DAS BUNT FÜRS LEBEN
Fröhlich währt am längsten: Vor 60 Jahren erfand Emilio Pucci einen Modestil, der Regenbogenlaune macht
Man geht nicht über diese Wiesen, man lustwandelt. Man könnte die Tage zwischen sanft geschwungenen Hügeln verträumen, Geld spielt auch keine Rolle, doch wie so oft im Leben fehlt zum Paradies der einzig wichtige Schlüssel: die Zeit. Laudomia Pucci di Barsento weiß, was sie am Garten ihres toskanischen Landgutes Granaiolo hat, genießen kann sie es selten, bestenfalls ihre Wochenenden verbringt sie auf Granaiolo. Ansonsten steht das Herrenhaus aus dem 14. Jahrhundert leer, denn sie pendelt zwischen Florenz und Rom, wo sie mit Ehemann Alessandro Castellano und den drei Kindern lebt. Getreu der italienischen Maxime, „in Florenz wird gearbeitet, in Rom gelebt“, ist sie meist in der toskanischen Hauptstadt – sie hat schließlich ein Erbe zu verwalten.
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Zuerst war die Mode für sie ein Kinderspiel: Laudomia Pucci wuchs im dritten Stock des jahrhundertealten Palastes auf, sie tobte über die Marmorböden des Tanzsaales, über die einst Päpste und Könige geschritten waren und jetzt die schönsten Models liefen. „Ich kannte die Schneiderinnen, manchmal war ich bei den Schauen dabei. Aber ich nahm nur am Rande wahr, was mein Vater wirklich machte.“
Was es hieß, eine Pucci zu sein, begriff sie zum ersten Mal mit 15. Da wurde sie plötzlich nach Frankreich geschickt, auf eine Schule in der Normandie. Zu Hause waren die Zeiten unsicher geworden. Glianni del piombo, die Jahre des Bleis, hatten sich über Italien gesenkt, die Roten Brigaden beherrschten die Schlagzeilen, Entführungen waren Gesprächsthema auch bei den Puccis geworden. Ihren älteren Bruder Alessandro hatten die Eltern bereits in die Schweiz geschickt, nun musste auch sie in die sichere Ferne. Denn Vater Emilio gehörte nicht nur zum Geldadel, er repräsentierte auch die konservative Partito Liberale im Parlament.
Laudomia blieb drei Jahre in Frankreich, studierte dann in Rom und ging, wenn sie an den Wochenenden nach Florenz fuhr, dem Vater zur Hand. „Ich habe seinen Kundinnen die Tür geöffnet, ihm beim Fitting geholfen, ich half beim Verkauf, suchte mit ihm Farben aus.“ Doch sie will Erfahrungen sammeln. In Paris kümmert sie sich bei Hubert de Givenchy um die Stoffproduktion für die Prêt-à-porter-Kollektion. Hubert, sagt sie, sei damals „zu einem zweiten Vater geworden“.
