Der? Die? Das !

Stillstand ist Gift für ihn: Der spanische Designer JOSÉ CASTRO arbeitet tagsüber für das Label Desigual und lehrt als Dozent an gleich drei Modeschulen, und wenn es Nacht wird, schneidert er an seiner eigenen wirklich grandiosen Linie

 

Ihre Frühjahr-/ Sommer-Kollektion "Noitulove" ist sehr feminin. Als Inspirationsquelle nennen Sie unter anderem Filme wie den Science Fiction-Klassiker "Blade Runner". Wie passt so ein düsterer Film zu dieser verspielten Kollektion? Ich lasse mich von den unendlich vielen Filmen inspirieren, die ich in meiner Freizeit schaue. Das sind Klassiker, Kultfilme und Mainstreamstreifen. Ich denke, dass das Wer/Was/Wo und Wie dieser Geschichten in eine ästhetische Idee übersetzt werden kann. Und ob diese Idee nun schön, häßlich, vintage oder avantgarde ist – sie kann helfen, einen bestimmten Stil zu definieren. "Blade Runner" war nicht nur eine Inspiration für "Noitulove". Die Ästhetik des Film inspirierte jede meiner Kollektionen. Sie können es eine inspirative Grundlage nennen, auf der ich aufbaue. Die Haltung des Filmes, die Atmosphäre, die Verwendung der Farbe Schwarz… all das findet sich stets bei mir wieder. Bei “Noitulove” habe ich auch organische Formen eingesetzt. Silhouette von Blumen, Anordnungen von Blütenblättern und die Farbe Pink. Denkt man an "Blade Runner" als Inspirationsquelle, können diese Blumen irreführend sein. Aber die Form meiner Kleider und die Frau die sie trägt, ist eng verbunden mit der Rachael, dem weiblichen Filmcharakter aus "Blade Runner". Zu fast jedem Kleidungsstück haben Sie den passenden Hut entworfen. Sie selbst sieht man kaum ohne Kopfbedeckung. Was ist so faszinierend an Hüten? Es stimmt, dass ich fast immer einen Hut trage. Für mich verbreiten Hüte Vornehmheit und Eleganz und bringen uns der Vergangenheit näher. Diese Ästhetik finde ich sehr interessant, sie verbessert den Gesamteindruck und die Silhouette. Hüte sind ein Teil meiner Identität und seit meine Kollektionen ein Teil meiner Selbst sind, denke ich, dass ich immer Hüte in meiner Kollektionen verwenden möchte. Ich würde mir wünschen, dass sie Teil unserer alltäglichen Kleidung werden. So wie es früher einmal der Fall war.

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Sie haben 1999 das Royal College of Art in London mit dem Examen in Männermode abgeschlossen. Warum entwerfen Sie jetzt Damenmode? Weil es mehr beinhaltet. Während es in der Männermode um kleine Details und Änderungen geht, kann es in der Frauenmode sehr dramatisch zugehen. Wobei meine Männermode eigentlich immer überraschend war…. Um ehrlich zu sein, ist Frauenmode zu designen die natürliche Entwicklung nach acht Jahren reiner Männermode. Ich genieße meine Arbeit mit einer geradezu kindlichen Freude. Und obwohl ich sicher eines Tages wieder für Männer entwerfen werde, geht es im Moment nicht, da ich meine Zeit und Kreativität durch zwei teilen müsste, und diesen Luxus kann ich mir im Moment nicht leisten. Das bewahre ich mir für die Zukunft auf. Ich bin nicht zu ängstlich, um damit anzufangen, ich warte nur auf den besten Zeitpunkt, wo alles stimmig ist – Inspiration, Organisation, Präsentation, Produktion, Distribution, Stil etc. Meine Kommunikationsagentur ist Totem, für die Distribution ist ein fantastischer Showroom, No Season, zuständig. Gratacòs hilft mir in der Produktion weiter. Das ist ein Wolllieferant mit exzellenter Qualität aus Barcelona. 75 Prozent meiner Kleideungsstücke werden bei Gratacós gefertigt und ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden!

Abgesehen von der Kleidung: Gibt es für Sie einen Unterschied, ob Sie Mode für Frauen oder Männer designen? Ja, natürlich gibt es den. Alle Entwicklungen in unserer Gesellschaft zielen darauf ab, dass sich die ästhetischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern immer mehr vermischen. Männer achten beispielweise heutzutage mehr auf ihr Äußeres und benutzen sogar Make-up. Das sind Dinge, die vor Jahrzehnten noch den Frauen vorbehalten waren. Diese kulturellen Trends zeigen, wie sich männliche und weibliche Ästhetik entwickelt hat. Und das beeinflusst natürlich auch die Entwicklung einer Kollektion. Ich denke, dass in der Zukunft nicht mehr zwischen Kleidung für Frauen und für Männer unterschieden wird. Statt dessen wird Kleidung nicht mehr nach Geschlechterdifferenzierung entworfen sondern nur noch nach Gesichtspunkten wie die Struktur der Kleidung, Drucke oder Größe. Künftig wird das Individuum wichtiger sein als das biologische Geschlecht.

Was ist Ihr persönliches Must Have für den Frühling? Ein Mix der Extreme, um den eigenen Look zu entwickeln. Seit Ihrer Kindheit lieben Sie Filme. Mitte der 90er spielten Sie selbst die Hauptrolle in „Bla, bla, bla“, ein Independentfilm, der von Mode und Designern handelt. Nebenbei entwarfen Sie noch alle Kostüme für den Film. Werden wir Sie in Zukunft häufiger als Schauspieler sehen? Halte Dir jede Möglichkeit offen. Das ist eine meiner Philosophien. Und vor allem “Sag Niemals Nie”. Ich würde gerne wieder schauspielern, aber ich kann nicht sagen, ob ich es noch einmal tun werde. Ich werde eines Tages an Film- oder Videoprojekten arbeiten, da bin ich mir allerdings sehr sicher. Entweder als Art Director, Autor, Assistent des Regisseurs oder als Kostümdesigner. Der Film motiviert mich und ich denke, dass es mein Schicksal ist, eines Tages einen Film zu drehen oder in einen Filmprojekt involviert zu sein. Ich liebe es mehr, visuell zu kommunizieren, als dass ich Geschäftsmann bin. Das Geschäftliche überlasse ich lieber meinen Mitarbeitern.

Und worauf stehen Sie?

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