ohnehin nicht daran vorbei. In der Regel aber schafft das "Sie" die nötige Distanz, um im Arbeitsalltag auch in Konfliktsituationen die Form zu wahren. Persönliche Freundschaften im Büro vertragen das "Du" selbstverständlich, wobei der Vorschlag immer vom Ranghöheren oder älteren Kollegen kommen sollte. Das Du-Angebot auf einer Betriebsfeier ist allerdings zu vernachlässigen – es hat meistens bereits am Tag nach dem Fest keinerlei bindende Bedeutung mehr.Darf ich im Büro private Angelegenheiten erzählen? Auf Konferenzen, an denen die halbe Belegschaft teilnimmt, sicher nicht. In kleineren Runden und wohldosiert ist das prinzipiell möglich und sogar gewünscht, denn auch Ihre soziale Kompetenz wird im Büro immer wieder überprüft. Achten Sie aber darauf, dass die Dinge, über die Sie im Büro sprechen, keinen allzu intimen Einblick in Ihr Privatleben ermöglichen.