Der PARK AVENUE Stil-Guide, Teil III

Netikette oder: Wie Sie im Kommunikationsnetz weder hängen bleiben noch durchfallen

Was darf ein guter Klingelton?

Kostenlos sein. Niemandem auf den Wecker gehen. In einer Lautstärke eingestellt sein, die auch im Zug, in der Konferenz und neben dem Bett für jedermann erträglich ist. Darf nicht akustisches Ergebnis von Tierquälerei, Babygeschrei oder dem neuen Madonna-Song sein. Aber an Sachen erinnern, zu denen uns nur Gutes einfällt: Der CTU-Klingelton der Serie „24“ wäre ein gutes Beispiel, das altmodisch nette Freizeichen aus „Detektiv Rockford“ ein anderes.

Wie darf ein gutes Mobiltelefon aussehen?

Neutral. Weder wie eine mobile Schrankwand zum Ausklappen, die man als Äquivalent zur Corvette in einem Täschchen mit sich herumschleppt, noch wie ein goldzahngroßes Ausstellungsstück, welches über den Reichtum seines Eigentümers aufklärt. Ein Mobiltelefon ist ein Gerät, mit dem man telefonieren kann, wenn es sein muss. Laut Karl Lagerfeld etwas „fürs Personal“. Also eben kein Statussymbol, mit dem man stolz herumprahlen sollte.

Darf ich ein Prepaid- Handy benutzen?

Wenn Sie über 14 Jahre alt sind und sich nicht freiwillig zum „Vera am Mittag“-Prekariat rechnen wollen – nein! Es hat doch so was von Taschengeldbeschränkung und Rabattmarken – irgendwie beschämend.

Darf ich das Mobiltelefon überall benutzen?

Deutschland ist ein freies Land, im Prinzip dürfen Sie das schon. Allerdings ist es an öffentlichen Plätzen, im Zug, in der U-Bahn, in Geschäften, Kino sälen oder Kneipen schon etwas unangenehm, ständig von Menschen belästigt zu werden, die Speisen folgen mit Omi oder Börsentalk mit dem Aktien-Trader für großes Tennis halten. Nur selten sind diese Gespräche so unterhaltsam, dass man gern zuhören würde. Die Bestrebungen einiger Airlines, das mobile Telefonieren demnächst auf Flügen zu erlauben, ist also keine uneingeschränkt gute Nachricht. Falls es sich einmal nicht vermeiden lässt, einen Anruf an einem öffentlichen, gut besuchten Ort entgegen zunehmen, gelten folgende Regeln: Ziehen Sie sich in eine ruhige Ecke zurück, sprechen Sie so leise wie möglich, und fassen Sie sich kurz!

Darf ich meine Nummer unterdrücken?

Arbeiten Sie bei der CIA? Bestellen Sie sich Escort-Girls ins Hotel? Gehören Sie zur Klingelstreich-Task-Force eines örtlichen Radiosenders? Nein? Dann gibt es keinen guten Grund, ihre Nummer zu unterdrücken. Adriano Sack schreibt in seinem Buch „Manieren 2.0“ sogar: