Martine Sitbon: REBELLENCHIC
Martine Sitbon ist mit ihrem neuen Label wieder auf dem Laufsteg. Ihre RUE DU MAIL soll das Mode-Dilemma moderner Weiblichkeit lösen
Designer, die sich aus der Mode zurückziehen, beginnen gemeinhin ihre Zeit mit der lieben Kunst zu verbringen. Der Welt des profanen Zirkels aus Mode, Show und Business entkommen, fotografieren sie sich durch die Hochglanz-Magazine der Welt, bauen Möbel oder konzipieren Ausstellungen. Einmal dem Zeitgeist hinterhergelaufen, geht kaum einer das Risiko ein, noch einmal an diesem zu scheitern.
Umso erstaunlicher also, dass Martine Sitbon, Meisterin des Rock-’n’-Romantic- Looks und Designerin der Grunge-Bewegung, im März 2007, nur drei Jahre, nachdem sie sich von der Modebühne verabschiedet hatte, mit neuem Label zurückkehrte: Rue du Mail.
Was andere als enormen Druck empfinden würden, war für sie eher göttliche Fügung: „Ein Label komplett neu vom Reißbrett zu entwerfen, ist eine tolle Chance. Es erlaubt dir, dich neu zu erfinden.“ Durchaus notwendig, könnte man meinen. Galt Sitbon doch durch ihr Spiel mit weiblichen und männlichen Konventionen als Vorreiterin des androgynen Looks, der heute allerorts zum festen Mode-Vokabular gehört.
Und so wurde modernisiert: ein wenig harte Rock-’n’-Roll-Attitüde raus, ein bisschen mehr Poesie rein. Für Martine Sitbon der entscheidende Ansatz: Sie sieht die Modernität ihrer Kollektion vor allem in diesem Kontrast von rebellischem Naturell und äußerlicher Eleganz. „Die Frauen, für die ich entwerfe, sind unabhängig, stark und eigentlich Rockerseelen, tragen aber trotzdem Pariser Chic.“
Kein Wunder also, dass vor allem modemutigere Celebrities wie Sofia Coppola, Cate Blanchett oder Tilda Swinton sich als Sitbon-Fans offenbaren. Denn ihre dunklen und doch romantischen Entwürfe zeigen, dass auch aktuelles Power-Dressing zuweilen eine Portion zarter Anmut vertragen kann.
