Unterwäsche bricht Verhaltensmuster. Zumindest, wenn man MARLIES DEKKERS glaubt. Im Interview mit PARKAVENUE.DE erzählt die niederländische Designerin, wie sie vor 15 Jahren eine "kleine Dessous-Revolution" angezettelt hat
Frau Dekkers, was ist das Besondere an Ihren Dessous?Meine Lebens- und Firmenmaxime heißt „dare to be“ (traue dich, zu sein) – ein Motto, das meine Dessous ganz und gar zum Ausdruck bringen. Ich bin eine Frau, die für andere Frauen entwirft und ich arbeite den weiblichen Körper heraus, indem ich seine schönsten Partien durch grafische Designs und feine Details aus modernen Materialien betone und unterstreiche. Charakteristisch für meine Marke ist die Kombination aus einzigartigen Designs, ausgezeichneter Passform und hochwertigen Stoffen. Marlies Dekkers Dessous können auch modisch getragen werden, indem man sie sichtbar im Outfit integriert.Für welchen Typ Frau kreieren Sie Ihre Kollektionen?Ich möchte mir auf keinen Fall eine Vorgabe machen, für welche Zielgruppe ich Dessous entwerfe. Meiner Meinung nach sind alle Frauen auf ihre eigene Weise schön, egal welche Größe sie tragen oder welche Figur sie haben.
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In Ihren Shops gibt es geräumige Umkleidekabinen, große Spiegel und vor allem: schmeichelndes Licht. Die Bedürfnisse der Frauen liegen Ihnen offenbar am Herzen. Wie spiegelt sich das in Ihren Entwürfen wieder?Meine Shops zeigen meine Welt – und in der Marlies Dekkers-Welt fühlen sich Frauen wohl und inspiriert. Frauen lagen mir schon immer am Herzen, ihre Komplexität und innere Stärke haben mich seit je her fasziniert. Das sieht man auch an meinen Dessous. Vollendet sind sie erst am Körper der Frau... denn erst dann kommt ihr Design zur Geltung.Was gefällt Ihnen am weiblichen Körper?Der weibliche Körper ist schön, weil seine Formen und Figuren einzigartig sind. Was ihn ausmacht, sind Harmonie und Proportion der einzelnen Teile und die Lebenserfahrung, die jedem Körper auf den Leib geschrieben steht. Gerade die kleinen Narben, Falten und Verletzungen sind einzigartig und gehören zur persönlichen Geschichte jedes Menschen.Ihr Markenzeichen sind kunstvoll über Dekolletee oder um den Hals zu drapierende Bänder. Haben diese Bänder eine spezielle Funktion?Mit den Bändern möchte ich die schönen Partien des weiblichen Körpers einrahmen. Auf diese Weise erhalten Körperteile, die normalerweise unbeachtet bleiben, die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. So zum Beispiel der Rücken einer Frau oder ihr Nacken.Sie haben gesagt, Ihre Unterwäsche könne dazu beitragen, alte Verhaltensmuster zu brechen. Wie darf man sich das vorstellen?Am Anfang meiner Karriere habe ich das so genannte "hinternfreie" Kleider entworfen. Ein paar Wochen nachdem eine überregionale Zeitung einen Artikel über die Kollektion veröffentlicht hatte, trug dann eine bekannte niederländische Schauspielerin das Kleid bei einer Filmpremiere. Überall in den Medien wurden Fotos der Schauspielerin in meinem Kleid gezeigt. Das waren der offizielle Anfang meines Erfolgs und der Beginn der kleinen Dessous-Revolution, die ich herbeigeführt hatte.
Vor 15 Jahren, als ich meine Firma gründete, waren Dessous nur in unterschiedlichen Spitzen-Variationen erhältlich und ausschließlich dazu gedacht, sie unter der Kleidung zu tragen. Ihr primärer Zweck war derjenige, Männern zu gefallen, die Frau hauptsächlich als Objekt der Begierde zu zeigen, als hübsches Geschenk zum Auspacken. Mit alten Verhaltensmustern zu brechen, bedeutete für mich, diese Denkweise infrage zu stellen, indem ich Dessous stärker aus weiblichen Gesichtspunkten entwerfe, um Frauen dazu zu bringen, ihre Schönheit und Stärke zu zeigen. Schließlich wurde Unterwäsche zu einem Teil des Outfits, sichtbar und nicht mehr nur ein Objekt der Begierde. Definitiv eine kleine Revolution... Gibt es nach Ihrer Erfahrung nationale Unterschiede was Dessous-Geschmack betrifft? Ich würde meine Kreationen niemals an das Land anpassen, in dem ich sie verkaufe. Meiner Meinung nach ist es wichtiger, darauf zu achten, ob ein Land bereit ist für meine Art von Dessous. Dafür besuche ich die Länder oft, bevor ich mich dazu entschließe, meine Lingerie dort zu verkaufen. Ich fahre hin, um die Atmosphäre zu spüren, mit den Leuten zu sprechen, auszugehen und einfach die Kultur zu entdecken. In Italien zum Beispiel eröffne ich jetzt erst Boutiquen in Coin-Kaufhäusern. Italien ist ein Land, in dem ich immer die Macho-Kultur gespürt habe, es waren dort immer ausschließlich Männer an der Macht – das ändert sich aber gerade. Mich freut das sehr und ich bin froh, mit meinen Entwürfen Teil dieses Wandels zu sein.
Welche Unterwäsche mögen Sie an Männern am liebsten?Meine eigene Männerkollektion, die ich gerade entworfen habe, um Männern eine modische Alternative zu formlosen Baumwoll-Shorts mit aufgedruckten Segelbooten zu bieten. Zum Glück kann man inzwischen auch bei Männern immer mehr Interesse für Mode und Unterwäsche feststellen.Was für Unterwäsche tragen Sie gerade?
Ein Set aus der „Platinum Limited“ Kollektion. Das ist die Kollektion, mit der ich den 15. Geburtstag unserer Firma feiere – sie wird diesen Winter in die Läden kommen. Die Verbindung aus grafischem Elementen und dem floralem Design von Swarovski-Kristallen macht sie für mich sehr außergewöhnlich. Ich kann es kaum abwarten, zu feiern.