"Island ist exotisch"
Die Isländer gelten als schrullig und etwas eigenartig. Was zwischenmenschlich problematisch sein kann, ist auf kreativer Ebene ein klares Plus. Die Modeszene jedenfalls profitiert von der Unkonventionalität der Inselbewohner
Seit Björks Auftreten auf der Weltbühne weiß man: Die Isländer sind anders als der Rest der Welt. In einem Land, in dem im Winter das Licht fehlt und es im Sommer auch nachts taghell scheint, ist Schrulligkeit eine Nationaleigenschaft, die gerne hervorgehoben wird. Die Isländer sind stolz auf ihre Insel und pfeifen mitunter auf Konventionen.
Anderorts wäre es wohl auch undenkbar, dass im ältesten Gebäude einer Stadt ein Designershop untergebracht ist. In Reykjavik das gleiche: Beim ersten Blick auf das 244-jährige braune Holzhäuschen, das im historischen Stadtkern steht, vermutet man ein Museum. Stattdessen: Schmuck, Möbel, Kleider und Accessoires. Der Shop namens Kraum verkauft Entwürfe von rund 80 nationalen Designern. Und es werden immer mehr. „Das Interesse an Designerstücken ist in den letzten Jahren in Island stark gestiegen,“ so Halla Bogadottir, Managing Director von Kraum. Von der positiven Entwicklung der Kreativszene profitiert auch die Galerie Kirsuberjatréd: Seit 15 Jahren verkaufen dort elf Kunsthandwerkerinnen Selbstgemachtes; die weiß lackierten Regale quellen über vor Strick-Hüten, Töpferware und ausgefallenen Schmuck aus Plexiglas.
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Die Isländer sind ein ungemein einfallsreiches Volk. Besonders in Reykjavik überkommt einen das Gefühl, dass die Kreativität mit Händen zu greifen ist. Einige behaupten, dass es daran liegt, dass Island so lange isoliert war und dass Björk mit ihrer Musik einen Island-Trend ausgelöst hat. Gut möglich, denn seitdem schaut die ganze Welt neugierig auf die kleine Insel südlich des Polarkreises. Vielleicht kommt bald der nächste Musik-, Kultur- oder Mode-Boom?
Und die Isländer sind nicht untätig: Streift man durch das kleine Reykjavik stößt man immer wieder auf die Haupteinkaufsstraße Laugavegur: dem kreativen Schmelztiegel. Hier drängen sich neben Secondhandshops, Conceptstores und Designerläden auch Bars und Restaurants - große Ladenketten wie H&M, Zara und Mango sucht man jedoch vergeblich. Stattdessen: Spaksmannsspjarir. Unter dieser Marke verkaufen auch die beiden Designerinnen Bjork und Vala klassische Kleider mit einem besonderen Twist. Das Label, das übersetzt so viel wie „Kleidung des klugen Mannes “ heißt, hat auch Fans in Hollywood wie Drew Barrymore und Teri Hatcher. Vor einigen Jahren verkaufte Spaksmannsspjarir auch im Ausland, doch Bjork und Vala haben sich dazu entschlossen ihre Entwürfe nur noch auf Island zu verkaufen. Das mag mit ihrer Heimatverbundenheit zu tun haben, die sich auch in der Farbwahl der Kollektion widerspiegelt. Es dominieren dunkle und Cremetöne, die sich an der Natur Islands orientieren.
Auch die Kollektion von Islands bekanntester Modeschöpferin Steinunn Sigurdardóttir hat einen starken Bezug zu ihrer Heimat. Nach Karrierestationen in New York bei Gucci und Calvin Klein und als Designdirektorin beim italienischen Label La Perla kehrte sie nach Reykjavik zurück und gründete 2000 ihre eigene Marke Steinunn. „Island ist exotisch. Es gibt kaum Bäume, dafür Steine und Lavafelder. Hier ist man näher an der Natur als irgendwo anders,“ sagt die Designerin, die sich von dem rauen Klima inspirieren lässt. „Meine Entwürfe passe ich dem Wetter an.“ Ähnlich wie bei Spaksmannsspjarir sieht man auch bei Steinunn die Kunden lieber in Grau- und Schwarztönen dem schneidenden Wind trotzen, der einem Tränen in die Augen treibt.
Etwa 100 Meter von Steinunns Geschäft entfernt kann man bei Embla etwas typisch Isländisches erstehen: Maria Magnúsdóttir und Hulda Kristinsdóttir fertigen Taschen, Schuhe und Gürtel aus Fischhaut. Schon seit Jahrhunderten wird dieser natürliche Rohstoff auf Island verarbeitet. „Besonders geeignet sind Catfish, eine Welsart, und Lachs. Obwohl die gefärbte Fischhaut sehr dünn ist, ist sie trotzdem sehr robust und widerstandsfähig,“ so die Designerin. Und da wären wir wieder bei der Unkonventionalität: Denn was die Designer in den Modemetropolen heute vereinzelt verarbeiten, hat in Island schon seit Jahrhunderten Tradition. Schon lange bevor Björk überhaupt die Weltbühne betreten hat.
www.icelandexcursions.com
www.grand.is
101 Designhotel
www.101hotel.is
Kirsuberjatréd: www.kirs.is
Spaksmannsspjarir: www.spaksmannsspjarir.is
Steinunn: www.steinunn.com
Embla: www.mariamagnus.com
