Couture-Handwerk

KARL LAGERFELD zeigt, wozu Meisterhände fähig sind

Couture-Handwerk

„Mode ist nicht etwas, das nur in Kleidern existiert“, lautete eine der Devisen von Coco Chanel. Sondern, Madame? „Sie liegt in der Luft. Sie hat etwas zu tun mit Ideen, mit der Art, wie wir leben, was um uns geschieht.“ Also hätte der Grande Dame sehr gefallen, was Karl Lagerfeld für Chanels diesjährige „Métiers d’Art“- Kollektion inszenierte: Er wählte London als Inspirationsquelle und Austragungsort der Show und zelebrierte das ganze Repertoire dessen, was man wohl als die Zeichen und Gesichter der Zeit bezeichnen kann: Beehive-Frisuren à la Amy Winehouse; It-Model Agyness Deyn stolzierte in schwarzen Lackleggings den Laufsteg auf und ab; und im Hintergrund rockte Pete Dohertys Ex-Freundin und Lagerfelds Muse Irina Lazareanu mit Sean Lennon.

Doch Chanel wäre nicht Chanel und Lagerfeld nicht Karl der Größte, wenn es nicht um mehr gehen würde als bloß um die pure Inszenierung. Die „Métiers d’Art“-Kollektion soll vor allem die Kunstfertigkeit der Pariser Haute-Couture- Ateliers wiederbeleben. Ende der 90er-Jahre beobachtete man in der Rue Cam bon, dass viele der Pariser Handwerksbetriebe aufgaben und damit immer mehr Wissen verloren ging. Und da Wissen auch in der Mode Macht ist, übernahm Chanel den Feder- und Blumenmacher Lemarié, den Hutmacher Michel und fünf weitere Werkstätten der feinen Handarbeit und widmete ihnen gleich eine ganze Kollektion außerhalb des offiziellen Showkalenders.

Vor diesem Hintergrund ist Lagerfeld mit dem diesjährigen Mix aus barockem Romantik-Look und Punkrock-Attitüde ein Meisterstück gelungen, denn die Kol lektion vereint die stille Feinheit des Handwerks mit den schrillen Bedürfnissen des Zeitgeistes. Coco Chanel schwebt sicher hocherfreut über allem.